Nur wenige Wissensgebiete unterliegen einem so schnellen und kontinuierlichen Wandel wie die Informations- und Kommunikationstechnologie (ICT). Einerseits ist die Halbwertszeit des nötigen Fach- und Methodenwissens im Vergleich zu anderen Ingenieurdisziplinen eher kurz und sinkt andauernd weiter, andererseits müssen auch bereits im Einsatz befindliche Legacy-Systeme zusätzlich verstanden bzw. unterhalten und gegebenenfalls gezielt weiterentwickelt oder abgelöst werden.

Zudem erfordert das Vordringen von ICT-Systemen in fast alle Bereiche des öffentlichen, privaten und geschäftlichen Lebens entsprechend breite Kenntnisse auf beinahe allen Tätigkeits-, Alters- sowie Ausbildungsstufen. Diese Entwicklung hat direkte Konsequenzen für das Berufsbild bzw. auf die Ausrichtung von Lehre und Forschung im ICT-Bereich.

Lebenslanges Lernen ein Muss

Aktuelle Anwenderkenntnisse sind in vielen Branchen bereits heute unerlässlich - ebenso ist selbst für das Bedienen von ehemals einfachen Geräten wie Mobiltelefonen, Navigationssystemen oder Unterhaltungselektronik Wissen um die Vernetzung, Konfiguration, Integration und Bedienung notwendig. Aufgrund des raschen technologischen Wandels muss dieses Wissen im Sinne des lebenslangen Lernens immer wieder aktualisiert und erweitert werden.

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Darüber hinaus erfordern viele berufliche Tätigkeiten eine duale berufliche Aus- und Weiterbildung, die entsprechendes Wissen sowohl im jeweiligen Fachgebiet als auch in der zugrundeliegenden Informations- und Kommunikationstechnik umfasst. Umgekehrt bedeutet dies, dass auch ICT-Spezialisten zusätzlich zu ihrem aktuellen Fachwissen zusätzliche Qualifikationen in einem oder mehreren Anwendungsbereichen erwerben müssen, um sich in einem zunehmend kompetitiven Arbeitsmarkt nachhaltig zu behaupten.

Der Umgang mit Umgebungen und deren Anwendung ist bereits heute ein wesentlicher Bestandteil der schulischen und beruflichen Ausbildung. In diesem Bereich ist besonders darauf zu achten, dass durch entsprechende Angebote an das Lehr- und Ausbildungspersonal der Lehrstoff aktuell und stufengerecht vermittelt wird. So kann bei den Lernenden und Auszubildenden das Interesse für die ICT und deren Anwendung geweckt und im Rahmen weiterer Schritte verstärkt bzw. vertieft werden. Bereits auf dieser Stufe ist es wichtig, sowohl die Möglichkeiten als auch die Grenzen und Risiken des ICT-Einsatzes zu vermitteln.

In der universitären ICT-Ausbildung gemäss den vereinheitlichten Bachelor- und Master-Ausbildungsstufen besteht die wesentliche Herausforderung neben der Rekrutierung einer genügenden Anzahl von Studierenden in der richtigen Balance zwischen methodischem Grundwissen und der Berücksichtigung immer neuer fachlicher Themen, ohne dass dadurch die Ausbildungszeit verlängert oder das Programm überfrachtet wird. Bereits heute steht einem Angebot bzw. Überangebot von fachlichen Inhalten eine nicht ausreichend grosse Anzahl Studierender gegenüber. Bereits das Schweizer Jahr der Informatik (Informatica 2008) förderte die wichtige Erkenntnis Zutage, dass bei den ICT-Fachleuten der Nachwuchs als akut gefährdet angesehen werden muss.

Durch ein universitäres Angebot zur beruflichen Weiterbildung - etwa Certificate, Diploma oder Master of Advanced Studies (MAS) - müssen bereits im Berufsleben stehende Personen gezielt und kontinuierlich bezüglich relevanter ICT-Themen ausgebildet werden. In diesem Bereich ist die Zusammenarbeit mit Industrie und Wirtschaft bezüglich Bedürfnissen, Themenwahl und Praxisbezug von enormer Wichtigkeit.

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Eine Investition in die Zukunft

In der Forschung stellt der schnelle Wandel im ICT-Bereich ebenfalls eine Herausforderung dar - aber auch eine Chance. Neben der Grundlagenforschung bezüglich Methoden oder Algorithmen ist hier die anwendungsorientierte Forschung mit starker Einbindung von Industriepartnern und entsprechend geförderten Technologietransfers von besonderem Interesse. Die hie-raus entstehenden Synergien und Kooperationen bilden ein nicht zu unterschätzendes Potenzial bezüglich Innovationskraft für den Wirtschafts- und Produktionsstandort Schweiz.

Auf dem Weg zu einer stark dienstleistungsorientierten Gesellschaft ist ICT die Träger- und Schlüsseltechnologie. Vor diesem Hintergrund ist ICT ein Wachstumsmarkt und eine Investition in die Zukunft. Die ausgezeichnete technologische Infrastruktur, der gute Ausbildungsstand und die wirtschaftliche und gesellschaftliche Stabilität des Landes befähigen die Schweiz in besonderem Masse, sich in diesem Markt nachhaltig zu positionieren. Wesentliche Voraussetzungen hierfür sind jedoch die Fähigkeit, auf die erkannten Bedürfnisse des Marktes flexibel und mit guter Qualität zu reagieren, die Bereitschaft, den kontinuierlichen Wechsel als «Fact of Life» zu akzeptieren und entsprechende Anstrengungen in der schulischen, beruflichen und universitären Aus- und Weiterbildung sowie in der Forschung und Entwicklung zu unternehmen.

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