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Ökostrom
Energiewende ist gefährdet

Flusskraftwerk Rheinau

Der Konsum von Strom aus erneuerbaren Energien muss zwingend in die Energiestrategie 2050 des Bundes einfliessen. Denn die Freiwilligkeit wird langfristig nicht genügen.

Von Oskar E. Aeberli
am 05.06.2013

Der Weg zu einer Energieversorgung der Schweiz ohne Atomstrom wird lang, ­anspruchsvoll und beschwerlich sein. Es geht auch darum, dass die freiwilligen Leistungen, welche die Kunden im Sinne der Energiestrategie 2050 erbringen, wahrgenommen werden und in die künftige Strategie einfliessen. Denn bereits heute werden 12 Prozent des gesamten Stromverbrauchs in der Schweiz in Form von Produkten aus erneuerbaren Ener­gien konsumiert. Dies alles bisher auf der Basis der Freiwilligkeit. Dafür stehen alle jene Unternehmen und Haushalte, die aus eigenem Antrieb mehr für bezogenen Ökostrom bezahlen.

Mit der Freiwilligkeit allein wird aber in der Zukunft kein Staat zu machen und kaum das notwendige Wachstum beim Konsum von Ökostrom zu erreichen sein. Vielmehr muss das Angebot künftig von allen Stromkonsumenten vermehrt wahrgenommen und in die Energiestrategie 2050 einbezogen werden. Aus dieser Optik wäre es wünschenswert, wenn der Bund bzw. das zuständige Bundesamt für Energie (BFE) die Haushalte und Unternehmen dazu auffordern würde, vermehrt erneuerbaren Strom zu kaufen. Die Elek­tri­zitätswerke der Stadt Zürich (EWZ) zeigen mit ihrer konsequenten Politik zur nachhaltigen Stromerzeugung diesbezüglich den gangbaren Weg auf.

«Um in Zukunft weitere Grossverbraucher für eine verpflichtende Zielvereinbarung zu gewinnen, wäre der Ausbau solcher Modelle in der Energiestrategie 2035 zu überlegen und vom Bund zu unterstützen», ist Kolja Leiser, Leiter Corporate Responsibility bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB), überzeugt. «Es ist wichtig, dass der Bund ­einen guten Rahmen für die Entwicklung von nachhaltigen Lösungen beim Bezug von Ökostrom vorgibt», meint auch Vinzent Eckert, Umweltverantwortlicher von SwissRe (siehe Seite 53).

Aber auch Anreize wie die Kosten­deckende Einspeisevergütung (KEV), ein Instrument des Bundes, welches zur Förderung der Stromproduktion aus ­erneuerbaren Energien dient, könnten nach Meinung vieler Fachexperten den Konsum von Ökostrom nachhaltig fördern. «Finanzierungsanreize wie beispielsweise die KEV helfen Unternehmen wie der Post, den Zubau von Anlagen zur Erzeugung von erneuerbaren Energien zu unterstützen. Wünschenswert sind überdies mehr Transparenz und die Kostenwahrheit für sämtliche Strompreise», fordert Anna Wolf, Leiterin Nachhaltigkeit bei der Post.

Fazit: Soll die Energiewende bis 2050 effektiv realisiert werden, müssen dazu die Weichen bei der Erzeugung und beim Konsum von Ökostrom beim Bund, bei den Kantonen und in Unternehmen möglichst rasch gestellt werden.

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