Ab Oktober fliegt Emirates statt wie bisher einmal zweimal täglich mit dem A380 nach Zürich. Wollen Sie noch mehr Druck auf Swiss ausüben?
Thierry Antinori*: Es geht nicht darum, Druck auf andere Airlines auszuüben. Wir wollen attraktiver für die Kunden sein. Der A380 ist das grösste Passagierflugzeug und hat weltweit eine sehr hohe Kundenakzeptanz.

Wie stark wächst Ihr Sitzangebot in Zürich?
Wir werden ein 15 Prozent höheres Angebot auf der Strecke Zürich–Dubai haben. Das entspricht einem zusätzlichen Angebot von 959 Sitzplätzen pro Woche. Insgesamt werden wir dann täglich 1010 Sitzplätze anbieten, darunter täglich 180 in der First Class und der Business Class.

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Übernehmen Sie sich nicht? Es fliegen doch nicht jeden Tag mehr als 1000 Menschen von Zürich nach Dubai mit Emirates.
Sie dürfen nicht vergessen, dass es 7 Milliarden Menschen auf der Erde gibt. Zwei Drittel davon leben in Asien, der Bedarf an Flugreisen wächst. Mehr Menschen wollen nach Europa reisen. Wir heissen ebenso jeden Schweizer Kunden willkommen.

Ist der Zürcher Flughafen gut vorbereitet auf zusätzliche A380-Flieger?
Der Flughafen Zürich ist gut vorbereitet. Allerdings werden wir ein Auge darauf halten müssen, dass unsere Kunden, besonders was die Kunden aus der First Class und der Business Class angeht, schneller durch die Grenzkontrolle kommen. Einreiseformalitäten abzuwickeln dauert in Zürich zum Teil noch zu lange.

Sie erhöhen nicht nur die tägliche A380-Frequenz in Zürich, sondern auch an anderen Orten wie Frankfurt. Ist dies Ihre neue Strategie, statt weltweit neue Ziele anzufliegen?
Es wird immer ein Mix sein. Wir fliegen jetzt weltweit 147 Ziele an, nehmen 6 bis 8 neue Routen jedes Jahr auf. Ebenso wird es weitere A380 auf bisherigen Strecken geben, auf denen der Typ noch nicht unterwegs ist. Wir legen dabei den Fokus auf Regionen wie Europa und Nordamerika. Dafür erweitern wir unsere A380-Flotte stetig. Bisher fliegen bei uns 65 A380, bis Ende 2018 werden 80 in Betrieb sein, weitere Maschinen werden folgen. Wenn der Dubai World Central Airport weiter ausgebaut ist, werden wir dort 150 bis 200 A380 pro Tag abfertigen können.

Wann kommt der A380 nach Genf?
Der Flughafen hat Einschränkungen bezüglich der Infrastruktur, die es uns nicht ermöglichen, mit dem A380 nach Genf zu fliegen. Allerdings haben wir im vergangenen Jahr die Kapazität mit unseren Boeing 777-ER in Genf um 90 Sitze pro täglichen Flug gesteigert.

Wie ist die bisherige Auslastung, was den Schweizer Markt angeht?
Wir veröffentlichen grundsätzlich keine konkreten Zahlen zu spezifischen Märkten. Weltweit liegt unsere Auslastung bei rund 80 Prozent. Das Schweizer Geschäft läuft gut, es ist ein gesundes Wachstum.

Sie sind Franzose, waren lange Manager bei Air France und Lufthansa. Hand aufs Herz: Das enorme Wachstum von Emirates muss doch auch für Sie aus europäischer Sicht verrückt klingen.
Ich bin bei Emirates Ende 2011 eingestiegen. Da hatten wir 32 Millionen Passagiere pro Jahr, vergangenes Jahr waren es 49 Millionen Kunden. Die Profitabilität hat sich erhöht, die Durchschnittserlöse sind in den vergangenen vier Jahren stärker gewachsen als die Zahl der Sitze. Warum? Der Luftfahrtmarkt entwickelt sich sehr gut, davon profitieren wir. Bis zum Jahr 2030 wird sich die Anzahl der Passagiere weltweit verdoppeln. Wir glauben an Wachstum.

Was läuft bei Emirates in Dubai anders – aus Sicht eines Managers mit europäischen Wurzeln?
Die Stimmung ist: Das Glas ist immer halb voll. Sie müssen sehr hohe Ziele haben, und Sie haben die Chance, sie umzusetzen. Man muss sich mehr anstrengen. Das Umfeld ist dynamischer und man erhält auch die Ressourcen, die man benötigt. Bei uns bei Emirates werden Probleme nicht durch Kostensenkungen gelöst, das hat sonst schnell negative Auswirkungen auf die Kundenzufriedenheit – und auf die Stimmung der Mitarbeiter.

Emirates wird dieses Jahr 30 Jahre alt. Gibt es eine grosse Jubelparty?
Der Chairman wird sicherlich eine E-Mail schreiben und sich bedanken. Aber es wird bestimmt keine grosse Party geben, wir arbeiten hart weiter und konzentrieren uns auf unsere Kunden.

Es gibt oft Kritik an den Arbeitsbedingungen für Emirates-Mitarbeiter: Zum Beispiel, dass Flugbegleiterinnen, die schwanger werden, ihren Job verlieren und dass es verboten ist, für eine Lohnerhöhung zu streiken. Gibt es nach 30 Jahren Emirates nicht auch in solchen Bereichen Verbesserungspotenzial?
Die Zufriedenheit unserer Mitarbeiter ist sehr hoch. Das Unternehmen kümmert sich um seine Angestellten. Wir geben pro Jahr 600 Millionen Dollar für die Belange der Mitarbeiter aus. So erhalten etwa Kinder der Crewmitglieder Geld für Ausbildungskosten. Alle Mitarbeiter haben für das vergangene Jahr einen Bonus in Höhe eines Neun-Wochen-Salärs bekommen. Und Damen, die schwanger werden, können Büroarbeiten übernehmen. Wir hatten allein im vergangenen Jahr 129’000 Bewerbungen für Flugbegleiter-Jobs.

Ihre Mitbewerber vor allem in Europa und den USA werfen Emirates immer stärker vor, unlautere Wettbewerbsmethoden zu nutzen. Wie reagieren Sie?
1985 wurde Emirates gegründet, ausgestattet von der Regierung mit Kapital in der Höhe von 10 Millionen Dollar sowie Infrastruktur wie Gebäude im Wert von 88 Millionen Dollar. Seitdem haben wir fast 3 Milliarden Dollar an Dividende zurückgezahlt. Wir agieren autonom von der Regierung und müssen liefern. Mittlerweile sind wir eine der erfolgreichsten Airlines der Welt mit einer hohen Kundenzufriedenheit. Daran stören sich manche Mitbewerber. Wir haben erst kürzlich mit einem 400 Seiten umfassenden Dokument den Vorwürfen besonders der US-Airlines widersprochen. Wir sind gelassen und arbeiten hart weiter. Die drei grössten US-Airlines hingegen setzen auf immer ältere Maschinen. Sie vergraulen ihre Kunden, während ihre Profitabilität stark zunimmt. Kein Wunder, dass diese irritiert sind.

Derweil nimmt auch der politische Druck auf Emirates zu, was zum Beispiel Landerechte in den USA und in Europa angeht.
Ich habe den Eindruck, wir haben oft mehr Verbündete in diesen Ländern, als man glaubt. Wir haben nicht nur den Kunden auf unserer Seite. Manche Verkehrsministerien sind sicherlich beeinflusst von den Interessen ihrer heimischen Airlines – wie zum Beispiel meine Landsleute in Frankreich –, aber ich kenne keinen Wirtschafts- und Tourismusminister in Europa, der nicht daran interessiert ist, mit uns zu arbeiten.

Die Furcht vor einem globalen Wirtschaftsabschwung wächst, besonders nach dem Börsensturz in China. Spüren Sie in Ihrem Geschäft einen weltweiten Konjunkturrückgang?
Wir sehen, dass manche Branchen, wie zum Beispiel die Öl- und Gasindustrie, an Reisekosten sparen. Ausserdem hat in den vergangenen Monaten die Nachfrage im Cargo-Geschäft in China erheblich abgenommen. Allerdings bieten sich in solchen Zeiten auch neue Chancen. Komfortabel ist, dass der Ölpreis so niedrig ist. Was aber weiterhin wächst, ist der Druck auf die Erlöse.

Als Sie vor einigen Jahren noch Lufthansa-Manager waren, hatten Sie keinen Hehl aus Ihren Ambitionen gemacht, einmal Swiss-Chef zu werden. Der Job ist bald verfügbar. Haben Sie Interesse?
Das Thema habe ich längst abgehakt. Diese Debatte hat es im Jahr 2008 gegeben. Mittlerweile arbeite ich für eine Airline, bei der ich mich sehr wohl fühle.

*Thierry Antinori ist Executive Vice President und Chief Commercial Officer von Emirates. Der 54-Jährige ist verheiratet und hat zwei Kinder.

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