Ab dem 11. Juni rollt in Südafrika der Ball. Zwar greift die Schweiz erst ab dem 16. Juni ins Geschehen ein, doch musste sich Nati-Trainer Ottmar Hitzfeld mit der Wahl der 23 Kicker bereits positionieren.

Ganz anders die Finanzindustrie: Bei anderen Turnieren lancierte diese auf den Anlass massgeschneiderte Finanzprodukte. In diesem Jahr sind solche Anlageformen jedoch kaum vorhanden. So lancierte die Royal Bank of Scotland vor einigen Wochen ein strukturiertes Produkt, das auf konsumnahe südafrikanische Aktien setzt, und auch der eine oder andere Südafrika-Indexfonds wird derzeit beworben. Die Auswahl bleibt aber schmal.

Alle Augen auf Credit Suisse

Anderseits gibt es aber Unternehmen, die in den nächsten Wochen im Rahmen der Fussball-WM ins Rampenlicht kommen und deren Aktien an den Börsen gehandelt werden.So werden bald Tausende Fans mit dem Trikot der Schweizer «Nati» auch das Logo der Credit Suisse auf ihrer Brust tragen. Seit Jahren unterstützt die Credit Suisse den Schweizer Fussball, doch so offensichtlich wie in diesen Tagen trat das noch nie in Erscheinung. Ob sich das auch auf die Notierungen der Credit-Suisse-Aktie auswirkt, steht offen auch so sind die Valoren derzeit beliebt: 65% der Experten empfehlen derzeit das Wertpapier zum Kauf. Bei Morgan Stanley wurde jüngst das Kursziel bei 64 Fr. festgesetzt (aktueller Kurs: 45 Fr.). Als Schweizer Wert ist CS bei einer WM-Auswahl auf jeden Fall mit dabei.

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Swiss Life: Ende des Formtiefs?

Auch Swiss Life setzt auf die Karte Fussball-WM: Über einen Wettbewerb stattet der Nati-Sponsor die Fans mit Bettwäsche im Look der Schweizer Elf aus. Swiss-Life-Anleger können darin jedoch nicht sorgenlos schlafen: Die Aktie des Versicherers hat seit Jahresbeginn rund 6% verloren. Der Glaube an ein Comeback und der sich abzeichnende Turnaround bei Swiss-Life-Tochter AWD hat die Analysten in letzter Zeit allerdings wieder zuversichtlicher gestimmt. Swiss Life erhält von Helvea ein Kursziel von 170 Fr. (aktueller Kurs: 123 Fr.). Der Versicherer Swiss Life hat sich zwar keinen Stammplatz verdient; sollte die Formkurve tatsächlich ansteigen, hat der Valor jedoch grosse Einsatzchancen.

Nike hat die Nase vorn

Wer ein Investment bei einem der grossen Sportartikler in Betracht zieht, sollte sich bewusst sein, dass vor Turnieren der Marketingaufwand stark ansteigt, was die Ausgaben in den jeweiligen Quartalen stark erhöht. Doch von der richtigen Positionierung hängt der Erfolg der kom-menden Monate ab, denn der Kampf um die «Fussballkrone» wird immer intensiver.

So vermeldete die US-amerikanische Nike jüngst, mit einem Umsatz im Fussballgeschäft von rund 2 Mrd Dollar, Rivale Adidas überholt zu haben. Bei der Anzahl der ausgerüsteten Mannschaften hat Adidas aber noch immer die Führung. Ein Dutzend Teams und der Spielball Jabulani stammen vom deutschen Konzern. Nike, zusammen mit der Konzern-Tochter Umbro, stellt die Trikots von zehn Mannschaften, Puma folgt mit deren sieben.

Doch für Fans der Equipe um Nati-Captain Alex Frei gilt es vor allem, Puma im Auge zu behalten. Puma rüstet die Mannschaft mit den roten Trikots aus und stellt auch die Schuhe des erfolgreichen Torjägers. Die Puma-Aktie ist jedoch eher in einem Formtief. Dabei ist die Wahl der Schuhe so individuell wie die der passenden Aktie. So schlägt etwa Nati-Crack Tranquillo Barnetta seine gefährlichen Flanken mit Adidas. Wie der Ostschweizer versprüht auch Adidas derzeit mehr Dynamik als der etwas lahme Puma von Alex Frei. Rund die Hälfte der Experten empfiehlt derzeit ein Engagement bei Adidas.

Der Basler Youngster Xherdan Shaqiri wirbelt indes auch in der Nati in Nike-Schuhen. Der US-Sportkonzern zeigte zuletzt deutliche Aufwärtstendenz. Über 60% der Analysten bewerten Nike derzeit mit «Kaufen». Nominiert werden alle drei Sportausrüster, nach den starken 1.-Quartals-Zahlen und dem positiven Ausblick kann sich aber nur Nike auf sichere Einsätze in der Anleger-Stammelf freuen.

Titel für die zweite Reihe

In die Auswahl schafft es auch Telekom-Riese Swisscom. Dessen Fernsehangebot Swisscom TV könnte davon profitieren, dass viele zumindest die 1. Halbzeit des Nachmittagsspiels gegen Spanien aufnehmen wollen. Der Anpfiff um 16 Uhr ist doch etwas früh. Die unsichere Marktsituation könnte dazu führen, dass die defensiven Qualitäten von Swisscom in der Abwehr von Kursverlusten gefragt sind.

Beliebt ist auch die Aktie von WM-Bierbrauer Anheuser-Busch InBev. Die Credit Suisse empfiehlt den Titel aktuell zum Kauf. Unterhaltungselektronik-Konzern Sony könnte mit der erstmaligen Übertragung von Fussballspielen in 3D für Furore sorgen. Gänzlich überzeugt sind die Experten davon jedoch noch nicht. 60% der Analysten raten, die Aktie zu halten, zuletzt mehrten sich aber die Kaufempfehlungen.

Nestlé für die Fussball-Muffel

Bereits werden auch die Nahrungsmittler Lindt & Sprüngli und Nestlé als mögliche WM-Gewinner gehandelt. Denn was eignet sich besser als süsse Schokolade, um sich bei dem oder der Liebsten dafür zu entschuldigen, dass der Fernseher schon wieder für mindestens 90 Minuten besetzt ist. Im direkten Vergleich hat aber Nestlé die Nase vorn, 70% der Experten sehen die Aktie als «Kauf», und auch der Schmuckexperte Richemont kann sich daher auf Einsätze in der Anleger-Elf vorbereiten.