Kuoni hat die Zahlen für das 3. Quartal vorgelegt. Sowohl Umsatz als auch Gewinn konnten erneut gesteigert werden. Trotzt die Reisebranche der Finanzkrise?

Max E. Katz: In den ersten neun Monaten 2008 hat sich die Finanzkrise noch nicht sehr auf die Realwirtschaft und somit auf die Reisebranche ausgewirkt. Wir haben aber ab Mitte September gesehen, dass es zu einer Verlangsamung der Nachfrage kam. In gewissen Märkten haben wir schon früher eine Veränderung des Buchungsverhaltens gespürt, etwa in England und in Spanien.

Beim Ausblick auf das 4. Quartal berichtet Kuoni, dass das Veranstaltergeschäft in Franken per 2. November 2008 einen um 3% höheren Buchungsstand als in der Vorjahresperiode ausweist. Per 17. August 2008 war es noch ein Plus von 6%. Wird die Reiselust jetzt getrübt?

Katz: Wir spüren, dass bei den Konsumenten eine gewisse Verunsicherung herrscht. Sie sind zurückhaltender, Ausgaben zu machen. Sie wollen zuwarten und schauen, wie sich auch ihre persönliche finanzielle Situation entwickelt.

Von der Finanzkrise sind vor allem die Aktienkurse betroffen. Ihre Namensaktie hat an der SIX Swiss Exchange seit Jahresbeginn 44% verloren. Statt über 620 Fr. ist sie noch um die 330 Fr. wert. Ärgert Sie das mit Blick auf Ihr positives Finanzergebnis?

Katz: Kuoni kann sich den allgemeinen Börsentrends eben auch nicht entziehen. Sehr viele Gesellschaften hatten für die ersten sechs respektive neun Monate gute Resultate ausgewiesen. Die Börse widerspiegelt natürlich immer etwas die Erwartungen der kommenden Monate. Die Erwartungen der Investoren sind momentan allgemein eher negativ. Das wird im Aktienkurs reflektiert.

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Das heisst, sobald sich der Finanzmarkt erholt, wird auch der Aktienkurs von Kuoni wieder steigen?

Katz: Wenn der Optimismus an die Börse zurückkehrt und man wieder an die Zukunft glaubt, dann wird das sicher der Fall sein.

Nach dem Rekordergebnis im letzten Jahr war die Rede davon, dass Kuoni heuer beim Konzernumsatz die Marke von 5 Mrd Fr. knacken könnte. Liegt das noch drin?

Katz: Die Umsatzmarke von 5 Mrd Fr. ist 2008 wohl schwer zu knacken. Vor allem angesichts der Entwicklung des Frankens, die gegen dieses Ziel arbeitet. Wir hatten im 3. Quartal fast 6% an negativen Währungseffekten. Dies entspricht bei 5 Mrd Fr. gegen 300 Mio Fr., um die unser Nettoerlös alleine durch die Währungsumrechnungen reduziert wird. Deshalb werden wir die 5 Mrd Fr. wohl noch nicht erreichen. Ich glaube aber auch nicht, dass diese Zahl an und für sich wichtig ist, sondern, dass wir weiterhin ein deutlich über dem Markt liegendes Wachstum verzeichnen.

Das heisst?

Katz: Wir haben in den ersten neun Monaten 2008 total 7,2% organisches Wachstum erreicht. Wir werden sicher auch noch Ende Jahr ein sehr stolzes organisches Wachstum ausweisen. Das ist für uns viel wichtiger ? in Kombination mit einer überdurchschnittlichen Profitabilität, die sich in einem hohen ROIC ausdrückt.

Wie steht es um die Expansionsstrategie mit weiteren Akquisitionen seit der Finanzkrise?

Katz: Das aktuelle wirtschaftliche Umfeld ist auch eine Chance, um gewisse Akquisitionen zu prüfen, die man in der Vergangenheit gar nicht diskutieren konnte. Vielleicht werden heute Leute verkaufswillig, die es früher nicht waren. Kuoni ist nach wie vor interessiert an Zukäufen, die in unsere Strategie passen. Im jetzigen Umfeld stehen hingegen Akquisitionen für mehrere 100 Mio Fr. nicht im Vordergrund, um uns nicht noch gleichzeitig zu verschulden. Kleinere Akquisitionen werden indes weiterhin getätigt.

Am 1. Januar 2009 erhalten Sie mit Peter Rothwell einen neuen CEO. Warum braucht es einen Chef, der vom Massenanbieter TUI kommt, wenn doch beim Premiumspezialisten Kuoni der Kurs unter Ihrer interimistischen Führung stimmt?

Katz: Ein Konzern der Grössenordung wie Kuoni braucht definitiv einen vollamtlichen Chef. Über eine längere Zeit ist eine Doppelbelastung als CEO/CFO nicht machbar. Mein Engagement als CEO war von Anfang temporär. Anfang des nächsten Jahres übernimmt Peter Rothwell. Er ist ein sehr erfahrener Touristiker. Er wird uns in diesen herausfordernden Zeiten sehr gut unterstützen können.