Einer der Hauptgründe für die Zurückhaltung im M&A-Markt ist die Unsicherheit über die Entwicklung der globalen Wirtschaft. Das lässt sich am panischen Anstieg des «Angst-Indikators» ablesen. Im Besonderen zeigen sich die Wirtschaftskapitäne über die Zukunft der eigenen Unternehmen besorgt: Sie leiden unter teilweise dramatischen Auftragsrückgängen und müssen einschneidende Massnahmen wie Entlassungen, Produktionspausen und Kurzarbeit einleiten.

Ein weiterer Grund ist die schwache Visibilität des Geschäfts möglicher Zielunternehmen. Die Erstellung eines Businessplans erscheint derzeit kaum möglich, da die Zukunftsaussichten nicht verlässlich eingeschätzt werden können. Hinzu kommt, dass die Einschätzungen von Verkäufer und Käufer teilweise dramatisch differieren und somit die Basis für eine Preisbildung nicht gegeben ist. Eine weitere Ursache für die abnehmende Zahl von Transaktionen liegt in den aktuell fehlenden Finanzierungsmöglichkeiten.

Dominierender Käufermarkt

In der Schweiz gibt es nach wie vor zahlreiche Gesellschaften, die sehr gut positioniert sind, eine gute Kosten- und eine gesunde Finanzierungsstruktur ausweisen und zudem noch über offene Kreditlimiten verfügen. Gesunde und starke Unternehmen können sich im derzeitigen Käufermarkt eine gute Ausgangslage schaffen. Denn die aktuellen Bewertungen von börsenkotierten Unternehmen liegen auf einem historischen Tiefststand und reflektieren den nachhaltigen Wert der Unternehmen meist nicht. Es gibt daher interessante Opportunitäten, Zielunternehmen zu einem vernünftigen Preis zu akquirieren.

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Unternehmen können aus verschiedenen Gründen verkauft werden, z.B. weil das Unternehmen, der Eigentümer oder die Muttergesellschaft unter Druck geraten sind und finanzielle Mittel benötigen. Oder wenn dringend eine Nachfolgelösung gefunden werden muss. Es ist auch zu erwarten, dass Private-Equity-Funds vereinzelte Gesellschaften aus ihrem Portfolio veräussern müssen.

Chancen ergreifen

Im aktuellen Umfeld gibt es also viele strategische Möglichkeiten, im Bereich Fusionen und Akquisitionen tätig zu werden. Dafür muss man sich aber genügend Zeit und Ruhe lassen. Grundlage ist eine klare Strategie: M&A sollte ein integrierter Schritt einer langfristigen und nachhaltigen Unternehmensstrategie sein. Für die Vorbereitung der Fusion oder Akquisition ist ein strukturiertes Vorgehen zu empfehlen: Es braucht definierte Abläufe und eine gründliche Prüfung des Zielunternehmens (Due Diligence). Es müssen realistische Businesspläne und eine gesunde, nachhaltige Finanzierung vorbereitet werden.

Die Fusion oder Akquisition sollte in einem vertrauten Geschäftsfeld erfolgen, in welchem die Chancen und Risiken durch alle Zyklen hindurch bereits bekannt sind. Natürlich ist auch eine Diversifikation in angrenzende Geschäftsfelder mit ähnlichen Geschäftsbedingungen möglich. Für die erfolgreiche Umsetzung braucht es ein klar definiertes Integrationskonzept und ein überzeugendes Managementteam auf allen wesentlichen Stufen.