General Motors stockt die Produktion ihres Elektroautos Chevrolet Volt bereits auf und soeben ist bekannt geworden, dass auch der indische Grosskonzern Tata 2011 ein selbstentwickeltes Stromauto auf den europäischen Markt werfen will. Entwicklungen wie diese legen nahe: «Zum Elektroauto gibt es keine Alternative», so Gregor Matthies, Leiter der europäischen Automobil-Praxisgruppe beim Beratungsunternehmen Bain & Company. Er ist überzeugt, dass die Autoindustrie vor einem radikalen Systemwechsel steht. Das Elektroauto wird nicht länger ein Nischendasein fristen, sondern sich in den nächsten Jahren als Massenprodukt etablieren. Diese Prognose begründet Matthies mit einer eigenen, umfassenden Studie. Ihr Ergebnis: Immer mehr Kunden wollen das Elektroauto. Sie sind von Image, Fahrgefühl, Technologie und Umweltvorteilen begeistert. Hinzu kommt: Das Elektroauto wird schon in weniger als fünf Jahren kostengünstiger zu betreiben sein als die herkömmlichen Fahrzeuge. Nach dem Basis-Szenario der Bain-Studie wird ab 2020 weltweit die Hälfte aller neu zugelassenen Autos einen Elektromotor an Bord haben. 10% der Neuwagen werden ausschliesslich durch die Batterie gespeist, 40% werden mit einem ergänzenden Verbrennungsmotor als sogenannte Range-Extender oder Hybrid-Autos herumfahren. Treiber dieses Wachstums sind vor allem Kundenwünsche, fallende Batteriekosten, steigende Benzinpreise und Klimaschutzziele.

Bain & Company hat 350 000 potenzielle Elektroauto-Kunden als «Premium 2.0»-Segment identifiziert, davon allein 100 000 in Europa. Diese wären bereit, heute für ein Elektrostadtauto doppelt so viel Geld auszugeben wie für einen vergleichbaren Wagen mit Verbrennungsmotor. Sinkt der Preis für Elektroautos auf das Niveau herkömmlicher Fahrzeuge, womit in den nächsten sechs bis acht Jahren gerechnet werden kann, so steigt das jährliche globale Käuferpotenzial auf 1,5 Mio Kunden.

Keine kostspielige Infrastruktur

Den Durchbruch begünstigt, dass Elektroautos keine neue und kostspielige Infrastruktur benötigen. Die normale Steckdose wird für die meisten Ladevorgänge Standard sein. Allein wegen des Elektroautos müssen auch keine Kraftwerke gebaut werden.

Zwar ist die Reichweite reiner Elektroautos auf rund 150 km je Vollladung begrenzt. «Das ist aber mehr als ausreichend, um vier Fünftel der Mobilitätsbedürfnisse abzudecken», sagt Matthies. Schweizer legen täglich 30 bis 50 km zurück, davon die Hälfte bis zwei Drittel mit dem Auto. Für das Elektroauto heisst dies: Die meisten Fahrer können ihren Wagen abends mit deutlich mehr als der halben Batterieladung in der heimischen Garage zum Wiederaufladen abstellen.

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Heute kosten Batterien 10 000 bis 20 000 Fr. und sind der grosse Hemmschuh für die Verbreitung des Elektroautos. Der hohe Preis ergibt sich aber zu 75% aus der Herstellung in Kleinserien. Dank Skaleneffekten bei der Massenfertigung und Verbesserungen dürften die Batterien in fünf Jahren noch halb so teuer sein wie heute, so die Studie. In zehn Jahren dürfte der Preis um 70 bis 80% unter dem heutigen Niveau liegen.

«Die Elektrifizierung des Autos ist zwingend, weil es technisch gar keine Alternative gibt», glaubt Matthies. Mit verschärften CO2- und Umweltgesetzen werden die Politiker das Schicksal des Benzin-Autos besiegeln. Laut Bain-Studie spricht also alles dafür, dass das Elektroauto unmittelbar vor dem Durchbruch steht. Die Nachfrage ist da, und die ersten Angebote stehen zur Auslieferung bereit.