Die Technologien zur effizienten Energienutzung gibt es längst: Möglichst verlustarmer Stromtransport, ausgeklügelte Gebäudetechnik, energiesparende Elektromotoren für Produktionsprozesse und manches mehr haben führende Konzerne wie ABB und Siemens entwickelt. Damit können Unternehmen ihre Energie effizienter einsetzen und so ihre Betriebskosten senken.
Die Anstrengungen der Firmen zahlen sich gleich doppelt aus: Sie reduzieren nicht nur ihre Kosten für Energie und weitere Ressourcen, sondern werden auch von der ab 2008 erhobenen CO2-Lenkungsabgabe befreit - sofern sie über eine verpflichtungstaugliche Zielvereinbarung zur CO2-Reduktion verfügen, die sie mit der Energie-Agentur der Wirtschaft (EnAW) unterzeichnet haben. Rund 1600 Unternehmen stehen bis heute auf der EnAW-Liste. «Damit decken wir 35 bis 40% des gesamten CO2-Ausstosses der Schweizer Wirtschaft ab», sagt EnAW-Geschäftsführer Max Zürcher. Zu den Teilnehmern gehören neben den besonders energieintensiven Konzernen aus der Papier-, Zement- und Metallbranche auch Maschinenbauer, Medtech-Firmen, Lebensmittelverarbeiter, Dienstleister und Grossverteiler.
Doch der Neuzugang von Unternehmen stagniert. «Das Gros der Wirtschaft bilden Kleinstfirmen mit vergleichweise geringen Energiekosten, wo die Prioritäten naturgemäss etwas anders gesetzt werden», erklärt Zürcher. Zwar biete die EnAW neu ein KMU-Programm an, doch sei das Interesse noch überschaubar.
«Es ist eine Knochenarbeit, KMU für Effizienztechnologien zu begeistern», klagt Maurice Jutz, Professor für Umwelttechnik an der Fachhochschule Nordwestschweiz. Er offeriert mit dem Institut für Ecopreneurship speziell auf KMU abgestimmte Beratungsangebote zur Optimierung der Material- und Energieflüsse. «Nur rund 10% aller Schweizer KMU sind hier sehr innovativ», sagt Jutz. Weitere 20 bis maximal 30% hätten ein offenes Ohr. «Der Rest sieht keinen direkten Nutzen darin», seufzt Jutz. Obwohl bei neun von zehn Unternehmen, die er besucht, Einsparpotenziale geortet werden können und Margenverbesserungen die Folge wären.

*KMU setzen andere Prioritäten*
Das Zögern vieler KMU dürfte mit dem vergleichsweise hohen Investitionsvolumen und der mehrjährigen Amortisationsdauer zusammenhängen. Bei einem Maschinenbauer beispielsweise beläuft sich der Energiekonstenanteil auf wenige Prozent. «Also wird lieber bei den grossen Kostenblöcken geschraubt, etwa bei Lohn- und Kapitalkosten», weiss Jutz. Erschwerend komme hinzu, dass bestehende Anlagen - etwa stromfressende Elektromotoren älterer Generationen - längst amortisiert sind. «Weil der Industriestrom im internationalen Vergleich nach wie vor günstig ist, haben Firmen vorerst keinen Anreiz zu Investitionen in energieeffiziente Anlagen.»
EnAW-Chef Zürcher erwartet nun, dass sich ab 2008, wenn die CO2-Lenkungsabgabe erhoben wird, noch weitere Firmen melden. Dass die EnAW in naher Zukunft mehr als 50% des gesamten CO2-Ausstosses der hiesigen Wirtschaft abdecken wird, glaubt er aber nicht. Jutz ergänzt: «Das grosse Umdenken dürfte erst bei der nächsten Generation einsetzen.»

*Lernen von den Grossen*
Dabei könnten KMU von den Erfahrungswerten der Grossen profitieren: Konzerne wie Geberit, Georg Fischer, Migros und Coop nutzen die Umwelttechnologien bereits intensiv. So hat etwa der Textilmaschinenhersteller und Autozulieferer Rieter seine Ressourcennutzung optimiert und damit sowohl Heizölmenge als auch Stromverbrauch deutlich gesenkt.
Eine führende Rolle spielt auch Ems Chemie: Der Werkplatz in Domat/Ems wird mit Energie aus einem Biomassekraftwerk versorgt, das mit Holzabfällen einer nahen Sägerei gespeist wird. Damit senkt der Konzern die Energiekosten massiv. Gleichzeitig reduziert er seine Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen. Dank dieser Lösung wird das Werk in Domat/Ems seinen CO2-Ausstoss bis 2009 um 80% gesenkt haben.

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