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Fernsehrechte
Eishockey im Fernsehen: Der Verband bestimmt mit

Florian Kohler: «Wir wollten die Hoheit über die Spiele zu uns holen.»
Florian Kohler: «Wir wollten die Hoheit über die Spiele zu uns holen.» Keystone, Archivbild

Verbands-Chef Florian Kohler verteidigt den Vertrag mit UPC. Dieser verschaffe dem Sport mehr Publikum. Dass der Verband die Übertragungen neu selber produziert, ist für ihn nur logisch.

Von Michael Heim
am 13.09.2017

Der Eishockey-Verband will mehr Einfluss darauf nehmen, wie die Sportart im Fernsehen dargestellt wird. «Eishockey ist ein Lifestyle, und wir wissen am besten, wie dieser funktioniert», sagt Verbandsdirektor Florian Kohler in einem Interview mit der «Handelszeitung».

Seit dieser Saison ist der Hockeyverband selber Produzent der Live-Übertragungen, bisher war die SRG für die Produktion zuständig. Der Hockeyverband bestimmt nun, welche Fouls wiederholt werden. Er bestimmt, wie oft die Sponsoren-Logos gezeigt werden. Und wie die Mannschaften präsentiert werden. «Wir wollten die Hoheit über die Spiele zu uns holen», sagt Kohler.

«Wir werden nichts verstecken.»

Kohler verspricht, keine Inhalte zu zensieren. «Bei Pyros oder Schlägereien zeigen wir keine Nahaufnahmen, und wir bleiben nicht fünf Minuten lang drauf. Aber wir werden nichts verstecken.» Swiss Ice Hockey produziere «nur» die Live-Bilder und die während der Spiele eingeblendeten Grafiken, betont Kohler. «Die Kommentare und die Berichterstattung rund um die Spiele gestaltet weiterhin der Sender.»

Seit dieser Saison werden die meisten Spiele nicht mehr vom Swisscom-Sender Teleclub, sondern vom Kabelnetz-Sender MySports ausgestrahlt. MySports-Eigentümerin UPC bezahlt für die Rechte rund 35 Millionen Franken pro Jahr. Theoretisch erreiche man so mehr Publikum als zuvor. Dass UPC ihren Sender nicht auch über Swisscom TV verbreite sei Sache von UPC, so Kohler. «Wir haben sauber ausgeschrieben.»

Bewusst keine Hierarchie zwischen den Ligen

Kohler verteidigt im Interview auch den neuen Auftritt der Hockey-Ligen. Neu heisst die frühere Nationalliga A «National League», und die Nationalliga B tritt als «Swiss League» auf. Es sei ein bewusster Entscheid gewesen, dass zwischen der höheren National League und der tiefer klassierten Swiss League keine Hierarchie mehr erkennbar sei, sagt Kohler.

Es gebe in der früheren Nationalliga B Clubs ohne Aufstiegsambitionen. «Daher wollten die Clubs einen eigenen, starken Auftritt und nicht einfach die zweite Liga sein.» Bezüglich der Durchlässigkeit zwischen den Ligen stecke der Verband in einem Konflikt zwischen sportlichen und kommerziellen Zielen, gibt er zu. «Da müssen wir zwischen unterschiedlichen Interessen vermitteln.»

Aktiverer Präsident gesucht

Den Rücktritt von Verbandspräsident Marc Furrer bezeichnet Kohler als «überraschend». «Wir gingen davon aus, dass er seine Amtszeit erfüllt.» Den Wechsel will Kohler nutzen, um vom künftigen Präsidenten mehr einzufordern: «Wir werden die Rolle des Präsidenten etwa anders definieren als bisher. Er soll stärker operativ involviert sein und weniger nur repräsentieren.»

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