Auch die Restaurants kennen Kadi: «Gute Köche schätzen unsere Convenience-Produkte aus Kartoffeln sowie Snacks aus Teig mit Füllung», erklärt Patrick Sievi. «Ihre Verwendung, etwa als Beilage von Salaten, verschafft ihnen Zeit für Kreativität. Die Schweizer Küche besteht zur Hauptsache aus Fleisch und Saucen. Umso wichtiger sind vege- tarische Ergänzungen, die sich schnell und günstig für den Service vorbereiten lassen.»

Tatsächlich wirbt das KMU mit dem Spruch: «Von Kadi die Qualität, vom Koch die Kunst.» Gastronomie und Detailhandel sowie der Endkonsument verlassen sich auf Pommes frites, Samosas, Empanidas oder Frühlingsrollen von Kadi. Sie erinnern die Geschmacksknospen an Indien, China, Thailand, Vietnam, Mexiko, Südafrika - und natürlich an die Schweiz.

Was macht es denn aus, ob der Koch die Snacks von Hand rollt oder einkauft? Auch darauf hat der CEO eine Antwort: «Super knusprig für den Gast - super rentabel für die Küche.» Kadi übernimmt das Vorkochen für Profis und Private seit vielen Jahren. 1951 als Kartoffelflockenfabrik für Tierfutter gegründet, hat sich Kadi als eine führende Marke im Convenience-Bereich etabliert. Ein jährliches Wachstum im mittleren einstelligen Bereich ist schon fast garantiert. 2008 belief sich der Umsatz auf 57 Mio Fr. Kadi macht 72% davon in der Gastronomie, 20% im Detailhandel und nur 8% mit Halbfabrikaten für die Industrie. Die Frühlingsrollen der Migros stammen beispielsweise aus Langenthal BE.

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Zukauf einer Firma prüfen

170 Menschen aus der Gegend sind froh, dass der vormalige Besitzer Peter Geiser mit einem Teil der heutigen Geschäftsleitung ein Management-Buy-out realisieren konnte. Mehrheitseigentümer sind drei Fonds, die von Equity Capital Management ECM in Frankfurt verwaltet werden. ECM wie Unternehmensleitung prüfen Wachstumsoptionen und den Zukauf einer Firma, eventuell aus dem Ausland. «Der Produktionsstandort Langenthal ist gesichert», so Sievi.

Der erfahrene Nahrungsmittelspezialist mit Bündner Blut in den Adern hatte eine steinharte Karriere bei Knorr in Thayngen hinter sich, als er sich mit 45 Jahren als Querdenker auf den risikoreichen Chefsessel von Kadi setzte. Als kommunikativer Betriebswirtschafter schuftete er 18 Jahre lang für Knorr und führte zum Beispiel die Broccoli Quick Soup im Markt ein; ihr Anblick in einem Verkaufsregal erfreut sein Herz noch heute. Ein Jahr kämpfte er in der Knorr-Niederlassung von Casablanca mit den Eigenheiten der marokkanischen Arbeitskultur, ehe er wieder in Thayngen landete und als 33-jähriger Best-Food-Kadermann 250 Knorr-Angestellte entlassen musste. «Seither kann mich im Berufsleben fast nichts mehr erschüttern», spielt Sievi auf seine frühere Ungeduld an.

Seine Abgeklärtheit war nützlich, denn 2003 befand sich Kadi auf Schleuderkurs. Die Strategie war unklar; Marketing und Entwicklung gab es nicht. Seit sechs Jahren versucht Sievi mit seiner Geschäftsleitung, der drei Leute mit Knorr-Duftmarke angehören, «zu kopieren, was in den 1990er-Jahren bei Knorr bestens funktioniert hat: Hohe Qualität und starke Innovationskraft. Wir werfen laufend neue Produkte auf den Markt.»

Lust am Essen ist Bedingung

Als ein Erfolgsgeheimnis preist er das kollegiale Verhältnis der Belegschaft untereinander und das hohe Mass an Freiheit: «Wir definieren nur Ziele, nicht Wege. Im Kader arbeitet jeder so viel, wie er braucht, um gute Resultate zu erzielen. Ich arbeite häufig nur vier Tage pro Woche. Im letztjährigen Sommer brachte ich es so auf 77 Segeltage.»

Das grosse private Engagement seines Kaders setzt Patrick Sievi voraus: «Wir essen alle oft auswärts und bestellen regelmässig Pommes frites, um deren Qualität zu kontrollieren. Wir kopieren aber auch innovative Ideen von Profiköchen und checken sie auf ihre Marktfähigkeit ab.» Essen als Pflicht? «Jeder Mitarbeiter muss im Anstellungsgespräch seine Liebe zum Kochen, Essen und Feiern offenbaren, sonst passt er nicht in unsere Kultur des Genusses und der Ästhetik», lacht der CEO.

Preis und Qualität sind gehoben. «Was nichts kostet, ist nichts wert», glaubt Sievi. Daher werde man sich auch nicht der EU anpassen: «Am Tag, da die Holländer ihre Pommes frites in die Schweiz liefern dürfen, stellen wir unsere Maschinen ab», prophezeit er. «Denn mit ihren Tiefpreisen können wir bei unserem Absatz - wir verarbeiten pro Jahr nur 22000 t Kartoffeln - nicht mithalten.» Bis zur Marktöffnung wolle man zwei Drittel mit Fertigprodukten erzielen, um im Markt bestehen zu können.

Um die Qualität zu sichern, degustieren die Kadi-Mitarbeitenden täglich um 9 Uhr die laufende Produktion. Hinzu kommen pro Woche mehrere Kostproben von Prototypen. Von Wirtschaftskrise ist weder bei den Ertragszahlen noch im Team etwas zu spüren. Wie die Angestellten indes ihr Gewicht halten, bleibt ihr Geheimnis.