Liegt es daran, dass der CEO eigene Visionen und Entscheidungen absichern will, wenn er Consultants ins Haus holt? Zählt der externe Rat mehr als der interne? Oder werden sie eingesetzt, um unliebsame Massnahmen umzusetzen? Die Thesen sind nicht falsch, aber nur Teilaspekte.

Die Beratungsrealität ist meistens vielschichtiger, wie das Beispiel eines aufstrebenden IT-Dienstleisters zeigt. Das Unternehmen wird von einem erfahrenen CEO geführt. Der Verwaltungsrat legt die Strategie des Unternehmens fest, ist hier zugleich aber auch Mitbesitzer des Unternehmens. Somit sind Interessenkonflikte über die künftige Ausrichtung des Geschäfts programmiert.

Unabhängige Sicht

In dieser Situation hat der CEO externen Rat geholt für die Entwicklung und Umsetzung der neuen Wachstumsstrategie. Mindestens sechs Gründe haben ihn zu diesem Schritt veranlasst. Professionelle Beratung von aussen stellt eine methodische Vorgehensweise sicher, bringt eine unabhängige Sicht über Wachstumsszenarien mit, kennt den Markt, geht die Aufgabenstellung objektiv an und quantifiziert Fakten als Basis für die Entscheidungen, kann die Rolle des Mediators zwischen verschiedenen Interessen wahrnehmen und entwickelt Lösungen, die von allen getragen werden.

Anzeige

Als Mediator gefragt

Der Berater war vor allem auch als Mediator gefragt. Mit sozialer und emotionaler Kompetenz setzte er sich mit den Interessen auseinander und lancierte darauf abgestimmte Massnahmen, um das gemeinsame Ziel zu erreichen. Die Rolle des Vermittlers innerhalb einer Organisation wird künftig noch wichtiger, vor allem wenn im Zuge der Globalisierung auch unterschiedliche Kulturen und Meinungen aufeinander treffen.

Vermittler bewährter Methoden

Externe Berater werden auch eingesetzt, um Projekte methodisch sauber abzuwickeln und dadurch die Erfolgswahrscheinlichkeit zu erhöhen und Unternehmen vor Projektfallen zu schützen, die bereits andere Firmen erlitten haben. Berater verfügen über eine breite Faktenbasis, die aus Erfahrungen bei anderen Projekten und Kunden gewachsen ist. So helfen sie Unternehmen, interne Abschätzungen zu objektivieren, Interessen auszugleichen und bessere Lösungen zu finden.

Die Grenzen der Beratung

Ein guter Berater wägt stets ab, ob sein Einsatz wirklich von Nutzen ist. Er muss hinter dem Auftrag stehen können. Und er muss sich den Wert seiner Arbeit, qualitativ wie quantitativ, stets nachweisbar vor Augen führen. Auch die Courage, dem potenziellen Auftraggeber ein anderes Vorhaben vorzuschlagen, weil das Projekt unter den gegebenen Konstellationen erfahrungsgemäss nicht durchführbar ist, zeichnet den Wert des externen Rats aus.

------
Professor Leo Brecht, Managing Director der Arthur D. Little und Titularprofessor an der Universität St. Gallen.