Ein zentrales Anliegen der schweizerischen Verkehrspolitik ist es, die Gütertransporte durch die Schweiz gezielt auf die Schiene zu verlagern. Noch immer harrt die vom Volk in einer Abstimmung geforderte Beschränkung der transalpinen Lastwagenfahrten auf 650000 pro Jahr der Realisierung. Eine radikale Forderung, welche kaum je realisierbar sein wird, schon gar nicht, wenn weiterhin derart langsam an der Planung der wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen gearbeitet wird. Im Jahr 2018 soll - nach heutigen Planungen - die Neat in Betrieb genommen werden. Mit dieser Flachbahn kann die Leistungsfähigkeit auf der Schiene im Nord-Süd-Verkehr und umgekehrt deutlich verbessert werden. Allerdings nur dann, wenn auch die Zufahrtsstrecken zur Neat im Norden wie im Süden zügig ausgebaut werden. Und hier hapert es derzeit erheblich.

Schon seit Jahren fordern die Operateure im Schienengüterverkehr, insbesondere Hupac, RAlpin und Intercontainer, die Schaffung eines 4-m-Korridors durch die Alpen via Gotthard. Auf der Lötschberg-Simplon-Linie kann mit 4 m Eckhöhe gefahren werden, doch diese Verkehrsverbindung genügt kapazitätsmässig bei Hochkonjunktur keineswegs. «Nach heutigen Planungen ist ein Ausbau des Neat-Korridors auf 4 m Eckhöhe erst ab dem Jahr 2030 vorgesehen, also rund zehn Jahre nach der Eröffnung der Neat», stellt Hupac-Direktor Bernhard Kunz im Gespräch mit der «Handelszeitung» fest (siehe Seite 51).

Allerdings ergänzt Kunz, dass das Bundesamt für Verkehr (BAV) derzeit in einer Studie abklärt, ob die Realisierung eines 4-m-Korridors gleichzeitig mit der Eröffnung der Neat realisiert werden könnte. Wesentlich wichtiger wäre es, wenn heute mit der Planung der Bauarbeiten begonnen werden könnte, denn acht Jahre sind eine nicht allzu lange Zeitspanne für wesentliche Bauvorhaben wie dasjenige eines 4-m-Korridors.

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Meinen es die verantwortlichen Gremien wirklich ernst mit der Güterverlagerung, dann ist es höchste Zeit, dass die Grundlagen für einen zügigen Ausbau des Nord-Süd-Korridors erarbeitet werden. Im Schienengüterverkehr harrt neben dem Ausbauproblem aber noch eine ganze Reihe weiterer Probleme einer Lösung. Stichworte dafür sind Priorisierung des Güterverkehrs, eine Trassepreisrevision oder die Trennung von Infra- struktur und Verkehr.

Nur wenn diese Probleme gezielt angepackt werden, können die Voraussetzungen geschaffen werden, damit der Bahngüterverkehr auch in Zukunft effizient und kostengünstig betrieben werden kann.