Politiker fordern uns auf, herkömmliche Glühbirnen mit Energiesparlampen zu ersetzen. Bis im Jahr 2015 sollen sie per Gesetz verboten werden. Wissen sie, wovon sie sprechen? Es gibt seit längerer Zeit Energiesparlampen. Günstige und teurere, die auch qualitativ besser sind. Die Entsorgung ist zwar nach wie vor ein schwieriges und teilweise ungelöstes Thema. Zudem eignen sie sich nicht für jeden Ort und jedes Bedürfnis. Der Licht- und Leuchtendesigner Felice Dittli gibt ein paar Erklärungen und Tipps.

Wo sind Energiesparlampen sinnvoll?

Felice Dittli: Stromsparleuchten sind nur dort sinnvoll, wo sie ihre Vorteile entwickeln können. Es geht in dieser Diskussion um mit E-14/27 bezeichnete Standard-Schraubgewinde und Orte, wo regelmässig von einer langen Brenndauer und langen Schaltzyklen ausgegangen werden kann. Im Wohnbereich also eher nicht, weil da ja nirgends das Licht während Stunden brennt. Und selbst an langen Winterabenden zu Hause möchte man
ja wohl lieber in eine spezielle Lichtatmosphäre eintauchen. Hier sollte man grundsätzlich über Lichtkonzepte nachdenken und nicht über den blossen Ersatz von Glühlampen durch Stromsparlampen.

Das Licht aus Energiesparlampen war bisher kalt und wirkte unfroh. Gibt es jetzt Lampen mit schönerem Licht?

Dittli: Schön ist ja sehr subjektiv, aber ich denke doch, dass es qualitative Unterschiede gibt. Fluoreszenzlampen, zu denen sogenannte Energiesparlampen gehören, geben ein relativ diffuses, flaues Licht. Die Frage ist also, wo dieses Licht richtig und sinnvoll eingesetzt wird, und da liegt wohl auch die Krux der jetzigen, an und für sich ja sehr sinnvollen Diskussion.

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Nennen Sie Argumente für Energiesparlampen. Welche, wo, warum? Sind mit Glühbirnen alle Temperaturstrahler gemeint? Warum? Was heisst das auf den Alltag bezogen?

Dittli: Alle reden von Energiesparen. Wunderbar! Aber sparen wir wirklich Energie, wenn wir uns ausschliesslich mit Energiesparlampen umgeben, dabei aber ständig etwas vermissen, beispielsweise die Wärme des Glühlampenlichts? Warum ist die Glühlampe das Feindbild? Wiederholt sich da etwa die «Joghurt-Deckeli»-Diskussion der 1980er Jahre? Dabei sind die Weiterentwicklungen vielfältig: Fluoreszenzlampen (FL), Halogenmetalldampflampen (CDM), LED (Leuchtdiode/Light Emitting Diode) usw. Es wird demnächst spannend für uns alle werden – für uns Designer, Lichtplaner, Architekten und Anwender.

Weshalb bauscht man dieses Thema plötzlich so auf, es gäbe doch sinnvollere Sparmassnahmen?

Dittli: Ich bin weder Politiker noch Lampenverkäufer, aber ich denke doch, dass da andere Gründe dahinter stecken als vordergründig behauptet wird. Es ist sicher sinnvoll, dass sich die Menschheit über Sparmassnahmen Gedanken macht – endlich – und ganz sicher ist Energie ein sehr wichtiger Punkt. Was aber ist mit den Themenkreisen Rohstoffe, Verarbeitung usw.? Falsch an der Diskussion ist allerdings der Ansatz «Licht gleich Energie». Fatalistische Haltungen führen immer ins Abseits. Was mich stört, ist dieses eingleisige Denken: Licht braucht Strom, Strom ist Energie, Energie müssen wir sparen, also verbieten wir den vermeintlich grössten Energiefresser. Weder reden wir über die Vor- und Nachteile, noch unterhalten wir uns generell über Potenziale. Ein Beispiel: Seit wohl 20 Jahren wäre es möglich, 3-Liter-Autos zu bauen, aber die Industrie baut heute Autos, die 2,5 t wiegen und zwischen 15 und 25 l verbrauchen, und wir Konsumenten kaufen sie. Das meine ich, wenn ich an Potenziale denke.

Wo kann man wirklich durch Beleuchtung Energie sparen?

Dittli: Überall, durch gezielten Einsatz der richtigen Werkzeuge. Sprich: Richtiges Konzept, richtige Leuchtmittelwahl, richtig gesteuert. Das betrifft aber vermutlich nicht vorab die Privatperson, abends zwischen 19.30 und 23 Uhr!

Worauf muss man achten?

Dittli: Sich und anderen die richtigen Fragen stellen, die richtigen Spezialisten auswählen. Kritisch planen: Was brauche ich? Warum, wo, wie? Wie im richtigen Leben.

Muss ich meine Halogen- und Glühbirnen wegwerfen? Kann ich diese noch ersetzen, ich habe zum Teil Design-Klassiker aus den 1980er Jahren – Castiglioni, Flos, Baltensweiler, Ingo Maurer usw.

Dittli: Mir scheint, im Moment blickt niemand richtig durch, aber die Diskussion ist ja noch längst nicht abgeschlossen. Nicht klar ist auch, welche Glühlampen unter dieses allfällige Verbot fallen. Temperaturstrahler als Gruppe oder ausschliesslich AGL–E-14/27-Schraubgewinde?

Muss ich mir beim Kauf einer neuen Leuchte versichern lassen, dass es auch in zwei Jahren noch Lampen dafür gibt?

Dittli: Wäre vielleicht sinnvoll. Meines Wissens redet man im Moment von den E-14/27-Schraubgewinden und nicht von zum Beispiel Halogenbrennern, im Moment! Und wir reden vom Jahr 2015.

Sie arbeiten als Designer mit Lampenproduzenten und Lichtplanern. Kreiert der Lampen-Designer eigentlich Licht oder Leuchten?

Dittli: Beides, denn neue Formen verlangen mehr und mehr nach neuen technischen Lösungen. Anders gesagt: Neue Techniken führen zu neuen formalen Ansätzen und damit zu neuem Licht. Mich interessiert übrigens der Schatten so sehr wie das Licht. Es ist die Wechselwirkung, die Stimmung schafft. Nur ganzheitliches Denken, der Einbezug von «innen» und «aussen» führt zu guten Produkten. Licht und Schatten sind wie ein Liebespaar!

Welches ist Ihr Lieblingslicht?

Dittli: Tageslicht, die Sonne gibt definitiv das perfekteste Licht, und das ist uns am vertrautesten. Allerdings suche ich nachts nach einer anderen Stimmung, 24 Stunden Sonne jeden Tag wäre ja Folter! Ich plädiere für Lichtinseln im Raum, wo man sich von einem Punkt zum andern bewegt, ein sehr dynamisches Wohnen.

Gibt es neue Lichttrends?

Dittli: Dramaturgie. Im Moment wird das grosse Lichttheater inszeniert, natürlich auch mit Extremen, wo sie nichts bringen oder schnell ins Geschmäcklerische abfallen. Farbiges Licht ist ein Thema. Fluoreszenz-Röhren beispielsweise gibt es in vier verschiedenen Weisstönen, aber auch farbig. Den wärmsten Effekt, ein fast gelbes Licht, liefert die herkömmliche, preisgünstige Glühlampe. Sie ist auch beliebt, weil sie in den aktuellen Trend des «homing» passt, dem gefühlvollen Wohnen in den eigenen vier Wänden.

Jedermann spricht von LED – nur ein Gag?

Dittli: LED sind im Moment noch ein gutes Mittel, Lichtpunkte-Akzente in der Architektur zu setzen. Bald werden LED-Elemente aber wirklich viel mehr Leistung und damit Licht für einen normalen Einsatz bringen. Das wird spannend werden.

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www.dittli.com
www.dittlidesign.ch
www.werk3.ch
www.lighteriors.zumtobel.com
www.verpan.dk
www.lighteriors.zumtobel.com
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Felice Dittli Dipl. Gest. HfG/VSI, Luzern/Basel.

Tätigkeiten

- Seit bald 20 Jahren tätig als Innenarchitekt und Produktegestalter.
- Partner von Werk3, Basel.
- Arbeitet seit über zehn Jahren auch im Bereich Licht-/Leuchtendesign, u.a. für Regent.
- Lighting Basel, Sanitas Troesch usw.
- Mehrere Publikationen, Preise und Auszeichnungen.

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Tipps: Dittlis Licht- und Energiespartipps

Konventionen auf ihre Gültigkeit hinterfragen.
Eine bewusste Sensibilität zum Licht entwickeln.
Mit Licht spielen, zum Beispiel mit versteckten Lampen wie Spots hinter dem Sofa, hinter dem Pflanzentopf, hinter einem frei stehenden Schrank.
Mit dem Licht «wandern», mit einfachen Stablampen neue Licht-situationen ausprobieren.
Mit Wandleuchten Akzente setzen, beispielsweise im Treppenhaus.
Vermehrt mit Stehleuchten leben, sie geben schönes und mit dem Dimmer verstellbares Licht.
Stehleuchten öfter, je nach Lust, Stimmung und Jahreszeit, umplatzieren.
Lichtinseln schaffen, Orte, wo man sich ungestört zurückziehen kann. Theatralik zu Hause!
Die Terrasse, so man eine hat, mit einbeziehen. Die Wohnung wird sofort grösser und attraktiver. Licht überhaupt vermehrt auch aussen einsetzen.
Leselicht da, wo man sich konzentrieren muss und will und die Umgebung ausschaltet.
Den Standort seiner Lichtquellen öfter wechseln.
Besser auf den Lichtkegel, das heisst die Licht-Zeichnung achten, nicht einfach total ausleuchten.

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Euroluce 2007: Die neuen Leuchten

Die innovativste aller Leuchtenproduzentinnen, Viabizzuno Milano, arbeitet mit dem Architekten Peter Zumthor.
Das Atelier Oï entwirft u.a. für Foscarini: Poetische, vibrierende, weich und hell klingende Leuchten aus Metallstäben.
Neu ist die Home-Kollektion Lighteriors von Zumtobel. Entstanden nach dem Motto «Licht in seiner besten Form, Form in ihrem besten Licht» und mit der langjährigen Erfahrung der Produzentin auf dem Gebiet der Lichttechnik. Unverkennbar aus den Händen von Zaha Hadid und Ettore Sottsass stammende Formen und ein poetischer Leuchter von Hani Rashid sind die Stars der Kollektion.
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www.viabizzuno.com
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