Energie ist kostbar: Das Bewusstsein dafür nimmt zu. Während Kunden aber heute bei Autos oder auch Kühlschränken genau über die Energieeffizienz Bescheid wissen, wird beim Erwerb eines Hauses diesbezüglich immer noch die Katze im Sack gekauft. Das wird sich in absehbarer Zeit ändern ein Schritt in diese Richtung unternimmt der Gebäudeenergieausweis des SIA.

Bewusstsein wäre vorhanden

Der amerikanischen Autoindustrie geht es schlecht. Dies nicht nur wegen der Finanzkrise, sondern auch, weil sie es verschlafen hat, treibstoffeffiziente Modelle zu entwickeln. Solche sind noch nicht einmal in der Pipeline. Stattdessen sitzt man auf einem gigantischen Park von durchgehend überdimensionierten Autos, die sich allesamt durch einen enormen Benzinverbrauch auszeichnen.

Doch selbst die Amerikaner sind nun nicht mehr bereit, Autos zu finanzieren, die in rauen Mengen den immer teurer werdenden Treibstoff verbrauchen. Da hilft es auch nichts mehr, dass im Zuge der Finanzkrise und der sich abzeichnenden Rezession die Rohölpreise nachgegeben haben. Das Bewusstsein für den Energieverbrauch des eigenen Fahrzeuges und der Wille zu dessen Reduktion sind jetzt vorhanden. Wo ein angemessenes Bewusstsein aber immer noch fehlt, nicht nur in Amerika, sondern auch in der Schweiz, ist beim eigenen Haus. Das ist eigentlich erstaunlich, denn immerhin zeichnet der Gebäudebestand der Schweiz für die Hälfte des gesamten Energieverbrauchs unseres Landes. Und auch hier gibt es wahre Energiefresser. Doch seit Dezember 2008 stellt der Schweizerische Ingenieur- und Architektenverein (SIA) ein Instrument zur Verfügung, das die Situation verändern dürfte - den Energieausweis für Gebäude. Mit diesem bietet der SIA eine einheitliche Mess- oder Berechnungsmethode an zur Bestimmung des Gesamtenergieverbrauches von Häusern. Weil die Reduktion der Treibhausgase genauso wichtig ist, legt der Energieausweis des SIA auch diese mit dem Energiekonsum einhergehenden Emissionen offen.

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Die Anwendung des Energieausweises ist grundsätzlich freiwillig. Ihn für obligatorisch zu erklären, wäre Sache der Kantone. Es ist aber davon auszugehen, dass sich ein De-facto-Obligatorium für den freien Markt ergeben wird. So werden in Zukunft auch der Energieverbrauch und die CO2-Emissionen eines Hauses massgeblich darüber entscheiden, ob und vor allem zu welchem Preis ein Gebäude verkauft werden kann. Der Energieausweis für Gebäude des SIA schafft die nötige Transparenz. Umwelt-, energie- und kostenbewusste Menschen werden ihn in Zukunft verlangen. In Übereinstimmung mit den europäischen Normen kann man zur Erstellung des Energieausweises für Gebäude die jährlich benötigte Gesamtenergie und die jährlichen CO2-Emissionen eines Hauses berechnen oder messen. Das Ergebnis, ins Verhältnis zur Nutzfläche gesetzt, ergibt die Energiekennzahl des Gebäudes. Die Bestimmung des Energieverbrauchs mittels Berechnung basiert auf einer Modellierung des Gebäudes sowie standardisierten Umgebungsbedingungen und Benutzerverhalten. Die Messung ist im Vergleich dazu einfacher, das Ergebnis dafür stark vom spezifischen Benutzerverhalten und den klimatischen Gegebenheiten abhängig, was einen Vergleich schwieriger macht.

Ermittelt wird jeweils die Energie, deren es bedarf, um zum Beispiel die Raumheizung, die Warmwassererzeugung, die Lüftung, die Kühlung, die Beleuchtung und diverse weitere Gebäudetechnik zu betreiben. Auch dazu gehören diverse Einrichtungen wie beispielsweise Kühlschränke, Waschmaschinen, Unterhaltungselektronik und EDV.

Gewinn über Ersparnis hinaus

Mit dem Gebäudeenergieausweis können Häuser, was deren Energieverbrauch und CO2-Emissionen anbetrifft, miteinander verglichen werden. Auch der Vergleich mit dem technisch Machbaren ist möglich. Das Ergebnis des Energieausweises wird dazu ins Verhältnis gesetzt zu jener Energiemenge, die ein Haus benötigen würde, das den aktuellen Normen und Vorschriften und damit den aktuellen technischen Möglichkeiten entspricht.

Damit wird der Gebäudeenergieausweis des SIA zu einem marktwirksamen Instrument, das Hausbesitzern hilft, Energie und Kosten zu sparen. Darüber hinaus dürf- te mit ihm aber auch ein zusätzlicher und attraktiver Anreiz entstehen, mit dem eigenen Gebäude einen wichtigen Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit zu leisten.