TASCHENUHREN. Die Epoche der Taschenuhr erstreckt sich von Beginn des 16. bis in die Anfänge des 20. Jahrhunderts, wo sie ab 1910 allmählich von der Armbanduhr verdrängt wurde. Sie ist kein bewusst entwickelter Uhrentyp, sondern entstand aus dem Drang nach Verkleinerung bestehender Zeitmesser (Grossuhren). Erste mit Schlagwerk versehene Kleinuhren baute Schlossermeister und Uhrmacher Peter Henlein (1479–1542) aus Nürnberg. Ob er allerdings die Taschenuhr erfand, ist nicht bewiesen.

Dazu waren Erfindungen nötig wie die Ausgleichsfeder, die Unruh mit Spiralfeder (Huygens, 1665), wodurch die Taschenuhr mit Stunden- und Minutenanzeige erstmals zum zuverlässigen Zeitmesser geworden ist, sowie verschiedene Hemmungsarten. Wichtig auch der automatische Aufzug (Abraham Louis Perrelet, 1770), und eine ganze Reihe von Entwicklungen des in der Schweiz geborenen und in Paris tätigen Abraham Louis Breguet (1747–1823) wie etwa die freie Hemmung (Echappement naturel), die Parachute-Stosssicherung der Unruhwelle, das Tourbillon oder die aufgebogene Endkurve der Flachspirale, Breguet-Spirale genannt. Zahlreiche Erfindungen, die heute als Complication oder Grande Complication deklariert werden, wurden bereits auf das Gehwerk von Gross- und Taschenuhren aufgebaut, wie das Weckerwerk als ältestes Zusatzwerk um 1340, der Ewige Kalender mit Mondphasen auf Grossuhren zur Zeit der Renaissance (1350–1550) oder das Repetitionsschlagwerk, das zu beliebiger Zeit durch Ziehen einer Schnur oder Drücken eines Knopfes Minuten und Stunden auf Glocke, Amboss oder Tonfeder klangvoll auslöst (Edward Balow und Daniel Quare, 1676), um nur einige zu nennen. Wesentlich später kamen die Chronographenfunktionen (Rieussec Paris, 1832) und noch später die GMT, weil die Zeitzonen (Ausgang Greenwich) erst 1883 eingeführt wurden.

Journe ein begeisterter Sammler

Was Wunder, dass Taschenuhren-Sammler bis heute faszinieren und auf Auktionen Höchstpreise erzielen. Auch Uhrenkreateur und -hersteller François-Paul Journe in Genf sammelt Taschenuhren; er konnte seine eigene mit dem Erwerb einer grösseren Sammlung auf über 220 Taschenuhren ergänzen. Damit fühlt sich Journe privilegiert. Er entschloss sich zur Veröffentlichung im eigens konzipierten Bildband «Steel Time». Dafür konnte er die beiden Autoren Jean-Claude Sabrier (Berater und Experte von Uhrenmuseen und -auktionen, Autor zahlreicher Uhrenfachbücher) und Georges Rigot (Forschungsexperte in Software-Technologie und Autor von Fachbüchern, Sammler und Experte antiker Uhren) gewinnen. Eisen und Stahl wurde damals vornehmlich aus Kostengründen verwendet. Paradoxerweise ist die von Journe einzige je aus Stahl gebaute Uhr seine teuerste: Die Grande et Petite Sonnerie. Die höchst komplizierte wie wunderschöne Armbanduhr wurde deshalb aus Stahl gefertigt, weil Stahl besser klingt als Gold und Platin.Die grosse schöne Eingangshalle seiner Genfer Manufaktur, geöffnet durch einen breiten Treppenaufgang von der Rue de la Synagogue her, hat Journe in eine Ausstellungshalle mit Multimedia Infrastruktur ausgerüstet und mit Ausstellungsvitrinen möbliert, um öffentliche Ausstellungen sowie geschäftliche und private Empfänge durchzuführen.

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Genf