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Tesla
Elon Musk wandelt auf Trumps Spuren

Elon Musk bei einer Präsentation in Australien
Ist gerade nicht gut auf die Medien zu sprechen: Elon Musk. Quelle: Getty Images/Mark Brake

Musk attackiert via Twitter Medien und gibt ihnen die Schuld an der Misere bei Tesla. Desweiteren will er Journalisten bewerten lassen.

Von Philipp Vetter («Die Welt»)
am 24.05.2018

Der Chef des Elektorautobauers Tesla, Elon Musk, setzt zunehmend auf die Strategie von US-Präsident Donald Trump und attackiert kritische Berichterstattung über sein Unternehmen per Twitter.

Am späten Mittwochabend veröffentlichte Musk eine Reihe von Tweets, in denen er Medien und Journalisten vorwarf, sie würden falsch über Tesla berichten, weil der Elektroautobauer keine Anzeigen schalte.

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«Die selbstgefällige Heuchelei der grossen Medienunternehmen, die die Wahrheit für sich beanspruchen, aber nur so viel veröffentlichen, um die Lüge schönzufärben, sind der Grund, warum die Öffentlichkeit sie nicht länger respektiert», schrieb Musk.

Dazu verlinkte er einen Blogeintrag, in dem über eine Analystenmeinung berichtet wird. Darin heisst es, für die vielen negativen Berichte über Tesla fehle inzwischen die Grundlage.

Dabei handelt es sich allerdings um eine Einzelmeinung. Zahlreiche Analysten sehen Tesla hingegen selbst kritisch und empfehlen den Verkauf der Aktien des Autobauers. Sie begründen das mit Problemen bei der Produktion des Mittelklassewagens Model 3, den hohen Verlusten von Tesla, und dem hohen Kapitalbedarf.

Auch die wiederholten öffentlichen Ausraster von Musk tragen zur Skepsis bei immer mehr Analysten und Anlegern bei.

Musk sieht einen Grund für die Kritik

Musk unterstellte den Medien in einem weiteren Tweet, dass sie nur deshalb besonders kritisch über Tesla berichten würden, weil das Unternehmen im Gegensatz zu grossen Ölfirmen und klassischen Autobauern keine Werbung in den Medien schalte.

«Das Problem ist, dass Journalisten unter dem konstanten Druck stehen, Klickzahlen und Werbeeinnahmen zu maximieren oder gefeuert zu werden. Das ist eine heikle Situation, da Tesla nicht wirbt, wohingegen Ölfirmen und Hersteller von Autos mit Benzin- oder Dieselmotoren zu den grössten Werbetreibenden der Welt gehören», so Musks Behauptung.

Belege für diese These lieferte Musk nicht. Vor allem stört er sich an Berichten über Unfälle von Tesla-Fahrern und Arbeitern in seiner Fabrik. Musk argumentiert, dass über die Unfälle anderer Hersteller, die deutlich häufiger vorkommen würden, nicht in gleichem Umfang berichtet werde. Allerdings unterschlägt der Tesla-Chef, dass es sich in der Regel um Berichte über Unfälle von Tesla-Fahrzeugen im sogenannten Autopilot-Modus handelt.

Dabei übernimmt das Auto Teile der Fahrfunktionen. Zwar betont Tesla, dass der Fahrer dennoch ständig die Kontrolle über das Fahrzeug haben müsse, viele Kunden des Elektroautobauers überschätzen jedoch die Fähigkeiten dieses Assistenzprogramms. Experten kritisieren, dass der Name Autopilot suggeriere, dass das Auto bereits autonom fahren könne. Es handelt sich daher keineswegs um Berichte über gewöhnliche Unfälle.

Musk hatte bereits in der Vergangenheit mehrfach Journalisten während seiner Berichte über die Geschäftsergebnisse von Tesla attackiert und ihnen unredliches Arbeiten vorgeworfen. Zuletzt beantwortete er auch Analystenfragen nicht mehr. Sie seien ihm «zu trocken, die bringen mich um», sagte er. Stattdessen liess er sich von einem Fan minutenlang befragen.

Die Trump-Strategie

Musk verfolgt mit seinen Attacken auf die Medien eine ähnliche Strategie wie US-Präsident Donald Trump, der unliebsame Berichte gern öffentlich als «Fake News» bezeichnet. Musk will nun mit einem weiteren Unternehmen die Medien unter Druck setzen.

«Werde eine Seite aufbauen, wo die Öffentlichkeit die Wahrheit jedes Artikels bewerten und den Glaubwürdigkeits-Score jedes Journalisten, Redakteurs und Mediums verfolgen kann. Denke darüber nach es Pravda zu nennen…», schrieb er in einem Tweet. Prawda heisst auf russisch «Wahrheit» und ist der Titel einer russischen Zeitung, die während der Zeit der Sowjetunion das Organ der Kommunistischen Partei war.

Musk scheint diese Ankündigung durchaus ernst zu meinen. Bereits im Oktober vergangenen Jahres wurde von einem Vertrauten Musks eine Firma mit dem Namen «Pravda Corp.» in Kalifornien angemeldet, die in Delaware registriert ist. Im November wurde als Unternehmenszweck «Medien» hinzugefügt. Als Chef von Pravda Corp. ist Jared Birchall eingetragen, der bereits bei Musks Firmen «Neuralink» und «The Boring Company» in führenden Positionen gelistet ist.

Dieser Artikel erschien zuerst bei der «Welt» unter dem Titel: «Elon Musk gibt Medien die Schuld für Teslas Misere»