Die Schwellenländer haben spürbar vom starken Wachstum der Weltwirtschaft und von steigenden Rohstoffpreisen profitiert. Viele Länder, die in den 90er-Jahren grosse Leistungsbilanzdefizite angehäuft hatten, können nun Überschüsse ausweisen. Damit können diese Länder nicht nur ihren Nachholbedarf, sondern auch zukunftsgerichtete Infrastrukturprojekte angehen.

Zwei wichtige demografische Trends prägen die Infrastrukturnachfrage in den Schwellenländern: Erstens das vergleichsweise stärkere Bevölkerungswachstum und zweitens die anhaltende Landflucht. Neben dem prognostizierten dynamischen Wirtschaftswachstum sind es vor allem diese beiden Megatrends, welche die bedeutende Langfristnachfrage nach Infrastruktur anheizen. Als Ergebnis dieser Trends erwarten die Metropolen der Schwellenländer einen enormen Anstieg der Einwohnerzahl, die etwa im Falle von Peking von 5 Mio im Jahr 1975 auf 13 Mio bis 2015 ansteigen soll. Damit entsteht ein riesiges Nachfragepotenzial nach praktisch allen Arten von Infrastrukturdienstleistungen.

Unüberwindbare «Gräben»

Neben dem strukturellen Wachstum bieten Infrastrukturanlagen viele attraktive und unverwechselbare Charakteristika. Sie zeichnen sich durch spezifische Eigenschaften aus, die dem Investor Wachstumschancen bei niedrigem Risiko eröffnen. Warren Buffett sprach als Erster von «wirtschaftlichen Burgen, die von unüberwindbaren Gräben geschützt sind», wobei der Graben hier für einen andauernden Wettbewerbsvorteil steht. Denn im Infrastruktursektor herrschen allgemein hohe Einstiegshürden vor, die man in unserem Beispiel als sehr effektive «Gräben» ansehen kann. So sind viele Infrastrukturobjekte wie etwa gebührenpflichtige Strassen oder Stromerzeuger durch niedrigen Wettbewerbsdruck gekennzeichnet. Der Infrastruktursektor ist zudem stärker auf inländische Nachfrage ausgerichtet als viele andere Sektoren der Schwellenländer, die traditionell vom Exportwachstum profitieren. Das ist besonders relevant, da sich mittlerweile abzeichnet, dass sich der Schwerpunkt der weltweiten Nachfrage von der entwickelten Welt hin zu den Schwellenländern verlagern wird. Die Lohnerhöhung für die Arbeiter des IT-Giganten Foxconn in Shenzhen in Höhe von 70% ab dem 1. Oktober 2010 soll hier nur als ein Beispiel für die zunehmende Kaufkraft genannt sein.

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Erfolgsfaktoren …

Trotz der attraktiven Wachstumsaussichten sollten die Anleger klare Investmentprinzipien befolgen. So müssen Infrastrukturaktien in den Schwellenländern mindestens folgende vier Kriterien erfüllen: Ein Geschäft mit unverzichtbaren Dienstleistungen, eine starke strategische Position, nachhaltige und planbare Cashflows sowie stetiges Wachstumspotenzial. Viele Marktbeobachter sehen solche Eigenschaften etwa im Sektor der Gasverteiler erfüllt. Gas ist einer der günstigsten und saubersten Brennstoffe der Welt. Entsprechend steigt in China die Gasnachfrage aus Privathaushalten und Firmen. Die Internationale Energieagentur prognostizierte eine Verdoppelung des chinesischen Gasverbrauchs von 2007 bis 2015.

… und Risiken

Die grössten und schwerwiegendsten Risiken bei Infrastrukturanlagen der Schwellenländer sind makroökonomischer Natur. So mussten 2008 aufgrund der weltweiten Finanzkrise sämtliche Schwellenländeraktien Abschläge hinnehmen. Institutionelle Investoren müssen die volkswirtschaftlichen Risiken im Auge behalten.

Trotz der Risiken ist der Infrastruktursektor aber eine einzigartige Gelegenheit für langfristige Investitionen in das Wachstum der Schwellenländer. Denn starkes Wachstum in Ländern wie China oder Brasilien zieht immer auch eine kräftige Nachfrage nach Infrastrukturprojekten nach sich.