Von André Egli, dipl. Treuhandexperte, Vizedirektor und BVG-Fachbereichsleiter, Balmer-Etienne, Luzern.

Aufgrund von Lohnerhöhungen, fehlenden Beitragsjahren und/oder Leistungsanpassungen (Sparbeiträge) kann eine Privatperson eine Einkaufs- oder Vorsorgelücke in ihrer Pensionskasse aufweisen. Vorsorgelücken sind die Differenz zwischen dem Sparkapital, welches der Versicherte gemäss gültigem Reglement seiner Pensionskasse in seinem Alter haben könnte und seinem tatsächlich vorhandenen Sparkapital. Füllt er diese Lücke mittels Einkäufen auf, so kann der Versicherte auf dem einbezahlten Betrag eine Steuerersparnis von 20 bis 40% erwirken.

Die Höhe der Steuerersparnis ist im Einzelfall abhängig von der jeweiligen Einkommens- und Vermögenshöhe (Steuerprogression). Wird das Pensionskassenguthaben in Kapitalform für Wohneigentum oder bei Pensionierung bezogen, so ist die Kapitalleistung im Durchschnitt mit etwa 10% zu versteuern. Die Nettosteuerersparnis, unter Berücksichtigung der steuerlich privilegierten Verzinsungen innerhalb des BVG, beträgt netto etwa 10 bis 30%. Aus steuerlicher Sicht ist ein Einkauf somit sehr attraktiv.

Unterdeckungen als Risiko

Trotz Erholung an der Börse befinden sich noch einige Pensionskassen in Unterdeckung oder weisen eine eingeschränkte Risikofähigkeit auf. Von einer Unterdeckung wird gesprochen, wenn bestehende Verpflichtungen der Pensionskasse nicht mehr vollständig mit Aktiven gedeckt sind. Eine Unterdeckung muss nicht zwingend ein akutes Problem für die Pensionskasse oder deren Versicherte darstellen. Die Pensionskasse selber entscheidet im Einzelfall, wann und welche Sanierungsmassnahmen nötig werden. Der Sanierungshorizont beträgt fünf bis sieben Jahre, und eine Minder- oder Nullverzinsung der Freizügigkeitsleistungen (inkl. Einkauf) ist eine bekannte und viel angewandte Sanierungsform.

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Ein grösseres Risiko für den Versicherten besteht darin, dass aufgrund eines Personalabbaus beim Arbeitgeber bei der angeschlossenen Pensionskasse eine Teilliquidation ausgelöst wird. Befindet sich bei einem solchen Vorfall die angeschlossene Pensionskasse in Unterdeckung, so besteht ein hohes Risiko, dass die angesparten Pensionskassengelder der austretenden Versicherten inklusive der getätigten Einkäufe um die anteilige Unterdeckung gekürzt wird. Der austretende Versicherte erhält somit nicht seine volle Freizügigkeitsleistung überwiesen.

Bei einem Einkauf in die Pensionskasse ist grundsätzlich gleich vorzugehen wie bei jeder anderen Vermögensanlage auch. Es gilt, die erzielbare Rendite mit den eingegangenen Risiken zu vergleichen. Der Autor hat die Renditen einer Investition in der Höhe von 50000 Fr. in Obligationen, Aktien und in die Pensionskasse einander gegenübergestellt und dabei einen Anlagehorizont von fünf respektive zehn Jahren verwendet (siehe Grafiken). Das Resultat erstaunt: Wird bei diesem Einkauf die Steuerersparnis und eine Verzinsung von 2% zum eingesetzten Kapital dazugezählt, so schafft es eine Aktienanlage mit einer jährlichen Rendite von 5% innerhalb zehn Jahren unter Umständen nur ganz knapp, ein höheres Kapital als beim Einkauf zu generieren. Eine Obligation mit einer Rendite von 3% erzielt in fünf oder auch zehn Jahren weniger Kapital als bei einem Einkauf, auch wenn zum Beispiel der Einkauf während fünf Jahren infolge Unterdeckungssituation nur mit 1% verzinst wird. Bei einem solchen Vergleich ist jeweils die Höhe der beim Einkauf erzielbaren Steuerersparnis relevant.

Gesamtbetrachtung nötig

BVG-Guthaben sind nach wie vor eine der sichersten Vermögensanlagen. Es gibt in der Schweiz verhältnismässig wenige Beispiele, wo ein Versicherter anteilige BVG-Guthaben infolge Teilliquidation oder Liquidation nicht mehr oder nur anteilig erhalten hat. Allein im vergangenen Jahr haben aber 100000 von Personen mit Aktien und anderen Vermögensanlagen zum Teil enorme Verluste erlitten.

Auch wenn als Folge einer Sanierungsmassnahme die getätigten Einkäufe ein paar Jahre nicht oder nur minimal verzinst werden, lohnt sich aufgrund der Steuerersparnis ein Einkauf. Sogar könnte eine reduzierte Auszahlung infolge Teilliquidation durch den Steuereffekt wieder eliminiert werden. Jede Person, welche einen Einkauf in die Pensionskasse vornehmen will, tut gut daran, wenn vor dem Einkauf die Bonität der eigenen Pensionskasse sowie auch des Arbeitgebers geklärt und die eigene Vermögenssituation und Vermögensentwicklung analysiert werden. Aufgrund einer ganzheitlichen Betrachtung kann ein Einkauf durchaus auch ungeeignet sein.