Der Güterverkehr auf der Schiene funktioniert in vielen europäischen Ländern nicht immer so, wie er eigentlich funktionieren könnte, denn oft mangelt es an der notwendigen Effizienz. Aber auch politische Querelen und höchst unterschiedliche Standards punkto Sicherheit und Konstruktion des Wagenmaterials behindern oft die volle Entfaltung dieser Verkehrsart. Doch dies soll in Zukunft besser werden. Sieben führende europäische Güterbahnen haben Mitte Februar dieses Jahres in Zürich die Allianz Xrail gegründet. Xrail verfolgt das Ziel, den internationalen Wagenladungsverkehr auf der Schiene kundenfreundlicher und effizienter zu gestalten.

Die Unternehmen wollen die Wettbewerbsfähigkeit des Schienengüterverkehrs spürbar verbessern und damit einen aktiven Beitrag zur Entlastung der Strassen und der Umwelt leisten. Der Wagenladungsverkehr hält einen Anteil von rund 50% am europäischen Güterverkehr auf der Schiene. Gemäss Studien weist er ein beträchtliches internationales Wachstumspotenzial auf. Als wichtigste Transportart soll er nun attraktiver und effizienter werden. Dies ist das Ziel der neuen Xrail Allianz.

Die Allianz beabsichtigt, die Qualität und die Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Wagenladungsverkehrs auf der Schiene gegenüber der Strasse zu erhöhen. «Dank der engen Zusammenarbeit bei den Produktions- und Informationsprozessen können wir ein beträchtliches Potenzial für mehr Effizienz und Qualität nutzen», erklärte Xrail-Projektleiter Günther J. Ferk in Zürich. Mit Xrail profitieren die Kunden von grenzüberschreitenden Produktionsstandards in drei Bereichen:

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Zuverlässigkeit (mindestens 90% Pünktlichkeit im internationalen Wagenladungsverkehr für die Relationen innerhalb des Xrail-Netzwerkes);

Transparenz (internationale Fahrpläne von Anschlussgleis zu Anschlussgleis der Kunden und aktive Informationssysteme);

Angebotsprozesse (Standardanfragen mit dem Ziel von maximal drei Tagen Bearbeitungszeit).

Empfindliche Lücken

Die Produktionsallianz Xrail weist allerdings in ihrer momentanen Konstellation empfindliche Lücken auf. Die Gründungsmitglieder stammen aus Mittel- und Nordeuropa inklusive der Schweiz, Österreich und der Tschechischen Republik. Aus ganz Südeuropa, also Italien, Spanien und Portugal, ist keine Güterbahn in die Allianz eingebunden. Solange diese massive Lücke besteht, muss an der Leistungsfähigkeit der neuen Allianz gezweifelt werden. Der Verband der verladenden Wirtschaft in der Schweiz (VAP) begrüsst die Gründung von Xrail und deren Bestreben, den internationalen Wagenladungsverkehr effizienter und kundenfreundlicher zu gestalten. Der VAP ist jedoch skeptisch, ob dies gelingt. VAP-Generalsekretär Frank Furrer weist beispielsweise darauf hin, dass die Allianz die heute bestehende Lücke des europäischen Wagenladungsverkehrssystems in Italien rasch schliessen muss. Die Allianz Xrail betrifft zudem weder den Ganzzugsverkehr noch den Kombinierten Verkehr mit Wechselbehältern.

Auch den kommerziellen Teil des Wagenladungsverkehrs, etwa Kundenkontakte und Preisgestaltung, erbringen die Bahnen weiterhin eigenständig und stehen dort untereinander im Wettbewerb. Ob die Idee der individuellen Preisgestaltung allerdings im Sinne des Kunden ist, muss ebenfalls kritisch betrachtet werden. Denn wie soll bei dieser Konstellation ein überschaubares Preisgefüge für transeuropäische Wagenladungsverkehre realisiert werden? Anderseits verpflichten sich die Xrail-Partner zur Einhaltung der vereinbarten Qualitäts- und Servicestandards. Die Zukunft wird zeigen müssen, ob Xrail der Durchbruch gelingen wird. Noch sind einige wichtige Probleme ungelöst.