Die Genossenschaft Migros Ostschweiz (GMOS) ist aus der Fusion der Migros St. Gallen und der Migros Winterthur/Schaffhausen im Jahr 1999 hervorgegangen. Von der Betriebszentrale (BZ) Gossau aus werden rund 120 Filialen der Migros Ostschweiz mit Frischprodukten beliefert.

Beim Startschuss 1999 war man sich einig, dass die Energiekosten der BZ Gossau optimiert werden müssen. Das Kernstück des Konzepts zur Reduktion von Strom-, Wärme-, Gas- und Wasserkosten ist ein Energiemanagement-System, das zusammen mit Roland Ackermann von der Firma Enerplan SA aufgebaut worden ist. Die treibenden Kräfte mit langjähriger Erfahrung sind das Betriebstechnikteam um Alex Burri und Leo Eberhard. Unterstützt werden sie dabei von Sauter Building Control Schweiz AG, welche den grossen Teil der Gebäudeautomation in der Betriebszentrale geliefert hat und betreut. An das System in Gossau wurden u.a. folgende Anforderungen gestellt: Transparente wöchentliche Verbrauchsstatistiken der Gebäudetechnik-Anlagen, Auswertungen des Energieverbrauches der Kälte- und Wärmeerzeugung in Funktion zur Aussentemperatur, grösstenteils automatische Erfassung und Auswertung der Energieverbrauchsmessungen, Nutzung der vorhandenen Gebäudeautomations-Anlage sowie die Lieferung von Grundlagendaten für zukünftige Energiesparprojekte. Nebst wenigen manuellen Messungen liefert diese in der Betriebszentrale Gossau das Gebäudeautomations-System. 170 Exportdatenpunkte generieren seit 2007 mehr als 65500 Datenbankeinträge pro Woche.

Daten automatisch gespeichert

Um diese Daten zu behandeln, benötigen die Betreiber ein entsprechendes Analysesystem, wie es in Zusammenarbeit mit Enerplan aufgebaut wurde. Damit werden Daten automatisch gespeichert, grafische Trends nach Zeitablauf dargestellt, buchhalterische und statistische Auswertungen erstellt und – falls Symptome vorhanden sind – Verbesserungsschritte dokumentiert. Die Trends des Energieverbrauchs werden grafisch aufgezeigt, so beispielsweise in absoluten und korrigierten Werten pro Monat, in kumulierten Werten über ein Jahr oder in Abhängigkeit zur Aussentemperatur. Die grafischen Darstellungen sind analytisch optimiert, d.h., Abweichungen oder Potenziale sind sofort ersichtlich und die Abweichungen sind gegenüber den Trendkurven quantifiziert. Ferner werden alle Daten mit allen wahrscheinlichen Verursachern korreliert.

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Nach der Analyse kann mit einer Optimierung begonnen werden. Dazu werden Änderungsvorgänge besprochen, vor Ort abgeklärt und Versuche durchgeführt. Besonders wichtig sind die gewonnenen Daten zum Energieverbrauch auch im Hinblick auf neue Investitionen. Die Energiekennzahlen helfen mit, Neu- oder Umbauten richtig zu dimensionieren. Gleichzeitig erhält das Betriebspersonal bei der Nutzung der Analysen sofort Hinweise auf Unstimmigkeiten in Anlagen. Ein Beispiel: Im Wasserverbrauch einer Gebindewaschmaschine wurde eine hohe Zunahme des Wasserverbrauches festgestellt. Als Ursache wurde dann ein undichtes Ventil gefunden und sofort ersetzt.

Globale Kenntnis der Anlage nötig

Zur Optimierung der Energieeffizienz ist der Einsatz eines Gebäudeautomationssystems unerlässlich. Nach dem Erfassen der Betriebsstunden und der Zählerstände von Öl-, Gas-, Wärme- und Elektrozählern kann mit der Optimierung der Betriebszeiten begonnen werden. Mittels Zeitprogrammen werden die optimalen Betriebszustände für Tag und Nacht sowie Sommer und Winter definiert. Damit diese Schritte richtig ausgeführt werden, ist eine umfassende Kenntnis der Prozesse und Anlagen nötig: Das Betriebspersonal muss in der Lage sein, die erfassten Daten und Werte kritisch zu analysieren – allenfalls mit Unterstützung externer Supporter. Das Resultat: Als Ergänzung und auch als Folge zum Energiemonitoring hat die GMOS in der Betriebszentrale in den letzten Jahren diverse Erweiterungen und Sanierungen realisiert wie beispielsweise die Dachwassernutzung und Recyclinganlage für bessere Nutzung des Waschwassers, Grundwassernutzung für Kühlung und Heizung, Solaranlage, Spitzenlastmanagement für den Elektrizitätsverbrauch und der Einsatz einer Wärmepumpe für die Nutzung der Kondensationswärme der Kälteanlagen. Mit den Verbesserungen in den letzten sechs Jahren konnten jährlich 650000 Fr. eingespart werden. Das entspricht einer Senkung von Wärme- und Wasserverbrauch von mehr als 50% – und das alles ohne Komforteinbussen! 1999 bis 2006 konnte der CO2-Ausstoss im Durchschnitt pro Jahr um über 600 t reduziert werden. Der Einsatz von weiteren Wärmepumpen wird diese Reduktion weiter verstärken.

Neue Projekte sind in Planung

Die jährlichen Kosten für Enerplan von 2000 bis 2006 betrugen samt Abschreibung, Aufbaukosten und Energiemanagement gerade mal 26000 Fr. – also ein Bruchteil der Energiekosten. Zudem können mit dem Energiemanagementsystem alle von öffentlichen Stellen und von der Migros selbst geforderten Statistiken ohne weiteren Aufwand erstellt werden, wofür andere Betriebe jedes Mal eine aufwendige temporäre Messung durchführen müssen. Zudem erfolgt dadurch eine monatliche Kontrolle und Plausibilisierung der Wasser- und Elektrizitätsrechnungen, mit der wiederum neue Ziele für den Einkauf bestimmt werden. Die Energieoptimierung macht sich also nicht nur für die Umwelt, sondern ebenso für die Unternehmung bezahlt. Zu Recht erhielt die GMOS für ihre Leistungen im Bereich Energieeinsparung im Oktober 2006 das Zertifikat «CO2 reduziert, wir sind dabei». Nun, damit geben sich die engagierten Mitarbeiter der Migros Ostschweiz noch nicht zufrieden, bereits tüfteln sie an neuen Projekten: Eine Wärmepumpe für die Beheizung des Garagengebäudes wurde im März 2008 realisiert. Die Ölheizung – bisheriger Verbrauch von ca. 26000 l Heizöl pro Jahr – wird durch zwei monovalente Wärmepumpen à 50 kW Leistung ersetzt. Man darf gespannt sein, was die Energieprofis noch weiter optimieren werden.

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