Die Vorgabe der Schweizer Börse ist klar: Reduziert die deutsche Mehrheitsaktionärin EnBW ihren Anteil an der Energiedienst Holding bis Ende Juli nicht von 81,7 auf 80%, wird der Titel aus dem Börsenbarometer SPI ausgeschlossen. Nun deutet alles darauf hin, dass genau das passieren wird: «Wir verfolgen keine Pläne, Aktien zu veräussern», erklärt EnBW-Sprecher Dirk Ommeln auf Anfrage.

Werner Vogt, Mediensprecher der SIX Swiss Exchange, macht klar: Energiedienst sei auf den drohenden Ausschluss aus dem SPI hingewiesen worden. Senke EnBW den Aktienanteil nicht, werde dieser Ausschluss auch vollzogen, sagt Vogt.

Kein Kommentar von EnBW

Doch warum lässt EnBW (Energie Baden-Württemberg AG) den Titel der Energiedienst aus dem SPI fliegen? Sprecher Dirk Ommeln will sich dazu nicht äussern: «Wir sehen keinen Grund, Strategien des Unternehmens in der Öffentlichkeit zu kommentieren.» Diese Aussage dürfte die Minderheitsaktionäre der Energiedienst überraschen. Denn üblicherweise bemühen sich Firmen, im SPI zu bleiben. Der breiteste Index der Schweizer Börse umfasst rund 230 Titel. Er ist in verschiedene Unterkategorien unterteilt - in grosse, mittlere und kleine Firmen sowie in einzelne Sektoren.

Energiedienst macht knapp 14% des Sektors «Utilities» aus, zu welchem auch Firmen wie die BKW oder Raetia Energie gehören. Gemäss Börsen-Sprecher Werner Vogt hat ein Ausscheiden aus dem SPI durchaus Folgen. So erhält eine Firma weniger Aufmerksamkeit beispielsweise von Analysten. Zwar können die Titel weiter ohne Probleme gehandelt werden. Sie sind für potenzielle Kunden aber weniger sichtbar. Dass Titel aus dem SPI ausscheiden, passiert entsprechend selten. Dieses Jahr traf es im April Ciba, die von BASF aufgekauft wurde. Im Juni verschwand Golay Buchel, weil der Titel dekotiert wurde. Über die Gründe für die Haltung der EnBW kann also nur spekuliert werden. So hatten im letzten Jahr in Finanzkreisen Gerüchte die Runde gemacht, die Energiedienst solle von der Börse genommen werden. Solche Pläne bestehen laut EnBW-Sprecher Ommeln derzeit jedoch nicht.

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Prämie lässt auf sich warten

Laut Vontobel-Analyst Andreas Escher wäre es positiv für den Energiedienst-Titel, wenn dieser im SPI verbleiben würde. Denn Fonds, die den SPI abbilden, müssen die Titel nach einem Abgang aus dem Index verkaufen. Zudem belegt laut Escher der Energieversorger BKW, dass der Markt für eine höhere Liquidität auch eine höhere Prämie bezahlt. Diese Prämie gebe es bei Energiedienst vorerst nun nicht, sagt Analyst Escher.