Emmi hat ein grosses Auftragsvolumen von Denner nicht mehr erhalten. Das bestätigt Ruth Stadelmann, Sprecherin des Luzerner Milchverarbeiters, ohne aber den Auftrag zu beziffern. Ein Insider weiss, dass es sich dabei um Milchprodukte im Wert von jährlich 50 Mio Fr. handelt. Diesen Auftrag der Migros-Tochter Denner erhält nun die Migros-Industrie-Tochter Elsa. Emmi ist somit ein Opfer der Konzentration im Detailhandel geworden.

Die Streichung des Auftrags kam nicht unerwartet: «Mit der Übernahme von Denner durch Migros haben wir damit rechnen müssen, dass wir den Auftrag verlieren», sagt Stadelmann. Emmi hat für Denner sowohl Marken als auch Eigenmarken wie Joghurts produziert. «Wir sind aber nach wie vor mit einem namhaften Produktesegment bei Denner präsent», betont Stadelmann. In die grosse Auftragslücke, die Denner bei Emmi hinterlassen hat, kann Lidl nicht springen. Mit 13 Filialen, welche am 19. März in der Schweiz eröffnet werden, ist sie im Vergleich zu Denner mit seinen 746 Standorten ein Zwerg. Aber Lidl will hierzulande zügig expandieren. Bis Ende Jahr will Andreas Pohl, Geschäftsleitungsvorsitzender von Lidl Schweiz, die Anzahl Filialen verdoppeln und bis in eineinhalb Jahren auch in der Westschweiz präsent sein.

Dank Lidl weltweiter Absatz

Lidl ist aber nicht wegen ihrer neuen Schweizer Filialen attraktiv für Produzenten, sondern wegen ihres Netzes von 8000 Filialen in über 20 Ländern. Ein grosses Absatzgebiet auch für Emmi, die bereits an Lidl Deutschland liefert. Im Gegensatz zur Schweiz exportiert Emmi auch Markenartikel wie Caffè Latte an Lidl Deutschland. Für die Schweizer Lidl-Filialen stellt Emmi nur Eigenmarken her. «Wir wollen in allen wichtigen Kanälen als Marke vertreten sein. In der Schweiz ist Lidl aber noch klein», erklärt die Emmi-Sprecherin.

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Auch Produzent Hug, zu dem auch Wernli gehört, verkauft keine Markenartikel an Lidl Schweiz, sondern nur Eigenmarken. «Marken liefern wir wegen des Imageverlusts nicht an die Harddiscounter», sagt Werner Hug, Verwaltungsratsdelegierter des Luzerner Familienunternehmens.

Wettbewerb wird stärker

Mit dem Einzug von Harddiscountern im Schweizer Markt wird der Wettbewerb wieder belebter. Das spüren Konsumenten in sinkenden Preisen und Lieferanten in einer Zunahme der Abnehmer, die in den letzten Jahren immer weniger wurden. So erklärt Werner Hug: «Wir spüren die Konzentration im Detailhandel stark.» Viele Anbieter wie PickPay, Primovisavis, Carrefour, Waro sind von der Bildfläche verschwunden. Neue Anbieter wie Lidl kommen wie gerufen. Auch Hug möchte vom europaweiten Netz von Lidl profitieren.

Dass Emmi und Hug aus Angst vor Coop nur Eigenmarken und keine Markenartikel an Lidl liefern, wollen beide Produzenten nicht bestätigen. Es habe nichts mit dem Druck zu tun, erklären sie unisono (siehe «Nachgefragt»). Genaueren Aufschluss wird wohl erst der Bericht der Wettbewerbskommission liefern. Sie hat ihre Beobachtungen bezüglich des Drucks von Coop und Migros auf die Lieferanten abgeschlossen und verfasst einen Bericht, über den Ende März Anfang April informiert werden soll.

 

 

nachgefragt


«Der Druck auf Lieferanten ist hierzulande gross»

Der Lidl Schweiz-Chef zur Konzentration im Handel.

Hatten Sie Mühe, Schweizer Markenartikler als Lieferanten zu gewinnen?

Andreas Pohl: Nein, aber einzelne Markenartikelproduzenten hatten ein schlechtes Gefühl. Da lag es an uns, für diese Lieferanten einzustehen und mit der Weko Kontakt aufzunehmen, damit einzelne Lieferanten nicht gefährdet werden, wenn sie Lidl beliefern.

Ein schlechtes Gefühl wegen Coop?

Pohl: Das kann ich nicht so frei heraussagen. Der Beschaffungsmarkt ist in der Schweiz sehr speziell. Es gibt zwei sehr grosse Anbieter, und auf diese beiden ist jeder Lieferant angewiesen. Der Druck auf Lieferanten ist von diesen beiden Anbietern hierzulande gross. Das wurde uns mitgeteilt.

Würden Sie Emmi und Hug gerne unter ihren Markennamen führen?

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Pohl: Ja, wir hätten diese Markenartikel gerne verkauft. Aber die Entscheidung lag bei den Produzenten. Für uns war es aber wichtig, diese Lieferanten auch für Eigenmarken zu gewinnen.