Bereits vor über 20 Jahren wurde mit der ersten Fassung der UCITS-Richtlinien (Undertakings for Collective Investments in Transferable Securities) ein erster Schritt in Richtung eines harmonisierten Marktes für die europäische Fondsindustrie getan. Mittlerweile hat die EU-Kommission im letzten Sommer einen Entwurf zur Überarbeitung dieses Regelwerkes (UCITS IV) vorgelegt, der auf eine weitere Integration im Fondsmarkt bis 2011 abzielt. Dabei sollen die Informa-tionen für den Anleger vereinfacht und vereinheitlicht werden. Das wird es dem Investor erlauben, besser als bisher Vergleiche zwischen den einzelnen Fonds zu ziehen. Zudem sollen Fondsfusionen über die Landesgrenzen ohne grossen Aufwand möglich sein.

Das Pooling der Gelder wird künftig dafür sorgen, dass sich die Kosten vermindern. Schliesslich streben die EU-Mitgliedsländer eine harmonisierte Aufsicht mit einer intensivierten Kooperation an. «Es ist wichtig, dass bei dieser Regulierung die Lehren aus der jetzigen Finanzkrise gezogen werden», sagte Jean-Baptiste de Franssu, Vizepräsident der euro- päichen Fondsvereinigung Efama, jüngst an einem Forum des Schweizerischen Anlagefondsverbandes.

Markenzeichen

Fast im Gleichschritt mit der Verbesserung des EU-Regelwerkes ist auch der europäische Fondsmarkt seit 1985 von gut 1000 Mrd Euro auf über 6000 Mrd Euro sprunghaft angestiegen, bevor im letzten Jahr ein massiver Einbruch auf 4600 Mrd Euro erfolgte. Erfreut zeigte sich Franssu speziell über das weitere Anwachsen der grenzüberschreitenden Fondsaktivitäten trotz der Finanzmarktkrise. Rund 6000 Fonds sind bereits heute nicht mehr nur in nationalen Märkten präsent. Sie haben sich im Vergleich zu den länderspezifischen Vehikeln wesentlich besser gehalten. Gemäss einer Efama-Umfrage sind rund 20% der grenzüberschreitenden UCITS-Vermögen ausserhalb des alten Kontinents angesiedelt. Wichtige Märkte sind dabei Asien, Lateinamerika ebenso wie der Nahe und Mittlere Osten.

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Schwachpunkte beheben

Damit das Potenzial dieser mittel- bis langfristig orientierten Investmentfonds noch besser genutzt werden kann, müssen sowohl Anbieter wie Aufsichtsbehörden die Schwachpunkte dieser Produkte ausmerzen. Ein Think Tank, bestehend aus Experten der Finanzindustrie, empfiehlt die Schaffung einer Stiftung, die europaweit Ausbildungsprogramme für Investoren alimentiert. Gleichzeitig müsse die Beziehung mit dem Anleger über einen verstärkten Informationsfluss auf allen Stufen intensiviert werden.

Mit der weiteren Verbesserung des Regelwerkes will die EU-Kommission einen Beitrag leisten, um die unterentwickelte Sparkultur in zahlreichen europäischen Ländern auf ein höheres Niveau zu heben. Das dürfte Auswirkungen auf den Fondsstandort Schweiz haben (siehe «Nachgefragt»). Unser Land befindet sich in Europa auf dem achten Rang, unmittelbar hinter Spanien, Italien und Deutschland. An der Spitze steht Luxemburg. Das Grossherzogtum vermarktet das UCITS-Label seit der Einführung mit immer neuen Initiativen. Schweizer Fondsspezialisten sind überzeugt davon, dass sich mit der Popularisierung von harmonisierten Vehikeln zusätzliche Vertriebschancen für die hiesige Fonds- industrie ergeben. Dies vor allem auch, wenn die Fragen zu einer einheitlichen Besteuerung einer Lösung zugeführt werden.

 

NACHGEFRAGT
Matthäus den Otter, Geschäftsführer Swiss Funds Association SFA, Basel


«Schweizer Fondsplatz droht ins Abseits zu geraten»

Die EU-Mitglieder wollen mit UCITS den langfristigen Vermögensaufbau weiter fördern. Profitiert davon auch der Fondsplatz Schweiz als Nicht-EU-Mitglied?

Matthäus Den Otter: Die Schweizer Anleger werden davon insofern profitieren, als nicht weniger als 4569 UCITS-Einheiten hier zum Vertrieb zugelassen sind. Der Produktionsstandort Schweiz kann hingegen mangels Teilnahme am europäischen Fondsmarkt von den Vorteilen eines noch effizienteren europäischen Binnenmarktes nicht profitieren. Der Schweizer Fondsplatz droht noch mehr ins Abseits zu geraten, nachdem kürzlich ein neuer Richtlinien-entwurf der EU-Kommission für «Alternative Investment Fund Manager» vorgelegt wurde, der alle Non-UCITS - Immobilienfonds, Hedge-Fonds und Private Equity Funds - abdeckt und zudem noch viel mehr Diskriminierungspotenzial bietet als die UCITS-Richtlinie, weil das Management nicht in die Schweiz zurückdelegiert werden kann.

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Mit vereinfachten Informationsdokumenten soll für den Anleger mehr Transparenz geschaffen werden. Lassen sich damit betrügerische Produkte, etwa nach dem Schneeballprinzip des US-Pleitiers Madoff, künftig verhindern?

Den Otter: Nein, denn einen absoluten Schutz vor Betrug gibt es leider nie. Immerhin untersagt das KAG dem Fondsmanager den physischen Zugriff auf die Aktiven des Fonds - diese werden von der vom Manager getrennten Depotbank verwahrt. Zudem unterliegen die Finma- anerkannten Prüfer strengeren Anforderungen als die Revisoren von SEC Broker Dealers.

Werden bei der neu zu gestaltenden Aufsicht auch Lehren aus der jetzigen Finanzmarktkrise gezogen?

Den Otter: Die wichtigsten Erkenntnisse werden sicher einfliessen.

Wird mit den neuen UCITS-Regeln die Einführung von Fonds europaweit rascher erfolgen?

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Den Otter: Es wird neu vorgeschrieben, dass die Wartezeit bei der Anmeldung zum Vertrieb in anderen Mitgliedstaaten auf höchstens zehn Tage beschränkt ist. Begrüssenswert ist auch, dass das Notifikationsverfahren neu zwischen den betroffenen Aufsichtsbehörden direkt erfolgt, und zwar elektronisch.

Wird die Finma alle UCITS-Richtlinien vorbehaltlos für die Schweiz übernehmen?

Den Otter: Die Schweiz hat die Regulierung auf EU-Ebene verfolgt und autonom nachvollzogen durch die Schaffung des Effektenfonds schweizerischen Rechts. Gemäss Artikel 53 des KAG müssen die schweizerischen Effektenfonds «dem Recht der Europäischen Gemeinschaften entsprechen». Wir werden den Dialog mit der Finma darüber aufnehmen, inwiefern UCITS IV in der Schweiz für schweizerische Effektenfonds übernommen werden soll. Für ausländische UCITS ist der Swiss Finish erfreulicherweise bereits abgeschafft - dies soll auch unter UCITS IV so bleiben. Wir sollten nun im Rahmen einer proaktiven Finanzplatzstrategie für Schweizer Fondsleitungen, SICAV und Asset Manager von Nicht-UCITS die Teilhabe am EU-Binnenmarkt verlangen.

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