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Energiemarkt: Vetterli stehen Erfolge im Weg

Der hohe Ölpreis freut Kompogas. Die Firma gewinnt aus Küchenabfall Energie. Noch hat sie bei risikoscheuen Gemeinden aber schlechte Karten.

Von gabriela weiss
am 04.05.2005

Walter Schmid hat viele Gegner. Sie sitzen rechts und links im Parlament. Und sie sitzen auch in vielen Gemeindeverwaltungen. Schmid ist Gründer der Firma Kompogas, die Grünabfall vergärt und Energie herstellt. Gegenwind kommt von rechts, weil Schmid fordert, dass im Rahmen des Stromversorgungsgesetzes -­ es kommt in der Sommersession 2005 ins Parlament -­ erneuerbare Energien gefördert werden, am liebsten über die kostendeckende Einspeisevergütung. Wind bläst ihm von links ins Gesicht, weil er mit seinem Biogas die Autoindustrie in saubererem Licht verherrliche, wie die Grünen sagen. Und manche Gemeinde legt ihm Steine in den Weg, weil sie ihren Grünabfall lieber kompostiert oder gar nicht erst sammelt. Schmids Kompogas AG wandelt Grünabfälle in Strom, Wärme, Biogas und Flüssigdünger um. Vergären nennt man das Verfahren.

Seine Art, Abfälle zu vergären, ist so gut, dass auch immer mehr Kunden im Ausland eine Anlage von Kompogas bauen wollen. Bereits heute streuen sich Kompogas-Anlagen von Deutschland über Martinique bis Japan. Bei Kompogas ist mittlerweile eine Person angestellt, die sich nur um Lizenzen kümmert. Die Firma ist nach eigenen Angaben Weltmarktführerin. «Wir haben keine Konkurrenz, die mit gleichwertiger Qualität Grünabfall vergärt», sagt Schmid. Das Potenzial sei noch lange nicht ausgeschöpft: «Vor allem in südlichen Ländern sehe ich noch enorme Möglichkeiten, dort beträgt der organische Anteil am Müll 60%.» Um aber mehr Anlagen im Ausland bauen zu können, brauche es auch mehr Kompogas-Reaktoren in der Schweiz. Das tönt paradox. Schmids Erklärung: «Wir müssten pro Jahr drei bis vier Anlagen bauen können, damit wir die Leute ausbilden können.» Keine Anlage sei gleich, und es brauche Erfahrung. Die Angestellten müssen mindestens eineinhalb Jahre auf einer Anlage gearbeitet haben, bevor Schmid sie ins Ausland schickt. «Ich könnte fünf bis zehn Mann pro Jahr ins Ausland schicken, um Anlagen zu bauen», sagt Schmid. Dazu fehlt ihm aber der nötige Rohstoff, der Grünabfall. Schmid: «Ich baue keine Anlage, bevor ich nicht sicher weiss, dass sie zu mindestens 50% ausgelastet ist.»

Gemeinden wagen wenig

Zwar liefern die beiden Unternehmen Migros und McDonald's ihren Grünabfall bei Kompogas ab und haben biogasbetriebene Lastwagen in der Fahrzeugflotte, bei der öffentlichen Hand hat Kompogas weniger Glück. Wenn Gemeinden die Entsorgung von Abfall ausschreiben, macht Kompogas oftmals Zweiter, denn: Kompostieren ist mit 80 bis 100 Fr. pro t etwas günstiger als vergären ­- Schmid verlangt 100 bis 150 Fr. pro t. Am günstigsten ist gar nichts machen, wie dies die Stadt Zürich tut, die sich Energiestadt nennt. «Bei der Vergabe stelle ich oft Vetterliwirtschaft fest. Und die Gemeinden schauen kurzfristig nur aufs Portemonnaie. Der Energiegewinn wird ignoriert», sagt Schmid. Was Bund und Kantone wollen ­ nämlich erneuerbare Energien fördern ­ sei etwas anderes als das, was Gemeinden und Städte tatsächlich tun.

Auch Hans-Christian Angele von der Informationsstelle Biomasse Energie des Programms Energie Schweiz macht die Erfahrung: «Wir müssen die Gemeinden überzeugen, das ist harte Arbeit. Die meisten machen nicht gern Neues und sagen sich: Hauptsache es läuft.» Würden in der Schweiz alle Grünabfälle vergärt, könnte so viel Biogas hergestellt werden, dass 10% der Autos auf Schweizer Strassen damit fahren könnten. Dafür bräuchte es 50 Anlagen. Bisher schlucken gerade mal 2000 Personenwagen Bio- oder Erdgas. Nun will Energie Schweiz eine Informationsoffensive starten, um die Gemeinden von den Vorteilen der Vergärung zu überzeugen, wie Angele sagt. Denn die Vergangenheit zeigt: Je mehr Erfahrung man mit einer Technologie macht, desto billiger wird diese auch. Vor acht Jahren brauchte Schmid noch 165 Fr. pro t Grünabfall.

Immerhin: Neben den Gegnern hat der Kompogas-Chef seit einiger Zeit auch einen Freund, den Ölpreis. Schmid: «Wenn Energie teuer wird, dann freut mich das.»

Kompogas

Grünabfall von 80000 wird vergärt: Alles begann 1989 mit einer Explosion auf dem Balkon von Bauunternehmer und Kompogas-Erfinder Walter Schmid. 1992 wurde in Rümlang ZH die erste Anlage offiziell in Betrieb genommen, dank finanzieller Unterstützung von Bund und Kanton Zürich. Die Firma Kompogas gehört zur Bau- und Generalunternehmung W. Schmid AG. Diese macht über 100 Mio Fr. Umsatz im Jahr, davon fallen 30 bis 50 Mio Fr. auf Kompogas. Schmid hat über die Jahre insgesamt 10 bis 15 Mio Fr. investiert. «Heute verdienen wir Geld», sagt Schmid. Die Firma ist auf 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angewachsen, darunter Maschineningenieure und Techniker. Bis heute hat er in der Schweiz acht Anlagen gebaut, mehrheitlich im Kanton Zürich und benachbarten Kantonen. Acht weitere Anlagen sind in der Projektphase, ebenfalls im Mittelland. Der Vergärteil einer Anlage, die pro Jahr den Grünabfall von einer Stadt mit 10000 Einwohnern vergären kann (10000 t), kostet 4 Mio Fr. Weitere Kosten kommen hinzu, wenn Baugesuche eingereicht oder Anfahrtswege gepflastert werden müssen.

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