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Elbphilharmonie ist ein Magnet für Schweizer Touristen

Das spektakuläre Gebäude und die lange Wartezeit auf die Eröffnung machen die Elbphilharmonie zur unwiderstehlichen Attraktion: Bei Schweizer Anbietern sind Reisen nach Hamburg momentan der Renner.

Von Julia Fritsche
am 27.01.2017

Ausgesprochen gross, geradezu riesig – so beschreiben Anbieter das Interesse von Schweizer Touristen an Elbphilharmonie-Reisen. Erst zwei Wochen ist das Konzerthaus am Hamburger Hafen in Betrieb. Doch wer noch diese Saison ein Konzert besuchen möchte, muss sich sputen oder auf Nachschub bei den Angeboten hoffen.

Damit scheint Hamburgs Plan aufzugehen. Der Bau der Schweizer Architekten Herzog & de Meuron soll für die Stadt zum Wahrzeichen werden – mit einer vergleichbaren Strahlkraft wie die Oper von Sydney. Bis zur feierlichen Eröffnung am 11. Januar mussten sich die Beteiligten, die Hamburger Bevölkerung und Klassikliebhaber weltweit lange gedulden: Der Um- und Aufbau des alten Speichergebäudes zog sich hin, ursprünglich sollte die «Elbphi» bereits 2010 eröffnen. Für Unmut haben auch die überbordenden Kosten gesorgt.

Zu den Ersten zählen

Doch trotz oder gerade wegen der langen Wartezeit und den negativen Vorberichten ist die Neugierde nun gross. Hunderte Schweizer können es offenbar kaum erwarten, sich ein eigenes Bild zu machen. Das zeigt die Umfrage von handelszeitung.ch bei Reiseveranstaltern.

Einen persönlichen Eindruck vom spektakulärem Bau und dem grossartigen Klang – 10'000 Gipspanele nach den Plänen des japanischen Akustikers Yasuhisa Toyota sollen ein einzigartiges Hörerlebnis garantieren – konnten sich bereits 80 Twerenbold-Kunden machen. Am 17. Januar lauschten sie den Hamburger Symphonikern.

Erschöpftes Kontingente und lange Warteliste

Im Oktober hat der Reiseveranstalter vier weitere – und bereits ausgebuchte – Angebote mit dem Höhepunkt «Elphilharmonie» im Angebot. Dazu mietet das Aargauer Unternehmen für ein Exklusivkonzert gleich alle 2100 Plätze des Grossen Saals. Die Tickets dazu vertreiben sie gemeinsam mit einem deutschen Partner. Drei weitere Projekte – für November und Februar – sind in Planung. Wer möchte, kann sich auf eine Warteliste eintragen lassen. Rund 700 Personen warten dort schon auf ihr Elbphilharmonie-Glück.

Car Rouge, das zur Eurobus-Gruppe gehört und Busreisen im Premiumbereich anbietet, lotst rund 160 Leute nach Hamburg. Armin Portner, Leiter Opern- und Konzertreisen, war vom Erfolg des Angebots zwar nicht überrascht, meint aber im Nachhinein, dass sie «vielleicht im Einkauf noch etwas mutiger hätten sein können». Car Rouge ist sich sicher, dass Reisen nach Hamburg künftig ein wichtiger Bestandteil des Angebots sein werden.

Rasches Buchen ist gefragt

Auch beim Reiseveranstalter Studiosus war das Interesse an den Konzertreisen nach Hamburg gross. Alle 24 Termine sind restlos ausgebucht – wie viele Plätze an Schweizer gingen, kann der Anbieter allerdings nicht sagen. Der Erfolg kam für Studiosus nicht unerwartet, daher auch das von Anfang an grosse Angebot. Dass aber tatsächlich auch alle verkauft wurden, sei doch überraschend, sagt Franco Ilic von der Pressestelle. 

Ausverkauft sind Elbphilharmonie-Reisen auch bei ACS-Reisen. 40 Personen konnten sich einen der begehrten Plätze sichern, viele Interessierte gingen dagegen leer aus. Beide Reisen waren zwei Tage nach dem Erscheinen des Angebots voll.

Schwieriger Nachschub

Gar nur einen Tag war die Reise bei Atlas Reisen verfügbar. Der Katalog mit der Reise kam kaum in die Haushalte, war es für eine Buchung schon zu spät. Über 100 Leute haben sich auf eine Warteliste eintragen lassen. So bald die neuen Spielpläne und Billette erhältlich sind, werden sie zu den Glücklichen zählen.

Die Neugierde habe nach dem langen Warten zu einem regelrechten Boom geführt, erklärt Geschäftsführer Felix Sandmayr den grossen Ansturm. Etwas Vergleichbares habe er lange nicht erlebt. Gerne würde er noch mehr Kunden an die «Elbphi» schicken, es sei aber auch für sie als professionelle Anbieter schwierig an Karten zu kommen. Irgendwann werde sich der jetzige Boom bestimmt wieder legen, relativiert er die Ausnahmesituation.

Nicht nur das Interesse an Konzerten sei übergross, auch Besichtigungen seien äusserst gefragt, weiss der Reiseveranstalter. Von Tausenden Anfragen könnten in den ersten beiden Monaten nur gerade 10 Prozent gedeckt werden.

Der Konzertsaal als Star

Extrem mutet die Vorbereitung bei Twerenbold an. Nach eigenen Angaben stehen sie für die Musikreise im Herbst 2017 seit zehn Jahren mit dem Intendanten des Hauses in Kontakt. «Trotz langjähriger Erfahrung ist es die bisher spektakulärste und von der Vorbereitung her die aufwändigste Musikreise», sagt denn auch Daniel Joos von der Medienstelle.

«Hin um jeden Preis» scheint die Devise vieler Schweizer, so die Erfahrung von ACS-Reisen: «Wir haben viele Anrufe bekommen, die einfach Karten für die Elbphilharmonie wollten, egal was von wem gespielt wird. Nicht der Sänger oder der Solist ist momentan der Star, sondern der Konzertsaal, was doch ziemlich einmalig ist.» Das Reisebüro legt bei seinen Musikreisen viel Wert auf hochkarätige Besetzungen und die gespielten Werke. Diesem Anspruch das Team auch bei den Hamburg-Reisen treu bleiben.

Irgendwann kommen alle nach Hamburg

Wer jetzt noch kein Konzertticket hat, muss den Kopf nicht hängen lassen. Die angefragten Reisebüros wollen alle Nachschub anbieten, so bald neue Kontingente verfügbar sind. Vorläufig bleibt den Musikliebhabern aber bloss: Sich auf Wartelisten einzutragen, den Start des Online-Verkaufs für den Elbphilharmonie Sommer am 15. Februar um 0 Uhr nicht zu verschlafen oder sich zu gedulden, bis der Hype abflaut.

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