Die Stromversorger mögen nicht mehr warten, bis die Politik weiss, wie die Elektrizitätsversorgung in der Schweiz dereinst aussehen soll. Die Lausanner EOS Holding vereinbarte jüngst mit der deutschen RWE einen Energieaustauschvertrag von Kohle- gegen Wasserkraft-Spitzenstrom per 2009. Kurz zuvor hatte die Westschweizer Groupe E ihr Joint Venture am Gaskraftwerk Timelkam in Österreich publiziert. Pressesprecherin Annette Zunzer: «Die Beteiligung dient primär dem Handel. Zur Not holen wir den Strom aber ins Land.» Nach ähnlichem Muster beteiligen sich das Solothurner Stadtwerk Regio Energie sowie der Tessiner Versorger AET an der deutschen Stadtwerke-Gruppe Trianel, die Kohle- und Gaskraftwerke betreibt.

Die Entwicklung erstaunt: Bisher haben Stromproduzenten wie Axpo, BKW oder EOS wiederholt betont, dass Beteiligungen an ausländischen Kraftwerken nichts zur Versorgungssicherheit in der Schweiz beitragen würden. Unternehmen wie Rätia Energie, EGL, Atel oder BKW sind seit längerem im Ausland an Kraftwerken beteiligt. BKW-Pressesprecher Antonio Sommavilla: «Der Strom wird normalerweise lokal erzeugt, aber zur Not sind die Auslandskraftwerke das Rückfallnetz.» Erst kürzlich wies BKW Überlegungen zurück, ihre Kohle-Beteiligung in Dörpen in Niedersachsen könnte auch fürs Inland dienen.

Import treibt die Preise

Die Politik kann heute schon beobachten, was sie mit ihrem Entscheid, Gaskraftwerken in der Schweiz das Leben teuer zu machen, an der Strompreisfront auslöst. Die europäisierte Beschaffung führt zu höheren Importmengen auf ausgelasteten Leitungen. Das treibt die Preise an den Grenzen zur EU nach oben und hebt das im Vergleich mit der EU nicht billige Inlandspreisniveau.

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