Die Firma Stihl & Co., Wil, wurde vor 30 Jahren als Tochtergesellschaft des führenden Kettensägenherstellers Andreas Stihl AG & Co. KG, Waiblingen, zur Produktion von Sägeketten gegründet. Waren anfangs nur einige wenige Leute beschäftigt, wuchs das Werk auf über 600 Mitarbeiter, die heute auch Messer für Heckenscheren herstellen. Der Maschinenpark wurde stetig erweitert. Alle produktspezifischen Maschinen ­ also nicht solche etwa für Verpackung ­ wurden von Stihl weitgehend selber entwickelt. Das grosse Know-how, das in diesen Prozessen steckt, rückt den Sicherheitsgedanken in den Vordergrund. Die hohen Investitionen, aber auch das Ziel, Kunden jederzeit beliefern zu können, erfordern eine hohe Betriebssicherheit der Produk-tion.

Erdgas bereits im Haus

Der Ausbau der Produktion erforderte 2004 die Errichtung einer zweiten Produktionshalle. Damit stellte sich die Frage der Energieversorgung. Eine Reihe von Produktionsprozessen wie Stanzen, Laserschneiden von Heckenscherenmessern, Laserbeschriften von Schneidezähnen und deren Schleifen sowie das induktive Härten der Nietbolzen brauchen nämlich nebst Strom auch Kälte. Bisher war diese mit elektrischen Kältekompressoren erzeugt worden; der Strom dafür kam vom Netz.

Den Ausbau betrachteten nun die Ingenieure der Wilhelm Schetter GmbH, Kernen bei Stuttgart, als Chance, eine redundante Energieversorgung aufzubauen ­ mit Erdgas als zweitem Energieträger. Ein Stromunterbruch würde nämlich hohe Folgekosten an einigen Produktionsanlagen verursachen.

Erdgas war bisher schon für die Heizzentrale von Stihl im Einsatz, ebenso wie für die Härteöfen mit Rekuperatorbrennern, die in ei-ner Stickstoff/Propangas-Schutzgasatmosphäre die Teile für die Sägeketten bei 950¡C härten.

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Neues Gasmotor-BHKW

Im Keller der neuen Halle wurden nun zwei Blockheizkraftwerke (BHKW) installiert ­ eines mit 8 Zylinder-Gasmotor und 280 kWe/368 kWth und eines mit 12-Zylinder-Gasmotor und 469 kWe/615 kWth. Diese Leistungsaufteilung gestattet ein sauberes Abfahren der Lasten in Kaskadenschaltung, wobei je nach Last das kleinere BHKW zu- oder weggeregelt wird.

Die erzeugte 95¡C-Wärme wird zwei 8000 Liter-Wärmespeichern zugeführt. Abnehmer sind die Gebäudeheizung und ein Absorber mit 700 kW Kälteleistung, der seinerseits zwei 8000-l-Kältespeicher mit 6¡C-Wasser bedient. Dank diesen grossen Speichervolumen werden die beiden Aggregate rund 7700 h/a in Betrieb sein. Sie sind zudem für Notstrombetrieb ausgerüstet; entsprechende Notkühlanlagen sind auf dem Dach eingerichtet.

Das BHKW deckt rund 62% des Jahres-Wärmebedarfs der Firma. Entsprechend weniger Arbeit hat die bisherige Heizzentrale ­ zwei 1120-kW-Kessel mit modulierenden Gas-Gebläsebrennern. Der vom BHKW erzeugte Strom wird vollumfänglich bei Stihl selbst verbraucht; er entlastet den Strombezug von den Technischen Betrieben Wil um rund 22% und erhöht dafür den Erdgasbezug.

Im Prinzip arbeiten die BHKW wärmegeführt. Da sie aber mit ihrer Wärme über den Absorber weitgehend Prozesskälte erzeugen, ist im Normalfall eigentlich der Kältebedarf die wichtigste Führungsgrösse. Der bisherige 700-kW-Kältekompressor bleibt für Spitzendeckung wie auch für den Fall eines Betriebsunterbruchs beim neuen System in Betrieb ­ damit ist dem Sicherheitsgedanken vollumfänglich entsprochen.

Ökologische Überlegungen

Weil Stihl ein Weltkonzern ist, werden auch Umweltaspekte im entsprechenden Massstab betrachtet. Der grösste Teil des europäischen Stroms (UCTE) wird in thermischen Kraftwerken mit weniger als 40% Wirkungsgrad erzeugt. Durch den Gesamtwirkungsgrad des BHKW von ca. 90% ergibt sich eine erhebliche Verbesserung der Energieausnutzung. Zu diesem hohen Gesamtwirkungsgrad trägt übrigens die gute Auslastung durch den Wärmebezug des Absorbers bei, der mit dem umweltschonenden Kältemittel Lithiumbromid (gesättigte Salzlösung) arbeitet. Schetter hat eine Reduktion der CO2-Emissionen von 1620 t/Jahr errechnet. Wie es in der Pressemitteilung heisst, rechnet Stihl damit, dass diese Umweltentlastung im Rahmen des europäischen Emissions-Zertifikate-Handels zum Schutze des Klimas auch eine wirtschaftliche Vergütung bedeutet.

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