Die Zürcher Generalunternehmung Halter beteiligt sich seit einiger Zeit an kleinen Technologiefirmen und Start-ups. Schon länger besitzt Halter 50% der Swissfiber, die sich auf den Einsatz von Fiberglas spezialisiert hat. «Das Material hat unglaubliche Fähigkeiten», stellt Firmenchef Balz Halter fest.

Mit den ETH-Professoren Ludger Hovestadt und Hansjürg Leibundgut gründete Halter die Firma Mivune, die neuartige Lösungen für Gebäudeanalyse, Systemintegration und Gebäudeautomation anbietet.

Die Aizo AG mit Sitz im deutschen Wetzlar ist ein Thinktank für digitales Wohnen, und die BS2 hat die Airbox entwickelt, «ein flexibles, Platz sparendes und kostengünstiges Lüftungsgerät und eine perfekte Lösung für die dezentrale Teilklimatisierung von Gebäuden», so Halter.

Ein zweites Standbein aufbauen

«Ich bin schon seit vielen Jahren auf der Suche nach neuen Wegen, Technologien und Prozessen», sagt Balz Halter. Mit seinem Engagement, mit welchem er im Markt vorhandene und zukünftige Bedürfnisse abdecken wolle, könne sich einerseits die Generalunternehmung gegenüber den Mitbewerbern profilieren. Hauptsächlich handle es sich aber um ein zweites Standbein, eine echte Diversifikation.

Das Bauen sei ein lokales Geschäft. «Um trotzdem am Wachstum anderer Wirtschafsträume partizipieren zu können, suchen wir einen Weg als Technologiegruppe mit neu entwickelten Produkten», so Halter.

«2000 Watt» und «Null-Energie»

Ebenfalls Beteiligungen eingegangen ist die Implenia Real Estate. So zum Beispiel an der Unas Technology: Bei deren Technologie ist die medienintegrierte Tragstruktur (Stützen, Träger, Deckenplatten) so ausgebildet, dass sie in der Lage ist, die für ein grosses Nutzungsspektrum (z.B. Dienstleistung, Wohnen) notwendigen Installationsnetze (Heizung, Lüftung, Elektrisch, Daten, Wasser, Abwasser etc.) aufzunehmen.

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«Durch die hohe Flexibilität werden tiefe Gesamtkosten erreicht, und die lange Lebensdauer ermöglicht ein nachhaltiges Gebäude», bilanziert Markus Koschenz, Mitglied der Geschäftsleitung der Implenia-Tochter Reuss Engineering. Zusammen mit der Renggli AG, Bauart Architekten AG, und Pirmin Jung GmbH entwickelt Implenia das Swisswoodhouse, ein Gebäude für die 2000-Watt-Gesellschaft. Implenia suche ausserdem «gezielt am Markt nach innovativen Konzepten und Produkten», sagt Koschenz.

Nicht auf Beteiligungen setzt Allreal. «Da Allreal weder im Bauhaupt- noch im Baunebengewerbe tätig ist und keinerlei derartige Beteiligungen hält, sind die Unabhängigkeit und die Transparenz bei Auftragsvergaben jederzeit gewährleistet», wird dazu im Geschäftsbericht 2007 ausgeführt. «Allreal will kein Haustechnikunternehmen werden, sondern arbeitet mit den besten Haustechnikern zusammen», hält der Leiter Unternehmenskommunikation, Matthias Meier, weiter fest. Und weiter meint Meier: «Wir bleiben am Puls der Entwicklung durch die Kontakte mit unsern Subunternehmen und zu Forschung und Entwicklung.» In Winterthur hat Allreal mit der Wohnüberbauung Eulachhof eine Null-Energie-Siedlung realisiert.

Gespräche mit Innovatoren

Auch bei Karl Steiner, die früher eine ganze Reihe von Baunebenbetrieben besass, gibt es ge- mäss Kommunikationschef Claude Sulser keine Beteiligungen in der Art von Halter. Als Master-Partner engagiert sich Steiner finanziell und beratend bei der neuen Monte-Rosa-Hütte des SAC, einem Jubiläumsprojekt der ETH Zürich, das betreffend Wasser und Energie zu 90% autark sein wird. 90% des Energiebedarfs werden mit Solarenergie gedeckt, als Wasser wird Schmelzwasser aus der Umgebung der Hütte verwendet. Der ganze Betrieb wird mittels einer intelligenten Regelung optimiert. Für die Anwendung neuer Technologien in der Praxis sei der Spielraum bei Eigenpromotionen und TU-Aufträgen grösser, stellt Sulser weiter fest.

«Geeignete Forschung und Entwicklung ist im Sinne eines guten Portfoliomix zu fördern», heisst es in der Hauszeitschrift der Baarer Alfred Müller AG unter dem Titel «Bekenntnis zu nachhaltiger Bauweise». «Es laufen», führt da-zu Müller-Pressesprecher David Spiess aus, «immer wieder Gespräche mit möglichen Innovatoren.» Wenn sich etwas Konkretes abzeichne, so sei man auch bereit, einzusteigen, weil sich nur so etwas bewegen lasse. Auch Spiess weist darauf hin, dass ein hoher Anteil an Projektentwicklungen das innovative Handeln einer Firma begünstige.

Die Bauengineering mit Hauptsitz in St. Gallen, mit Gründungsjahr 1992 eine vergleichsweise junge GU, kaufe – zumindest bisher – ein, was an Technologien auf dem Markt vorhanden sei, erklärt Mediensprecherin Monika Mendez. Es werden also nicht bestimmte Forschungen oder Entwicklungen speziell unterstützt.