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Perspektiven 2035
Energiewende im Gegenwind

Kanzel des CKW-Windkraftwerks Lutersarni

Diese werden von Exponenten der Energieträger Erdgas, Sonne, Wasser und Wind kritisiert. Es werde zum Teil mit unrealistischen Zahlen operiert – und damit die Energiewende gefährdet.

Von Oskar E. Aeberli
am 23.10.2013

Die von Bundesrätin Doris Leuthard lancierten Energieperspektiven 2035 geraten vermehrt in Opposition. Nach Meinung verschiedenster Branchenexponenten zu Recht, denn das zuständige Bun­desamt (BFE) rechnet in seinen Szenarien bei mehreren Energieträgern mit un­realistischen oder zumindest fragwürdigen Zahlen und gefährdet damit zugleich den für 2035 proklamierten Ausstieg aus der Kernenergie. Von Bundesseite gilt es deshalb dafür zu sorgen, dass die Produktionsanlagen für erneuerbaren Strom effektiv gezielt geplant und auch realisiert werden können. Andernfalls wird die Energiestrategie 2050 kaum zu realisieren sein. Und dies, obwohl inzwischen selbst die Strombranche den geplanten Atomausstieg – wie die VSE-Studie zeigt – für realisierbar hält.

Neben den vom BFE falsch eingeschätzten Potenzialen für Geothermie- und Wärmekraftkopplungs-Anlagen (WKK) sowie für Wasser- und Windkraftwerke gerät auch die Förderpolitik des Bundes für neue Solaranlagen ­zunehmend in Kritik. So moniert etwa ­Michael Frank vom Verband Schweizer Elektrizitätswerke (VSE) die falsch gesetzten Anreize: «Zurzeit werden ins­besondere in grosser Zahl kleine Photovoltaikanlagen realisiert. Gleichzeitig werden aber Investitionen in Wind und Wasser erheblich vernachlässigt oder im benachbarten Ausland realisiert. Dies, weil der Widerstand aus der Bevölkerung vielfach zu Blockaden führt.» In Analogie zur übertriebenen staatlichen Förderung der Photovoltaik- und Windenergie in Deutschland fordert der VSE eine Neugestaltung der Kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV).

Um den anvisierten Ausstieg aus der Atomenergie zeitgerecht und adäquat realisieren können, bedarf es eines langfristigen Investitionsplans für neue Anlagen zur Produktion von erneuer­barem Strom. Dies für Geothermie-, ­Solar-, Wasserkraft- und Windkraftwerke sowie auch für WKK- und Biomasse­anlagen. Dabei ist die Investitions­sicherheit für die Investoren und Betreiber künftiger Produktionsstätten von entscheidender Bedeutung. Just auch in diesem Bereich ist der Bund in besonderem Masse gefordert. Die Zeit des Verfassens neuer Studien und revi­dierter Szenarien ist definitiv vorbei. Vielmehr gilt es jetzt, die verabschie­dete Energiestrategie produktionsseitig aufzugleisen und fokussiert von der Theorie in die Tat umzusetzen.

Ein hoher Stellenwert bezüglich der Energiewende kommt in naher Zukunft dem Stromabkommen zwischen der Schweiz und der EU zu. Dabei wird es sich schon bald zeigen, wie gut Energieministerin Leuthard in Brüssel verhandelt hat (siehe Seite 59).

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