Schweizer Firmen werden vom weltweiten Fussballfieber profitieren: Wenn am 11. Juni die Fussball-WM in Südafrika startet, erblicken Milliarden Augenpaare Schweizer Brands. Etwa die Genfer Luxusuhrenmarke Hublot. Sie wurde vom Weltfussballverband Fifa zur «offiziellen Uhr» der WM 2010 gekürt. Der Schriftzug «Hublot» wird bei jeder Spielübertragung auf der Tafel mit der Nachspielzeit zu sehen sein.

Auch rund um die Stadien wirken Schweizer Firmen. Ciba und Clariant lieferten die Grundstoffe zur Herstellung von Kunststoffsitzen auf den Tribünen, während Geberit in sechs von zehn WM-Arenen Dachentwässerungs- und WC-Systeme installierte.

Gefragt war auch der Industriekonzern Franke. CEO Michael Pieper: «Wir konnten für rund 1,6 Mio Fr. Auträge für Edelstahlwaschräume in alle zehn Fussballstadien direkt liefern und verrechnen.» Eine ausgezeichnete Werbeplattform: «In 20 Minuten gehen 80000 Leute auf die Toilette - und alle sehen Franke», sagt Pieper und lacht. Darüber hinaus seien substanzielle Bestellungen für neue Hotels, Privathäuser, Erneuerungen von öffentlichen Toilettenanlagen in Strandnähe und in öffentlichen Räumen eingegangen.

Mit von der Partie ist auch die Goldauer Garaventa AG. Sie errichtete beim WM-Stadion in Durban eine Standseilbahn zu einer Aussichtsplattform. Die Baufirma Nüssli AG aus Hüttwilen TG hat die Kapazität des Ovals in Kapstadt um 13000 auf 65000 Zuschauer ausgebaut sowie in vier weiteren WM-Stadien Planungsarbeiten durchgeführt.

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Wie die Wirtschaftskammer Schweiz-Südafrika bestätigt, gibt es noch weitere Schweizer Firmen, die im Umfeld der WM zu Aufträgen vor Ort gekommen sind. Deren Zahl dürfte sich im tiefen zweistelligen Bereich bewegen, ihre erzielten Umsätze rund um die WM schätzen Experten insgesamt auf einen höheren zweistelligen Millionen-Franken-Betrag.

Riesige Werbeplattform

Den grossen Reibach erwarten die Unternehmen von ihrer «WM-Teilnahme» nicht unbedingt - zumindest nicht sofort. «Der quantitative Profit des Engagements steht bei uns nicht im Vordergrund, weshalb wir ihn auch nicht messen», sagt etwa Jean-Claude Biver, CEO von Hublot. Viel wichtiger ist ihm, den Bekanntheitsgrad der Schweizer Uhrenmarke zu steigern. Das ist gelungen. «Wir zählen heute pro Monat 600000 Besucher auf unserer Webseite», so Biver. Hublot setzt seit rund vier Jahren auf Fussball, war Partner der Euro 08 und sponsert Manchester United, die spanische und mexikanische Nationalmannschaft sowie Diego Maradona. Biver: «Der Fussball sichert Hublot eine nachhaltige Popularität bei der jungen und auch weiblichen Zielgruppe.»

Hoffen auf Folgeaufträge

Eine breite öffentliche Wahrnehmung - das erhoffen sich die Firmen. Geberit etwa betont, die Beteiligung an solchen Prestigeobjekten stärke die Marke und das Ansehen der Firma auf internationaler Ebene.

Auf lukrative Folgeaufträge hofft man auch bei Nüssli. Das neuartige Konzept, welches die Umnutzung von abbaubaren Tribünen zu Hospitality- und Event-Boxen ermöglicht und von den Thurgauern in der WM-Arena Cape Town Stadium umgesetzt wurde, steht im Schaufenster von unzähligen Stadionbauern rund um die Welt. Von einem «ganz normalen Auftrag», der dank dem WM-Umfeld jedoch eine weit grössere Beachtung erfährt, spricht Garaventa. «Die Seilbahn in Durban kann sicher als Marketingerfolg bezeichnet werden», sagt Sprecher Markus Müller.

Wobei dort nicht alles reibungslos verlaufen ist. Nachdem die Anlage schon im Juni 2009 fertiggestellt war, konnte der Betrieb wegen Terminverzögerungen beim Stadionbau längere Zeit nicht aufgenommen werden. Als es so weit war, brachte die Stadt Durban als Betreiberin nicht genug Personal zusammen. Es kam zu Fehlbedienungen und Stillständen. «Die Arbeitsbedingungen waren etwas exotischer, als man dies in der Schweiz gewohnt ist», erklärt Garaventa-Sprecher Müller.

Als die Seilbahn endlich lief, musste der Betrieb erneut unterbrochen werden. Weil sich das Stadion-Management mit der Fifa nicht über finanzielle Abgeltun-gen einigen konnte, verhängt der Weltfussballverband kurzum einen Betriebsstopp der Seilbahn vom 24. Mai bis nach dem WM-Final am 11. Juli. Für Garaventa nicht weiter tragisch, weil in dieser Zeit ohnehin nur noch der Fussball zählt.

 

 


Hohe Importzölle vermiesen Schweizer Fanartikel-Firma das Geschäft

Den Machtanspruch des Weltfussballverbands Fifa im Verkauf von Merchandising-Artikeln rund um die WM hat die Firma Living Picture deutlich zu spüren bekommen. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Zürich und einem Büro in Hongkong stellt Promotions- und Geschenkartikel sowie Spielzeuge her. Die Firma sicherte sich via die südafrikanische Lizenzfirma Slam die Rechte für Produktion und Vertrieb von rund 30 Fanartikeln rund um Südafrikas WM-Heimteam. Slam hatte der Schweizer Firma zur Promotion der Produkte Werbekampagnen sowie den Verzicht der südafrikanischen Behörden auf Einfuhrzölle in Aussicht gestellt.

«Keine der beiden Versprechungen wurde eingehalten», sagt Peter Ruf, Verkaufsdirektor von Living Picture, auf Anfrage der «Handelszeitung». Im Gegensatz zu den offiziellen Fifa-Fanartikeln müssen südafrikanische Wiederverkäufer für Artikel aller Slam-Lizenznehmer, darunter Living Picture mit Produktion in China, nun Einfuhrzölle berappen. «Diese fressen bis 30% der Marge weg», so Ruf.

Kommt hinzu, dass der Verkauf der Fanartikel im südafrikanischen Detailhandel sehr schleppend verläuft. Diese Entwicklung steht ganz im Gegensatz zur Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland. Damals vertrieb die Firma Living Picture gemeinsam mit einer Partnerunternehmung offizielle Fifa-Artikel und machte damit ein Bombengeschäft.

Bei der Fussballweltmeisterschaft 2010 wird es aber nur «eine schwarze Null» geben, sagt Living-Picture-Verkaufsdirektor Ruf, denn eine Fifa-Lizenz wollte er sich diesmal nicht leisten. Diese werden zentral von der britischen Firma Global Brands Group vergeben. Gegenüber früheren Weltmeisterschaften sind die Lizenzen wesentlich teurer geworden.

Auch behält sich Global Brands vor, mehrere Lizenzen für ähnliche Produkte und Regionen zu vergeben. Diese Handhabe ist offensichtlich nicht nur für Living Picture unattraktiv: Für die Weltmeisterschaft 2010 sei an keine einzige Schweizer Firma eine Lizenz vergeben worden, heisst es zu diesem Thema bei der Fifa-Medienstelle.(row)