Mit dem neuen Revisionsaufsichtsgesetz wurde im letzten Jahr auch die eingeschränkte Revision eingeführt. Wie ist sie angekommen?

Hans Wey: Noch ist kein abschliessendes Urteil möglich. Eines steht fest: Die eingeschränkte Revision ist ein Erfolg. Sie stösst bei den Kunden auf grosse Akzeptanz, weil sie auf die Bedürfnisse der kleinen Gesellschaften zugeschnitten ist.

Es gibt aber bereits Widerstand. Ständerat Rolf Büttiker verweist in einer Motion darauf, dass die Revisionsgesellschaften viele kleinere und mittlere Firmen zwingen, statt einer eingeschränkten eine ordentliche Revision zu machen. Was sagen Sie zu diesem Vorwurf?

Wey: Diese Aussage ist mir unverständlich, sie ist auch in keiner Weise belegt. Die Revisionsstellen können die Unternehmen gar nicht zu einer ordentlichen Revision - zu einem sogenannten Opting-up - zwingen. Das könnte nur die Generalversammlung. Eine Gesellschaft könnte überdies die Revisionsstelle auswechseln, wenn solche Forderungen erhoben würden. Nicht auszuschliessen ist, dass allenfalls Gläubigerbanken verlangen, dass ordentlich revidiert wird.

Den Revisionsgesellschaften wird auch angelastet, sie würden die Firmen zu einem aufwendigen internen Kontrollsystem (IKS) und einem Risikomanagement zwingen. Verteuert dies die Prüfungsarbeit bis zu 40%, wie nun bekannt wird?

Wey: Eine Firma führt ein IKS ein und betreibt es zur eigenen Sicherheit und nie für die Revisionsstelle. So will es auch der Gesetzgeber, und zwar ausschliesslich für die grösseren Unternehmen, die zwingend eine ordentliche Revision durchführen müssen. Das IKS wurde schon im Parlament und darnach in der Umsetzung intensivst diskutiert. Dabei wurde geklärt, dass die Revisionsstelle nur prüft, ob ein - selbstverständlich der Unternehmensgrösse angepasstes - IKS existiert und ob es auch gelebt wird. Es darf nicht einfach ein Papiertiger sein. Im Übrigen ist der VR in der Ausgestaltung des IKS aber völlig frei. Im Gegensatz zu den USA wird nicht geprüft, ob das IKS alle relevanten Komponenten abdeckt und auch richtig funktioniert.

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Auch das Risikomanagement liegt im ureigenen Interesse der Unternehmen und gehört zu den Kernaufgaben eines jeden Verwaltungsrates. In kleinen Verhältnissen kann dies ohne grosse Formalitäten erfolgen. Neu müssen die Unternehmen im Anhang zur Jahresrechnung «Angaben über die Durchführung einer Risikobeurteilung» machen. Dies darf aber nicht mit dem eigentlichen Risikomanagement verwechselt werden. Die Angaben im Anhang müssen von der Revisionsstelle auf ihre formelle Richtigkeit geprüft werden. Auch bei diesem Thema werden Unwahrheiten kolportiert. Der materielle Inhalt sowie der Detaillierungsgrad der Ausführungen bleiben dem Verwaltungsrat überlassen. Es gibt keinerlei Standards oder Richtlinien der Treuhand-Kammer, was diese Angaben beinhalten müssen. Die Behauptung, dass die Revision bei KMU aufgrund der neuen Gesetzgebung um bis zu 40% verteuert wird, kann ich schlicht nicht nachvollziehen.

Hat die Treuhand-Kammer eigenmächtig die Standards für das IKS gesetzt, wie dies vom Gewerbeverband kritisiert wird?

Wey: Die Treuhand-Kammer hat die kritisierten Gesetzestexte nicht initiiert und auch keine Standards als Vorgabe für die zu prüfenden Unternehmen erlassen. Stattdessen hat die Treuhand-Kammer Spielregeln für den Berufsstand aufgestellt, die aufzeigen, wie die vom Gesetzgeber zugewiesenen Aufgaben wahrgenommen werden sollen. Diese Standards wurden einer breiten Vernehmlassung unterzogen und mit den Wirtschaftsverbänden eingehend diskutiert, bevor sie letztlich durch die staatliche Aufsichtsbehörde zu genehmigen waren. Sie dienen im Übrigen nicht den kommerziellen Interessen des Berufsstandes, sondern ausschliesslich der Qualitätssicherung in der finanziellen Berichterstattung und in der Revision.

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Ist das IKS für kleinere Unternehmen eine unnütze und teure Schikane, die lediglich riesige Papierberge produziert?

Wey: Zunächst muss festgehalten werden, dass ein IKS nur für Unternehmen vorgeschrieben ist, welche die bekannten Schwellenwerte - Bilanzsumme 10 Mio Fr., Umsatz 20 Mio Fr., 50 Mitarbeiter - übersteigen. Ein vernünftig aufgebautes und dokumentiertes IKS hat für die Unternehmen dieser Grössenordnung durchaus einen Mehrwert. Wenn ein Unternehmen aber ein solches System für sich als nutzlos erachtet und darauf verzichten will, dann kann es dies tun. Die Verantwortung dafür liegt klar beim Verwaltungsrat. Die Revisionsstelle wird dann aber konsequenterweise die Existenz eines solchen Systems nicht bestätigen können.

Wie stellen Sie sich zur Forderung, die Schwellenwerte für eine ordentliche Revision müssten massiv erhöht werden?

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Wey: Wir haben damit kein Problem. Das ist eine politische Frage, zu der wir nie konkret Stellung genommen haben. Wünschenswert sind einfach möglichst konsistente Lösungen, die dann für die Rechnungslegung, Konsolidierung und Revision, aber auch etwa für das Fusionsgesetz einheitlich sind. Heute haben wir ein Wirrwarr an Schwellenwerten, die jetzt vereinheitlicht werden sollten.