Die Entwicklung von Exchange Traded Funds (ETF) in Europa steckt, verglichen mit den USA, noch in ihren Kinderschuhen. Privatanleger entdecken zunehmend die Möglichkeiten von ETF, während institutionelle Investoren immer mehr komplexe Strategien mit ihnen umsetzen. In den USA machen die Privatanleger bereits die Hälfte des in ETF verwalteten Vermögens aus. Auch in Europa entdecken Privatanleger zunehmend deren Vorteile.

Allerdings werden ETF von den Banken nur zögerlich empfohlen. Ein Grund: Entschädigungen an die Vertriebsträger bestimmen nach wie vor die Vertriebsstrukturen. Produkte, an denen der Berater wenig verdienen kann, kommen daher häufig zu kurz. Dennoch sollte der Anteil von Privatanlegern in den nächsten Jahren weiter steigen.

Der Trumpf von ETF ist dabei ihr Kostenvorteil. Die Gesamtkostenquote beispielsweise eines Aktien-ETF liegt durchschnittlich rund 1,4 Prozentpunkte unter der eines aktiv gemanagten Aktienfonds. Diesen Kostenunterschied gleichen nur wenige aktiv gemanagte Fonds durch eine höhere Performance aus. Auch für institutionelle Investoren sind die Kosten ein wichtiges Argument. Sie greifen jedoch auch zu ETF, weil diese mit ihrer exakten und transparenten Abbildung ausgewählter Märkte ein ideales Instrument für zahlreiche Strategien sind. Beispielsweise unterstützen ETF eine moderne Asset Allocation und Core-Satellite-Strategien.

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Vielfältige Anlagestrategien

Bei der Asset Allocation wählt der Anleger einzelne Märkte und Anlageklassen so aus, dass das Anlagerisiko möglichst breit gestreut und ein optimales Risiko-Rendite-Verhältnis erzielt wird. Bei Core-Satellite-Strategien trennen Investoren ein Kerninvestment, das die Performance ihrer Benchmark abbildet, von Positionen im Portfolio, mit denen sie eine Outperformance des Marktes – das sogenannte Alpha – erzielen wollen. Für beide Strategien eignen sich ETF hervorragend. Dank der einfachen Abbildung des Kerninvestments und einzelner Randpositionen über ETF können Investoren mehr Ressourcen für die Analyse von Einzeltiteln in Märkten aufwenden, in denen sie über die notwendige Expertise für eine Outperformance verfügen.

ETF ermöglichen Investoren einen einfachen und effizienten Zugang zu verschiedenen Anlageklassen und Märkten. Ein Investor kann beispielsweise mit einem ETF diversifizierte Positionen in Schwellenländern oder einzelnen Sektoren aufbauen. Wenn ein Anleger sich aufgrund von makroökonomischen Überlegungen entscheidet, einzelne Sektoren höher zu gewichten, muss er oft die gewünschte Branche über Einzeltitel abdecken. Diese Titel reflektieren aber meistens nicht sämtliche Eigenschaften des Sektors.

Dagegen bietet der Einsatz von ETF mit einem einzigen Trade Exposure gegenüber einer ganzen Branche, sodass die Anleger ständig anhand der neuesten Informationen einzelne Sektoren in ihr Portfolio aufnehmen oder bestimmte Sektoren aus dem Portfolio entfernen können, je nach dem, wie es zur Senkung des Risikos und zur Steigerung der Rendite erforderlich ist.

Institutionelle bauen aus

Der Einsatz von ETF für verschiedene Strategien birgt viel Potenzial. Dies zeigt eine Studie von iShares unter 350 institutionellen Investoren in Europa. Bereits 57% der Investoren nutzen ETF zur Asset Allocation und 23% für Core-Satellite-Strategien. Laut der Studie erwartet fast jeder zweite professionelle Investor, dass sein Haus in den nächsten 18 Monaten seine Positionen in ETF ausbaut.

Neue Möglichkeiten

Die ETF-Anbieter haben in den vergangenen Monaten ihr Produktangebot kontinuierlich ausgebaut. Mittlerweile werden an der SWX über 120 ETF angeboten, weltweit sind bereits beinahe 1300 Produkte verfügbar. Tendenz steigend. Die neuen Produkte treffen zumeist auf reges Interesse der Anleger. Beispielsweise benötigen Privatanleger und kleinere institutionelle Anleger ETF auf schwer zugängliche Anlageklassen, wie Private Equity oder Alternative Investments, um ihr Portfolio sinnvoll zu diversifizieren und Core-Satellite-Strategien passgenau umsetzen zu können.

Während etwa Investments in Private Equity meistens nur über hohe Mindestanlagesummen und eine unternehmerische Beteiligung – z.B. an einem geschlossenen Fonds – möglich sind, lässt sich mit ETF dem Portfolio ein diversifiziertes Investment in diesen Anlageklassen effizient und flexibel beimischen.

Gleichermassen interessant für private und institutionelle Investoren sind ETF, die ausgewählte Strategien abbilden. Ein Beispiel hierfür sind Dividendenstrategien. Es gibt beispielsweise ETF auf Indizes von Dow Jones STOXX, die Unternehmen nach ihrer Dividendenrendite gewichten und lediglich Titel aufnehmen, die über fünf Jahre Dividendenauszahlungen nicht gekürzt haben und maximal 60% ihrer Gewinne ausschütten. Die Folge: Anleger erhalten zu geringen Kosten ein Portfolio, das sich deutlich von den Standardindizes unterscheidet, und eine klare Dividendenstrategie verfolgt.

Die ETF-Branche verfügt mit der wachsenden Bedeutung von Privatanlegern, den erweiterten Möglichkeiten ETF im Asset Management zu nutzen und einem ständig zunehmenden Produktangebot über beste Wachstumsbedingungen. Grund genug für die Investmentbank Morgan Stanley, ein weltweit in ETF verwaltetes Volumen von knapp 1,3 Billionen Euro für 2011 zu prognostizieren.