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Luftfahrt
Emirates im Gegenwind: Wie geht es weiter mit der A380?

Golfairlines wie Emirates haben dem Riesenflieger A380 zum Durchbruch verholfen. Nun stecken sie in der Krise. Airbus muss die Produktion drosseln. Ein Besuch im Werk in Hamburg.

Von Tim Höfinghoff
2017-07-14

Grösser, schneller, weiter – so liebt es Emirates. Ständig neue Routen anbieten, den Standort Dubai massiv ausbauen und der weltgrösste Betreiber des Riesenfliegers Airbus A380 sein: Damit hat es Emirates weit gebracht.

Kein Wunder, dass Emirates den etablierten Airlines in den vergangenen Jahren erheblich Marktanteile abnehmen konnte. Lufthansa, Swiss und Co. motzten ständig über die aus ihrer Sicht unfairen Wettbewerbsvorteile der staatlichen Golf-Airline. Emirates konterte stets: «Emirates wird nicht und wurde nie subventioniert.» Und zeigte der Konkurrenz in Sachen Extravaganz gerne, wo die Reise hingeht. Nach dem Motto: Wer, ausser Emirates, hat Duschen an Bord? Und wer, ausser Emirates, hat hinten im A380 eine Bar eingebaut?

Doch mittlerweile kämpft Emirates mit viel Gegenwind: Die Airline musste im Frühjahr erstmals seit fünf Jahren einen Gewinnrückgang verkünden: Im Vergleich zum Vorjahr war es ein Einbruch um 82 Prozent. Immerhin blieb ein Gewinn von 340 Millionen Dollar für das Geschäftsjahr 2016/2017.

Preisdruck in der Branche ist gross

Überkapazitäten, Terror-Furcht, Brexit und die neuen Einreisehürden in die USA belasten das Geschäft, der Preisdruck in der Aviatik-Branche ist ohnehin enorm. Hinzu kommt: Der stark gesunkene Ölpreis senkt in der Golfregion die Kaufkraft. «Bei Emirates haben wir zuletzt kaum noch Wachstum beim Streckennetz gesehen», sagt Thomas Jaeger, Chef des Luftfahrt-Informationsanbieters ch-aviation. Derweil sah sich Emirates gezwungen, ein Viertel der Verbindungen in die USA zu streichen.

Im Vergleich zur Konkurrenz vom Golf steht Emirates allerdings noch einigermassen gut da. Etihad steckt in einer tiefen Krise, weil die Strategie, krisengeplagte Airlines aufzukaufen, nicht aufgeht. Etihad-Chef James Hogan musste gehen. Derweil gibt es eine Blockade mehrerer Länder gegen Katar inklusive einem Flugverbot. Das bringt Qatar-Airways-Chef Akbar al-Baker und sein Unternehmen in Bedrängnis.

Die Gemengelage schadet den Golf-Airlines, die mit ihren Umsteige-Drehkreuzen profitieren wollen. Um solch einen Hub wie Dubai zu füllen, setzt Emirates primär auf die grossen A380-Flieger. Ein anderes Konzept ist zum Beispiel, mit kleineren Jets kleinere Flughäfen direkt zu verbinden.

Emirates in Genf und Zürich nur schwach vertreten

Tatsächlich hat es allen voran Emirates in Dubai geschafft, den europäischen Airlines viele Passagiere abzuwerben, die von Europa über Dubai zu Zielen in Asien, Afrika und Australien reisen. Die Grössenunterschiede der Flughäfen sind enorm: 2016 hatte Zürich 28 Millionen Passagiere, in Dubai waren es 84 Millionen.

In Zürich hat die Swiss einen Marktanteil von rund 50 Prozent. Der Verkehrsanteil von Emirates betrug im laufenden Jahr – von Januar bis Juni –  1,79 Prozent. Damit liegt Emirates auf Platz 8 der Fluggesellschaften, welche Zürich in ihrem Streckennetz haben, teilt der Flughafen mit. In Genf erreicht Emirates 1,5 Prozent. Hier ist Easyjet mit 44 Prozent Marktführer gegenüber Swiss mit 14 Prozent.

Swiss-Chef: «Der Druck durch Golf-Airlines hat nachgelassen.»

Erstmals seit langer Zeit geben sich Airline-Manager in Europa etwas entspannt bezüglich der Golf-Konkurrenz: «Der Druck durch Golf-Airlines hat in jüngster Zeit etwas nachgelassen, allerdings sind wir weiterhin sehr wachsam, was die Entwicklung der Wettbewerber angeht», sagte Swiss-Chef Thomas Klühr vor einigen Tagen.

Dabei fliegt Emirates bereits seit 1992 in die Schweiz. Anfang August feiert Emirates das 25. Jubiläum der Strecke Zürich-Dubai.
 Das Angebot an Sitzplätzen ist enorm: Die Golfairline fliegt jeden Tag zweimal ab Zürich sowie zweimal ab Genf direkt nach Dubai. Seit Anfang 2014 kommt in Zürich die A380 zum Einsatz. Seit Herbst 2015 ist der zweite tägliche Zürich-Flug ebenfalls eine A380-Verbindung. In Genf kommt hingegen der Flugzeugtyp Boeing B777 zum Einsatz. Allein auf der Strecke Zürich-Dubai sind es rund 1100 Sitzplätze, die Emirates pro Tag offeriert.

Der A380-Flieger wird in Zürich auch von Singapore Airlines eingesetzt. Der Typ ist nicht nur für Airline-Begeisterte stets ein Hingucker. Solch ein grosses Fluggerät bietet schliesslich sonst niemand in der Schweiz.

Jeden Tag 54 A380-Flüge in London

Überhaupt ist der A380 immer gut für Superlative: Weltweit sind bei verschiedenen Airlines von diesem Fluggerät 213 Maschinen unterwegs. Sie fliegen auf 120 Routen zu 60 Destinationen und transportieren jeden Monat 3 Millionen Passagiere. Allein in London gibt es jeden Tag 54 Flüge (Starts und Landungen) mit dem A380.

Airbus als Hersteller des Riesenvogels hat stets vom enormen Bedarf profitiert, den Emirates generierte. Emirates betreibt 95 A380 und hat Bestellungen für 47 weitere Maschinen. Damit hat keine Airline der Welt mehr A380 im Einsatz. Zum Vergleich: Bei Singapore Airlines sind es 19, bei Lufthansa 14.

Doch die Zeiten, in denen Emirates-Chef Tim Clark, Airbus drängte, der A380 neue, sparsame Triebwerke zu verpassen (A380neo) und die A380-Flotte noch weiter zu erhöhen, sind wohl vorbei. Für solch ein Projekt fehlen Airbus einfach die Kunden.

Heruntergefahrene Airbus-Produktion

Mittlerweile hat Airbus die Produktion des A380 heruntergefahren, ab 2018 sollen nur noch 12 Flieger dieses Typs pro Jahr gebaut werden. «Früher hat Emirates jedes Jahr in grossem Stil neue Flugzeuge bestellt, darunter auch den Typ A380, sagt Thomas Jaeger von ch-aviation. «Doch solche Orders sind bisher ausgeblieben.»

Seit es den 380-Flieger gibt, gab es stets die Frage: Wie wollen Airlines, und dabei besonders Emirates, den Grossraumflieger voll bekommen und profitabel betreiben? Nun zeigt sich, wie schwer es ist, in Zeiten des Abschwungs die Flotte gut auzulasten.

Derweil fragt sich Airbus, wie ökonomisch sinnvoll das A380-Programm überhaupt ist, wenn es keine Neu-Bestellungen im grossen Stil mehr geben wird. Mehr noch: Manchen A380-Maschinen droht, wegen der geringen Nachfrage wieder auseinander gebaut zu werden. So berichtete die «Wirtschaftswoche» vor einigen Tagen, dass von Singapore Airlines betriebene A380-Maschinen, die im Besitz einer deutschen Leasing-Firma sind, zerlegt und als Ersatzteile verkauft werden könnten.

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