Gefährliches Gas strömt auch am dritten Tag nach der Entdeckung eines Lecks an der Bohrinsel «Elgin» ungehindert ins Meer vor der schottischen Küste. Die Ursache für das Leck an der Plattform des Energiekonzerns Total ist nach wie vor unklar.

«Wir haben den Grund für den Vorfall noch nicht genau ausgemacht», sagte ein Sprecher des französischen Betreiberunternehmens Total am Mittwoch. Aus allen Konzernbereichen zusammengezogene Experten berieten derzeit darüber, wie das Problem in den Griff zu bekommen sei. In Frage komme eine Entlastungsbohrung, die aber bis zu sechs Monate dauern könne, sagte der Total-Sprecher. Auch ein sogenannter «Kill» mit einer Schlamminjektion werde in Betracht gezogen. Ein Entscheid sei aber noch nicht getroffen. Bestes Szenario sei, dass der Gasfluss von alleine versiege, hiess es. Bisher traten nach Angaben von Total rund 20 Tonnen Gas aus.

Explosion befürchtet

Noch immer wird auf der Förderplattform Erdgas abgefackelt. Angesichts der gegenwärtigen Wetterverhältnisse bestehe keine Explosionsgefahr, teilte Total mit. Dennoch würden  Pläne entwickelt, wie die Flamme gelöscht werden könnte. Ein Sprecher der Gewerkschaft RMT, welche die Ölarbeiter vertritt, sagte hingegen, es bestehe das Risiko «katastrophaler Verwüstung» - insbesondere dann, wenn sich das austretende Gas entzünden sollte.

Der Total-Sicherheitschef für Grossbritannien, David Hainsworth, räumte ein, dass eine Explosion nicht auszuschliessen sei. «Wir haben eine Anzahl von Risiken ausgeschaltet, aber es ist gibt immer noch eine Möglichkeit. Sie ist gering, aber man sollte niemals 'nie' sagen», sagte Hainsworth der BBC.

Ein Total-Sprecher beschrieb die Lage als ernst, aber stabil. Die ersten Hinweise deuteten darauf hin, dass es «momentan keine signifikanten Beeinträchtigungen der Umwelt» gebe. «Die absolute Priorität liegt heute darauf, das Gasleck zu schliessen und die Umweltschäden zu begrenzen», sagte der Sprecher dem Radiosender France-Info. An der Wasseroberfläche breitete sich bereits ein dünner Film kondensierten Gases aus.

Umweltminister fordert Transparenz

Das Leck an der Gasplattform 240 Kilometer östlich der Stadt Aberdeen war am Sonntag bemerkt worden. Umgehend brachte Total die 238 Arbeiter in Sicherheit. Tags darauf räumte auch der Shell-Konzern zwei benachbarte Plattformen. Die Küstenwache errichtete eine Sperrzone von drei Meilen rund um die Bohrinsel für Flugzeuge und von zwei Meilen für Schiffe. Nach Angaben von Total handelt es sich um den schwersten Zwischenfall in der Nordsee für den französischen Energiekonzern seit einem Jahrzehnt.

Der schottische Umweltminister Richard Lochhead kritisierte die Informationspolitik von Total: «Es handelt sich um eine sehr ernste Situation und wir können natürlich nicht vor Ort nachschauen, was los ist.» Der französische Energiekonzern müsse daher «absolut transparent» informieren. Die Umweltorganisation Greenpeace schickte ein Flugzeug mit zwei Kameraleuten und einem Experten an Bord in die Region, um sich selbst ein Bild von der Lage zu machen. Die Flugverbotszone werde Greenpeace nicht verletzen, sagte ein Greenpeace-Sprecher.

(muv/sda)

Anzeige