In der IT-Industrie findet eine Konsolidierung statt - würden Sie alles aus einer Hand kaufen, wie das bestimmte Anbieter vorschlagen?

Randall «Randy» Mott: Wenn man alles aus einer Quelle bezieht, sind oft einzelne Elemente suboptimal. Wir sind auch als Anbieter der Auffassung, dass sich alle Teile einer Lösung auch einzeln auf den Märkten behaupten müssen, damit sie richtig gut sind.

Wie weit spielen veraltete Systeme bei der Finanzkrise und insbesonders bei Banken eine Rolle?

Mott: Aus der Sicht eines Risiko-Managements stellt sich die Frage, wie gut die Informationen innerhalb einer Firma zugänglich sind. Banken, aber auch viele Unternehmen unterhalten viele getrennte Silos mit Informationen. Das ist das grösste Risiko. Man braucht bessere Informationen über das eigene Geschäft. Das war auch der erste Auftrag, den Mark Hurd, der CEO von HP, mir nach der Einstellung gab. Deshalb war es eine der Leitlinien unserer Arbeit, eine konsistente Informationsbasis herzustellen und den Zugang zu Informationen aufzubauen. So konnten wir rasch auf Veränderungen reagieren.

Was heisst das konkret?

Mott: Bei vielen Firmen ist es hier nicht sehr gut bestellt. Und bei Banken stellt sich zusätzlich die Frage, wie Assets bewertet werden, und das ist nur mit vielen weiteren Informationen möglich. Und hier ist es in den letzten Jahren auch zu etlichen Übernahmen gekommen, welche die Informationssilos eher noch zementiert hatten.

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Sicherheit ist nicht nur bei Banken ein wichtiges Thema - viele US-Firmen wurden im letzten Sommer über das Internet angegriffen.

Mott: Sicherheit ist ein Thema bei uns und mit der Offenheit der Technologie steigt auch die mögliche Gefährdung. Zudem steigen die Risiken auch durch die engen Kontakte mit Kunden und Lieferanten, weil man einfach mehr Berührungspunkte hat.

Was raten Sie anderen CIO?

Mott: Wir haben aber ein wirksames Mittel dafür, und das ist immer die Verwendung der allerneusten Software-Versionen, abgesehen von den üblichen Mitteln wie Firewalls, Intrusion-Detection usw. Zudem haben wir durch unsere Konsolidierung auf sechs Rechenzentren die Sachen auch überschaubar und damit viel sicherer gemacht. Wir sehen dennoch tägliche Angriffe von draussen, denn je bekannter ein Name, desto öfter wird man angegriffen. Es gab jedoch nie Unterbrüche deswegen. Mein Rat für andere CIO ist daher: Mehr Geld für Upgrades der Software ausgeben und nicht nur immer die neuste Sicherheitstechnologie kaufen.

Verändert Cloud-Computing Ihre eigene Rolle als CIO?

Mott: Nein, sie ändert sich nicht. Es geht dabei immer um die Infrastruktur, die dahinter steht, und wir bieten auch Infrastrukturdienste für unsere Kunden an. Zudem setzen wir hier auf neue Technologien wie Virtualisierung.

Kommen Sie bei der Hard- und Software an Kapazitätsgrenzen?

Mott: Nein, das war ein Thema der 70er- und 80er-Jahre des letzten Jahrhunderts. Die Grenzen heute sehen anders aus: Es sind dies Komplexitätsreduktion und Vereinfachung. Wir haben die Komplexität stark reduziert und vereinfachen laufend weiter. Die meisten Firmen haben hier Grenzen, weil sie noch alte Hard- und Software weiterverwenden. Sie kommen deshalb kaum dazu, neue Technologien richtig einzusetzen, und verwenden ihre alten IT-Umgebungen viel zu lange weiter. Wir haben jetzt fast nur neue Technologien, Software und Hardware, im Einsatz.

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Ein wichtiger möglicher Faktor für Ihre Restrukturierung der IT ist die Konsolidierung der Lieferanten?

Mott: Ja, das haben wir gemacht. Als Kunde hat man heute viele Wahlmöglichkeiten hinsichtlich Betriebssystemen, Datenbanken und Applikationen und oft laufen verschiedene Versionen der Software in der gleichen Firma. Wir hatten beispielsweise zwölf unterschiedliche Versionen der CRM-Software von Siebel im Einsatz, jetzt nur noch eine.

Welche Politik verfolgen Sie?

Mott: Die richtige Auswahl der Lieferanten ist entscheidend, um eine Weltklasse-IT-Organisation zu formen. Wir schauen uns das immer auf verschiedenen Ebenen an und entscheiden uns dann, ob wir etwas selber bauen oder einkaufen. Wichtig sind die Standardisierung und die richtige Wahl von Partnerfirmen.