Obwohl man bei Emmi eigentlich auf der Kostenbremse steht und 2009 5 Mio Fr. einsparen will, wird kräftig die Werbetrommel gerührt (siehe «Nachgefragt»). Im Zentrum der Kampagne steht der Kassenschlager Caffé Latte. Seit April steht Caffé Latte Zero in der Schweiz in den Regalen. Seit kurzem ist das Produkt auch in Deutschland erhältlich. In Spanien - Emmi hat seine Beteiligung an der spanischen Partnerin Kaiku jüngst auf 43% erhöht - wird eine Einführung geprüft. In erster Linie soll die Marke Caffé Latte gestärkt werden - so die Strategie. «Mit Caffé Latte Zero werden wir den Umsatz von Emminent schnell übertreffen», sagt Emmi-CEO Urs Riedener.

Ein baldiges Ende des Energiedrinks Emminent wird zunehmend wahrscheinlicher: «Wir müssen die Entwicklung realistisch betrachten», so Riedener. Die Frage sei, wie sie begrenzt vorhandene Werbemittel einsetzen.

Aus dem Flop mit Lacto-Tab und dem unter Erwartungen laufenden Emminent zieht man in Luzern seine Lehren: «Es wird weniger risikoreiche Innovationen geben», so Riedener. Emmi will dagegen die bestehenden Produktplattformen verstärken, indem etwa Saisonvarianten von Swiss Müesli oder Variationen bei Caffé Latte entwickelt werden. Ein zentrales Thema von Emmi sind Akquisitionen. Bis in sieben Jahren will Emmi 50% des Umsatzes im Ausland erwirtschaften. Das Unternehmen verfügt über eine solide Kapitalbasis für Zukäufe. Auf die Frage, ob Emmi in Verhandlungen mit einem möglichen Übernahmeobjekt ist, antwortet der CEO: «Wenn man die Möglichkeit zu kaufen hat, bekommt man dauernd Kaufmöglichkeiten angeboten, die man prüft.» Darunter sei jedoch nichts Spruchreifes. Laufend überprüft werde auch die Beteiligung an der italienischen Käserei Ambrosi - «so eine Beziehung steht immer wieder auf dem Prüfstand», so Riedener.

Milchpreis zentral für Emmi

Die Geschäfte von Emmi sind stark abhängig vom Milchpreis. Die tieferen Milchpreise dominierten so auch die jüngst publizierten 1.-Halbjahres-Zahlen und sind Hauptgrund dafür, dass Emmi fürs Gesamtjahr 2009 einen Umsatzrückgang von 5% erwartet.

Wichtig für die Konkurrenzfähigkeit der Produkte ist ein möglichst kleiner Milchpreisunterschied zum Ausland. «Politische Diskussionen könnte es geben, wenn der internationale Milchpreis wieder steigt», so Riedener. Er sei jedoch diesbezüglich ziemlich optimistisch.

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NACHGEFRAGT urs Riedener, CEO von Emmi


«Gutes Verhältnis zu Federer»

Sie lancieren im 2. Halbjahr eine Marketingoffensive. Wie viel investieren Sie?

Urs Riedener: Wir investieren gut 100 Mio Fr. in Marketing und Verkaufsaktivitäten pro Jahr. Wir wollen für die 2. Jahreshälfte in der Grössenordnung zwischen 5 und 10 Mio Fr. aufstocken.

Welche Produkte sind von der Werbeoffensive betroffen?

Riedener: Im Wesentlichen die Wachstumsplattform Caffé Latte. Aber wir sehen auch Möglichkeiten mit Kaltbach und mit Fondue, vor allem im Ausland. Im Fokus stehen auf jeden Fall bestehende Produkte oder Plattformen mit dem Ziel, die Penetration und die Bekanntheit zu erhöhen.

Werden Sie in dieser Kampagne wieder mit Roger Federer zusammenarbeiten?

Riedener: Das ist grundsätzlich offen. Wir haben ihn in der letzten Zeit nicht mehr direkt in einem Spot eingesetzt. Wir würden wohl eher klassisch werben. Natürlich könnte es auch Promotionen geben, aber wir haben jetzt gerade nichts Grösseres vor mit Federer.

Der Vertrag mit ihm wird nicht verlängert?

Riedener: Der Vertrag mit Roger Federer ist rein formell per 30. Juni ausgelaufen. Wir haben jedoch ein sehr gutes Verhältnis und sehen weiterhin Möglichkeiten für eine Zusammenarbeit.

Wann werden Sie Emminent aus den Regalen nehmen?

Riedener: Wir prüfen alle Möglichkeiten und müssen die Entwicklung realistisch betrachten. Ein Entscheid ist diesbezüglich nicht gefallen. Die Frage ist, wie wir begrenzt vorhandene Werbemittel einsetzen.