Die Technik für die Elektromobile ist - im Prinzip - serienreif. Allerdings: Drei Schwachpunkte sind noch nicht zur Zufriedenheit der Hersteller und auch der Konsumenten gelöst: Die Reichweite, die Dauer des Ladevorgangs und der Preis. Dennoch haben sich verschiedene Hersteller, vorwiegend aus Japan, entschlossen, ab nächstem Jahr elektrisch betriebene Autos in Serien von einigen tausend Stück herzustellen.

Gross in den Markt mit E-Fahrzeugen steigt die Allianz Renault-Nissan ein. Nissan hat dabei die Führung in der Entwicklungsarbeit übernommen. Das ab 2010 auf dem Markt angebotene Serienfahrzeug Leaf wurde nicht wie bisher üblich auf einem bereits existierenden Serienfahrzeug mit Verbrennungsmotor aufgebaut, sondern grossmehrheitlich von Grund auf neu entwickelt. Nissan hat seine Bemühungen - vorerst zumindest - allerdings auf den heimischen Markt und einige asiatische Länder ausgerichtet. Die ersten Fahrzeuge für Europa (auch von Renault) sind frühestens für 2011 oder gar 2012 geplant.

Doch in einem Punkt unterscheidet sich die Verkaufspolitik der Allianz Nissan-Renault von Projekten der Konkurrenz (siehe Kasten). Das japanisch-französische Gespann hat, und das ist für die zukünftige Service-Infrastruktur von eminenter Bedeutung, mit den Regierungen Portugals und Israels entsprechende Verträge abgeschlossen. Vor allem in Israel wird ein grosser Feldversuch laufen, der Aufschlüsse über die tägliche Handhabung mit Elektrofahrzeugen geben soll. Die Regierung hat den beiden Herstellern zugesagt, dass sie den Aufbau von Verkaufs-, Service- und Ladestationen massiv fördern will.

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26 Haltungen in der Schweiz

Auf die Frage, ob mit der Schweiz ein vergleichbares Projekt geplant sei, wird man von Nissan darauf hingewiesen, dass hierzulande Verhandlungen und Realisierung eines derartigen Vorhabens viel zu kompliziert sind. Dieser Sachverhalt wird auch von einem Vertreter der Elektrizitätswirtschaft bestätigt, der nicht namentlich genannt werden will. Nach seinen Worten sieht sich der Bund nicht in der Lage zu helfen, weil, so die Begründung aus Bern, «das Sache der Kantone und Gemeinden ist».

Dies bedeutet in der Realität, dass ein Stromproduzent, will er Ladestationen, sogenannte Quick-Charger, mit denen eine Batterie innerhalb von 20 bis 30 Minuten bis zu 80% aufgeladen werden kann, bei Shopping-Zentren oder in den Stadtzentren aufstellen, mit mindestens 26 verschiedenen Kantonen verhandeln muss. Von der Zahl der einzelnen Kommunen ganz zu schweigen.

Zwar bemühe man sich, an verschiedenen Stellen Quick-Charger zu installieren, die übrigens nicht erst entwickelt werden müssen, sondern serienreif zur Verfügung stehen, aber der Vertreter der Elektrizitätswirtschaft zeigt sich ziemlich ratlos und enttäuscht über das Verhalten der Behörden in der Schweiz. Natürlich sei es möglich, weist er darauf hin, dass die Fahrzeuge auch zu Hause an einer handelsüblichen Steckdose mit 220/230 Volt aufgeladen werden können, doch dann dauert der Vorgang gegen acht Stunden.

Preis ein weiterer Hemmschuh

Ein ganz entscheidender Punkt, der den Kauf eines E-Autos nicht eben leicht macht, ist sein Preis. Die Fahrzeuge sind noch immer einiges teurer (inklusive Batterie) als Autos mit Verbrennungsmotoren oder als Hybridfahrzeuge. Die Marketing- und Preisstrategen haben sich deswegen auf zwei Wege konzentriert. Entweder mietet (Leasing) ein Kunde das Fahrzeug mit der Batterie - oder er kauft das Fahrzeug und least die Batterie.

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Für die Zukunft wird ein Zustand angestrebt, der das Fahrzeug als Ganzes nicht oder nicht wesentlich teurer macht als ein Auto mit Verbrennungsmotor in der Golf-Klasse. Die Aufwendungen für die geleaste Batterie und den Strom sollten den monatlichen Betrag für Treibstoff- und Servicekosten für ein konventionelles Auto nicht überschreiten.

Es dürfte allerdings noch eine ganze Weile dauern, bis dieser Idealzustand erreicht ist.