Rund 30 Jahre nach seiner Gründung verliert der Internetpionier AOL die Eigenständigkeit. Der US-Mobilfunkriese Verizon will das einst für seinen Email-Dienst bekanntgewordene Unternehmen für rund 4,4 Milliarden Dollar kaufen. Man habe sich mit AOL auf einen Preis von 50 Dollar pro Aktie geeinigt, einen Aufschlag von gut 17 Prozent zum Schlusskurs vom Montag, teilte Verizon mit. 

Verizon will sich mit der Übernahme Zugang zu AOLs digitaler Werbesparte verschaffen und sein Geschäft mit mobilen Videos stärken. Damit ist auch eine Fusion mit dem ebenfalls schwächelnden Online-Vorreiter Yahoo vom Tisch, über die zuletzt spekuliert wurde.

Bei Anlegern kam der Deal gut an: Die AOL-Aktie kletterte um rund 18 Prozent. Der Deal, zudem auch AOL-Schulden von etwa 300 Millionen Dollar gehören, soll über Eigen- und Fremdkapital finanziert werden.

30 Millionen Abonnenten 

AOL hatte zu seiner Blütezeit als Internet-Provider allein über 30 Millionen Abonnenten weltweit. Im Jahr 2000 fusionierte AOL im dem Medienkonzern Time Warner. Faktisch übernahm AOL das Traditionsunternehmen getragen vom Höhenflug des eigenen Aktienpreises für mehr als 160 Milliarden Dollar.

Auf dem Höhepunkt der Internet-Blase wurde der Zusammenschluss zu AOL Time Warner als zukunftsweisende Verbindung alter und neuer Medien gefeiert. Doch der Deal brachte nie den erhofften Effekt und wurde später als gigantischer Fehler bezeichnet.

«Huffington Post» und «Tech Crunch»

AOL wurde 2009 wieder als einzelnes Unternehmen abgespalten und versuchte seitdem mit wechselndem Erfolg, Geld mit Online-Werbung zu verdienen. Zugleich sind immer noch rund zwei Millionen Amerikaner als Kunden im Zugangsgeschäft registriert.

Heute gehören auch die Online-Zeitung «Huffington Post» sowie bekannte Blogs wie «Tech Crunch» zu AOL.

Ambitionen im mobilen Werbegeschäft

Der US-Mobilfunkriese Verizon unterstreicht jetzt mit dem Zukauf seine Ambitionen im mobilen Video- und Werbegeschäft, für das AOL eine Plattform bietet. Die Übernahme soll im Sommer nach Zustimmung der Regulierer abgeschlossen werden.

Im ersten Quartal legte der AOL-Umsatz im Jahresvergleich um sieben Prozent auf 625 Millionen Dollar zu. Der Nettogewinn sank hingegen um ein Viertel auf nur sieben Millionen Dollar. Die Erlöse im Werbegeschäft legten dabei um zwölf Prozent zu. Der bisherige AOL-Chef Tim Armstrong soll das Geschäft der Firma auch nach der Übernahme weiterführen.

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(sda/reuters/tno/ama)