Landauf, landab schiessen sie aus dem Boden: Bewerbungsunterlagenchecks mit Vertretern der Wirtschaft, Laufbahnplanungsseminare der Kantone, CO2-Vorträge von Beratungsunternehmen und Messen auf dem Campus. Die Zeiten, als Vertreter der Industrie und Wirtschaft sich kurz in den Hallen der Universitäten präsentierten, um zuletzt einen Kugelschreiber und einen Flyer zu hinterlassen, sind endgültig vorbei.

Der Kampf um die besten Hochschulabsolventen ist in eine neue Runde gegangen. Er beginnt schon lange vor dem Abschluss. Das beweist die Tatsache, dass erst kürzlich eine Umfrage unter Masterabsolventen der Universität St. Gallen bestätigt hat, dass 88% angaben, schon vor Abschluss ihres Studiums einen Vertrag bei ihrem zukünftigen Arbeitgeber unterschrieben zu haben. Daher ist Thorsten Thiel, Director Career Service Center der Uni St. Gallen, davon überzeugt, dass sich auch hochqualifizierte Absolventen perfekt auf den Bewerbungsprozess vorbereiten müssen, um sich von ihren Mitbewerbern abzuheben.

St. Gallen in der vordersten Liga

Rund 5000 Studierende, Bachelor-, Master- und Doktoranden, profitieren von einer Beratung rund um die Themen CV-Check, Veränderungen in den letzten Jahren, nationale und globale Aussichten, noch keine Stelle?, Praktika, Auslandsemester, wo komme ich mit meinem Studium unter? Teilnehmer in der Executive Education wie Fulltime MBA oder Executive MBA können ebenfalls von diesen Serviceangeboten profitieren. Häufig ist für sie die eige- ne Karriereentwicklung innerhalb ihres Unternehmens Gegenstand der Beratungsgespräche. In Kooperation mit dem Verein HSG Alumni sollen in Zukunft auch die Ehemaligen der Universität St. Gallen spezifische Career-Services-Angebote wahrnehmen können. Das Beratungsspektrum ist breit: Karriere- und berufsvorbereitende Seminare, Erstellung von Bewerbungsunterlagen, Online-Bewerbung, Assessment-Center bis zur Gehaltsverhandlung, Selfselling, aber auch Rhetorik und Kurse zur Schulung von Schlüsselkompetenzen, darunter Trainings in den Bereichen Rhetorik, Präsentationstechniken und interkulturelle Kompetenz. Unternehmen bieten so auch Workshops an zu Themen wie Storyline und Storytelling. Das Angebot auf dem Campus ist enorm, daher ist das perfekte Zusammenstellen der Module der Schlüssel zum Erfolg.

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Umgekehrt präsentieren sich die Unternehmen mit einem Blick auf die Nachhaltigkeit: Ein gesellschaftliches Thema aufgreifen und darlegen, wie ein solches Unternehmen auf die Herausforderungen reagiert.

Der neueste Hit ist die Online-Karriereplattform HSGtalents. Dort wird es den Studierenden ermöglicht, mit Unternehmen auf einer Online-Plattform zusammenzukommen. Studierende können ihr Profil eingeben, offen, anonymisiert oder blockiert. Einen gebührenpflichtigen Zugang haben nur die Unternehmen, die kooperieren. Ein Beispiel: Die Suche nach einem Masterstudierenden in Banking und Finance funktioniert über Suchkriterien und Masken. Diese sensiblen Daten sind in einem geschlossenen System aufbewahrt. Die Studierenden, die Interesse an der Freigabe ihrer Daten haben, werden bei Interesse mit den Unternehmen verlinkt. Auf der neuen Internetseite www.csc.unisg.ch können sich interessierte Unternehmen über HSGtalents und weitere Dienstleistungen des Career Services Center informieren.Die ETH Career Services positionieren sich klar als eine Dienstleistung der ETH-Alumni-Vereinigung. Angesprochen werden Studierende, Absolvierende und Alumni der ETH. Mit den drei Schwerpunkten ETH Career Events, Jobservices und Mentoring werden die Studierenden beim Berufseinstieg und der Karriereplanung unterstützt. Das Angebotsspektrum ist breit: Fachvorträge, Workshops, CV-Checks, Diskussionsrunden, Infoveranstaltungen, Themen-Nachtessen, Kooperation. Unter den Firmen finden sich z.B. Google, UBS, Postfinance, NZZ; dazu diskutieren Fachgruppen der Alumni und Studentenvereine.

Bei den Jobservices ist besonders die Online-Stellenbörse für Menschen mit ETH-Qualifikationen interessant. Firmen, die speziell diesen Abschluss suchen, melden sich online an. Der Vorteil: Sie bekommen fast immer nur Bewerbungen von Leuten, die tatsächlich an der ETH studieren. Die ETH vermittelt jedoch keine Stellen, sie bietet lediglich die Plattform, damit die Studierenden sich direkt bewerben können. Das Stichwort lautet: Qualität statt Quantität. Zweimal im Jahr erscheint der gedruckte Stellenanzeiger «Jobjournal». Einmal im Vorfeld zur Polymesse, einmal im Vorfeld zum Polyinterview. Das Jobjournal wird an alle Masterstudierende und an die letzten Jahrgänge der ETH-Absolventinnen und -Absolventen per Post versandt.

Eine wichtige Ressource ist die Erfahrung der Alumni der ETH und die der Mitglieder der ETH-Alumni-Vereinigung. Sie sorgen als Mentoren dafür, dass der Wissenstransfer an die Studierenden der ETH weitergegeben wird. Ein Mentoringworkshop, der am 16. Oktober 2008 stattfindet, gibt Aufschluss, wie das Mentoring an der ETH funktioniert und wie man über die Datenbank Mentorinnen und Mentoren finden kann.

Uni Basel im Dreiländereck

Das Career Center der Uni Basel funktioniert mit seinen Beratungen ähnlich wie die Universität St. Gallen und die ETH. Das betrifft die Laufbahnberatung und den CV-Check-up auch wie den Auftritt der sich präsentierenden Firmen. «Kürzlich waren die Big Four der Beraterbranche bei uns», sagt Birgit Müller vom Career Service Center der Universität Basel. Gemeint sind PricewaterhouseCoopers, Deloitte, Ernst & Young und KPMG. Der Event diente dazu, die Studierenden über das Berufsbild des Beraters aufzuklären.

Eine Besonderheit der Basler Voll-Universität mit ihren rund 12000 Studierenden ist ihre Lage am Dreiländereck. Daher stösst die trinationale Firmenkontaktmesse, an der sich einmal jährlich Unternehmen aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz im Kollegienhaus der Universität Basel präsentieren, immer auf grosses Interesse von habilitierenden Doktoranden, Bachelor- und Masterstudenten und Lizenziaten. «Laufbahnberatung, CV-Checks, die Frage nach Praktika und Stellenangeboten gehören zum Standard», sagt Birgit Müller. Spannend findet sie es, den Studierenden klarzumachen, dass Roche beispielsweise nicht nur Chemiker sucht, sondern auch Bedarf hat an Medizinern, Juristen, Informatikern und Nanowissenschaftlern.

Bei der persönlichen Beratung sind Fragen nach den Marktchancen oder welchen Sinn ein zusätzliches Doktorat machen würde, nach Praktika- und Auslandsemestern oder das Interesse für ein Afrikanistik-Studium, das ebenfalls in Basel angesiedelt ist, Standard. Die Flut der Anfragen kann die Geschäftsführerin nicht alle persönlich beantworten, da hilft oft nur das Telefon oder ein E-Mail.