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Eklat: Barclays-CEO Bob Diamond muss gehen

Wegen Mitschuld an Finanzkrise sollen Branchenkollegen «demütige Haltung» aufgeben. Schweigen war nie Bob Diamonds Stärke.

Wegen eines Manipulationsskandals ist Barclays-Chef Bob Diamond mit sofortiger Wirkung zurückgetreten.

Veröffentlicht am 03.07.2012

CEO Robert «Bob» Diamond ist per sofort von Chefsessel zurückgetreten. Dies teilte die britische Bank am Dienstagmorgen mit.

Am Montag hatte bereits der Chef des Verwaltungsrates, Marcus Agius, seinen Rückzug angekündigt. Agius soll den Angaben nach die Geschäfte aber vorerst weiterführen, bis ein Nachfolger für Diamond feststeht.

Barclays wurde letzte Woche eine 450-Millionen-Dollar-Strafe aufgebrummt, weil einige ihrer Mitarbeiter den Refrenzzinssatz Libor über Jahre erfolgreich manipulierten. Auf dem Libor basieren diverse Finanzprodukte im Wert von geschätzen 290 Billionen Euro.

Barclays ist nicht alleine, aber die erste Bank, die für die Mauscheleien bisher zur Rechenschaft gezogen wurde. Neben Barclays sollen bis 20 weitere Banken mit verfälschten Zinssätzen über Jahre ihre Kunden über den Tisch gezogen haben. Im Visier stehen auch die zwei Schweizer Grossbanken UBS und Credit Suisse.

Massiver Druck aus Politik

Vorstandschef Bob Diamond begründete seinen Entschluss zum Rücktritt mit dem massiven Druck aus der Politik, der am Ruf der Bank zu kratzen drohe. «Das kann ich nicht zulassen», erklärte er nur einen Tag nach dem Rücktritt von Verwaltungsratschef Marcus Agius, der nun noch einen Nachfolger für den 60-Jährigen suchen soll.

Finanzkreisen zufolge steht mit Jerry del Missier ein weiterer Vorstand vor dem Rücktritt - er ist ein enger Gefolgsmann Diamonds.

Noch am Montagmorgen hatte sich Diamond in einem Brief an die Mitarbeiter kämpferisch gegeben und Agius die volle Verantwortung für den Skandal übernommen. Doch kurze Zeit später kündigten Premierminister David Cameron und Finanzminister George Osborne eine parlamentarische Untersuchung des Skandals an.

Das habe Diamonds Haltung verändert, sagt eine Person mit Kenntnissen von der Lage. «Ich glaube, Herr Diamond hat die richtige Entscheidung getroffen», kommentierte Osborne den Rücktritt, der mit sofortiger Wirkung gilt. Das sei ein erster Schritt in Richtung einer neuer Verantwortungskultur, betonte er.

Diamond steht erst seit vergangenem Jahr an der Spitze der Bank. Zuvor verantwortete er das Investmentbanking, also die Abteilung, in der es zu den Zinsmanipulationen gekommen ist.

Barclays war vergangene Woche zu einer Strafe von fast einer halben Milliarde Dollar verdonnert worden, weil es die ermittelnden Behörden in Grossbritannien und den USA als erwiesen ansahen, dass das Institut Marktzinsen manipuliert hat.

Auch UBS und CS

Die mehr als 300 Jahre alte Traditionsbank hat als erstes Geldhaus ein Fehlverhalten einiger Händler eingeräumt. Die seit Monaten laufenden Untersuchungen unter anderem in der Europäischen Union, der Schweiz und den USA richten sich gegen mehr als ein Dutzend Grossbanken, darunter auch die UBS und die Credit Suisse.

Ihnen wird vorgeworfen, den weltweit gültigen Interbanken-Zinssatzes Libor und andere Zinsen verzerrt zu haben. Der täglich in London fixierte Libor-Satz dient als Referenz für Kredite von Privatleuten und Unternehmen, Derivate sowie andere Finanzprodukte im Volumen von 360 Billionen Dollar. Er basiert auf Daten mehrerer Grossbanken.

Verschleierte Kosten

Durch die Weitergabe falscher Zinsen verschleierten die Institute ihre wahren Refinanzierungskosten und konnten zudem Handelsgewinne einstreichen. Barclays hat eingeräumt, bewusst niedrigere Zinsen übermittelt zu haben, da man davon ausgegangen sei, dass andere Geldhäuser das auch täten.

Der 60-jährige Diamond kündigte an, trotz seines Rücktritts am morgigen Mittwoch vor einer Gruppe von britischen Abgeordneten die Position der Bank in dem Skandal darzulegen. Agius muss sich am Donnerstag verantworten. Ein Bericht der Abgeordneten soll bis Jahresende vorliegen und die geplanten Finanzmarktreformen in Grossbritannien beeinflussen.

(chb/muv/sda)

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