Glückliche Nordostschweizerinnen: Sie sparen künftig knapp 1 Fr. pro Tag, vorausgesetzt, sie verhalten sich so, wie die St. Gallisch-Appenzellischen Kraftwerke AG (SAK) ihrer Kundschaft vorrechnet: Drei Freundinnen sehen an vier Wintersamstagen von 8 bis 12 Uhr die erste Staffel von «Desperate Housewives» ab DVD, trinken Kaffee und backen Pizza. Die Einsparung möglich macht der im März gestartete Stromtarif «7to7», sprich «seven to seven». Der Fernsehsamstagmorgen kostet so noch 64.94 statt 157.61 Rp.

*Antwort auf Angriff*
Noch bevor der Strommarkt im kommenden Jahr gesetzlich geöffnet wird, ist in der Nordostschweiz ein intensiver Wettbewerb entbrannt. Das liegt daran, dass hier augenfällig viele lokale Stromverteiler am Werk sind, die nach eidgenössischem Stromversorgungsgesetz am Wettbewerb in der ersten Stufe teilnehmen dürfen. Von den rund 900 Schweizer Elektrizitätswerken (EW) ist vom Bodensee bis Walensee schätzungsweise ein Drittel hier tätig, was auf historische Gegebenheiten zurückzuführen ist. Rund 150 EW beziehen ihren Strom, von Ausnahmen abgesehen, vom Elektrizitätswerk des Kantons Thurgau (EKT), weitere 100 von den SAK, die wie das EKT Miteigentümerin der mit dem Versorgungsauftrag der Nordostschweizer Kantone betrauten Axpo Holding sind.
Die Strukturen werden durchgeschüttelt. EKT-Direktor Urban Kronenberg beobachtet: «Das Stromgeschäft verändert sich mit ungeahnter Geschwindigkeit.» Die EKT wird sich nächste Woche selbst neuen Allianzformen öffnen.
Tatsächlich hat «7to7» weniger mit einer fernsehschwesterlichen Intrige am SAK-Hauptsitz zu tun, als vielmehr mit einem im vergangenen März lancierten «absolut zufälligen» Angriff auf die Berner Stromallianz «1to1», sprich «one to one». Diese bemüht sich seit Herbst 2006 intensiv um Kundschaft im SAK- und EKT-Stammgebiet unter dem auch nicht ganz zufälligen Namen «Abonax», der im Telefonbuch noch vor Axpo rangiert.
Die SAK reagierten unzimperlich auf die Berner und stellen dabei sogar Ähnlichkeiten von «7to7» zu «1to1» in Abrede. SAK-Geschäftsleiter Rolf Domenig teilt mit: «7to7 ist so einfach aufgebaut, dass eine Nähe zu anderen Botschaften zwar möglich, aber absolut zufällig ist.»
Mehr Ähnlichkeiten, als ihnen lieb sein konnte, entdeckten dagegen die Berner im St. Galler «7to7»-Logo, das so kurz nach ihrem Marktauftritt so «unzufällig» in Erscheinung trat. «1to1» ist die über Jahre hinweg aufgepäppelte Strommarke einer Allianz vorab von Berner Energieversorgern, die sich unterm Namen Youtility zusammentaten und nach diesem Muster nun auch in die Ostschweiz vordringen. Zu Youtility zählt auch der Berner Stromversorger und grösste Endkundenversorger im Inland, die BKW FMB Energie AG. Noch aber will BKW-Presse¬sprecher Antonio Sommavilla nichts von einem «Markenkrieg» wissen. Sommavilla gibt sich betont friedlich: «Wir suchen das Gespräch.»

*Nach aussen verhandlungsbereit*
Allerdings wird am Berner Viktoriaplatz eingeräumt, dass ein anhaltender Angriff auf die Marke «1to1» nicht kampflos akzeptiert würde. Unterdessen liegen nach Informationen der «Handelszeitung» auf Ebene BKW-Geschäftsleitung juristische Gutachten über den frechen Zugriff der Ostschweizer auf ihr Logo vor. Nach aussen gilt weiterhin strikt die Devise «Verhandeln».

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