Nach einem Verhandlungsmarathon über eineinhalb Jahre haben der private Versorger Suez und der staatliche Konzern Gaz de France (GdF) am vergangenen Montag ihre Fusion bekannt gegeben. Der neue Konzern GDF Suez hat einen Börsenwert von 90 Mrd Euro und einen Umsatz von 72 Mrd Euro. Damit sei man weltweit die Nummer drei, hiess es in der Erklärung der beiden Unternehmen. Der Abschluss der Transaktion solle Anfang 2008 erfolgen.

GDF Suez wird der weltweit drittgrösste Strom- und Gasversorger nach Electricité de France (EdF) und dem deutschen E.on-Konzern. Der neue Riese entsteht auf Druck des Staates hin. Der französische Präsident Nicolas Sarkozy hatte sich nach langem Zögern schliesslich für den Zusammenschluss stark gemacht und in den vergangenen Tagen als Vermittler fungiert.

Die Regierung in Paris schafft damit neben dem Stromgiganten EdF einen zweiten nationalen Champion im Energiesektor. Der Staat bleibt mit 35% Anteil Hauptaktionär von GDF Suez. Ziel Sarkozys ist es, den nationalen Energiemarkt zu sichern und vor ausländischen Übernahmen zu schützen.


Monatelanger Machtkampf

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Der Fusion war ein monatelanger Machtkampf vorausgegangen. Zuletzt einigten sich die französische Regierung und Suez-Chef Gérard Mestrallet Presseberichten zufolge jedoch auf eine Kompromisslösung und erreichten den Durchbruch bei den Verhandlungen. Ex-Premierminister Dominique de Villepin hatte den Zusammenschluss im Februar 2006 eingefädelt, um Suez so vor einer drohenden feindlichen Übernahme durch Enel aus Italien zu schützen. Doch danach war das bei Gewerkschaften und Sozialisten umstrittene Projekt ins Stocken geraten.

Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy hatte sich ebenfalls gegen die Vollfusion von Suez und GdF gestellt, da der Staatsanteil an dem Gaskonzern dadurch von momentan 80% unter die von ihm einst als Wirtschaftsminister versprochene Schwelle fallen würde. Deshalb hatte er Suez aufgefordert, sich von seiner Wasser- und Abfallsparte im Wert von 15 bis 20 Mrd Euro zu trennen. Dadurch würde eine Fusion unter Gleichen möglich, da der Wert der von Suez eingebrachten Aktiven sinken würde. Suez war an der Börse zuletzt 54 Mrd Euro wert, GdF nur 36 Mrd Euro.


Gewerkschaften wehren sich

Der französische Staat hält nach Angaben aus Gewerkschaftskreisen weitere 6% indirekt über die staatliche Bank Caisse des Dépots sowie über den Atomkonzern Areva an GDF-Suez. Das neue Unternehmen wird zum grössten Flüssiggasanbieter der Welt, zum grössten Erdgaskonzern der EU und zudem ein führender Stromanbieter innerhalb Europas.

Suez-Chef Gérard Mestrallet, der auch die fusionierte Gruppe leiten soll, konnte sich offenbar bei den Verhandlungen mit dem französischen Staat zumindest teilweise durchsetzen und den kompletten Verkauf der Umweltsparte verhindern. Die französischen Gewerkschaften kündigten bereits ihren Widerstand gegen die Fusion der beiden Versorger an. Sie weigerten sich, an einer einberufenen Betriebsratsversammlung teilzunehmen.