«Eine multinationale Todesfabrik», «Tod für Monsanto», «Monsanto für 291'000 Selbstmorde verantwortlich». Der Agrochemieriese macht nicht unbedingt positive Schlagzeilen. Er gehört zu den meistgehassten Unternehmen der Welt. Dieses Jahr belegt Monsanto Platz 4 im «Harris Poll Reputation Quotient» der amerikanischen Firmen mit dem schlechtesten Ruf, getoppt nur von Wallstreet-Instituten wie Goldman Sachs oder AIG.

Die längste Zeit war Monsanto eine klassische Chemiefirma. Sie hatte unter anderem das Insektizid DDT, das als Waffe im Vietnamkrieg eingesetzte Entlaubungsmittel Agent Orange, oder PCB im Angebot. Alle drei Mittel sind heute weitgehend geächtet. Der Konzern wuchs und wuchs.  Im Oktober 2000 wurde der Agrochemie-Bereich unter dem Namen Monsanto abgetrennt. Knapp zwei Jahre später erfolgte die vollständige Loslösung. Im Bereich Gentechnik mit Pflanzen war das Unternehmen von Anfang an führend. Nun wollen die Amerikaner sich mit der Basler Syngenta verschmelzen.

Millionen für Abstimmungskämpfe

Der Konzern steht in der Öffentlichkeit vor allem für gentechnisch veränderte Lebensmittel, jedes Jahr führen Kritiker den «March against Monsanto» durch. In den USA zog die Firma den Zorn vieler Amerikaner auf sich, weil sie mit Millionen von Dollar Nahrungsmittel-Deklarationspflichten in verschiedenen Staaten für Genfood zu Fall brachte.

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2012 etwa schoss Monsanto zusammen mit Dupont in Kalifornien 46 Millionen Dollar Kampagnegelder ein - mit Erfolg. Inzwischen hat sich im Kampf um Labels offenbar der Wind in den Staaten gekehrt. Im Mai 2014 nahm Vermont eine solche Labelpflicht an, dann folgten Maine und Connecticut.

Fast 50 Milliarden Börsenwert

Monsantos schlechtes Image steht im scharfen Kontrast zur wirtschaftlichen Entwicklung. Bei der Gründung 2000 trug das Unternehmen gerade mal 149 Millionen Dollar Gewinn heim. 13 Jahre später betrug er 2,5 Milliarden Dollar.

Der Aktienwert kennt ebenfalls nur eine Richtung: aufwärts. Seit 2000 ist der Börsenwert von 7 Milliarden auf fast 50 Milliarden Franken angewachsen. Und das genetisch veränderte Saatgut von Monsanto und Co. hat sich in den USA rasant verbreitet, trotz vieler Bedenken der Öffentlichkeit. Laut dem US-Landwirtschaftsdepartement waren im Jahr 2013 90 Prozent des angepflanzten Mais und Baumwolle sowie 93 Prozent aller Sojabohnen gentechnisch verändert.

Digitalisierung der Agrarwirtschaft

Nach über zehn Jahren Fokus auf die Gentechnik konzentriert sich Monsanto inzwischen wieder vermehrt  auf traditionelle Anbaumethoden. Die Firma erforscht auch den gezielten Einsatz von Pilzkulturen, Bakterien und anderen lebenden Organismen, um Saatgut zu schützen. Das Forschungsbudget der Firma beträgt 1,5 Milliarden Dollar.

Die grösste Umwälzung, die auf Monsanto-Kunden zukommt, dürfte jedoch aus der Informatik kommen. Der Konzern kaufte die IT-Firmen Precision Planting und Climate Corporation. Damit zielt der Agrochemie-Konzern auf die Digitalisierung der Agrarwirtschaft.

Heute verkauft Monsanto auch Software

Inzwischen bietet Monsanto auch Software- und Hardwareprodukte an, die im grossen Stil Daten über die Äcker ihrer Klienten sammeln - von der Bodentemperatur über Regenfälle, die Beschaffenheit oder Keimlinge im Boden. Dazu nimmt Monsanto die Hilfe der Open-Source-Software Hadoop in Anspruch. Big Data soll in der Landwirtschaft Einzug halten, findet Monsanto.

Im Idealbild der Amerikaner weiss in Zukunft jeder Bauer über jeden Quadratmeter seines Bodens Bescheid - und bewirtschaftet ihn entsprechend mit Monsanto-Samen. Oder vielleicht bald auch Dünger von Syngenta.