Da glaubt man nun, dass die globale wirtschaftliche Entwicklung eine Faszination auf Business-Leute auslösen würde, die unbedingt Mandarin, Japanisch, Hindi oder Arabisch lernen möchten. Doch nichts von alledem. Aufenthalte in englischsprachigen Zielgebieten bilden weiter den Löwenanteil.

«In China, Japan oder Indien ist die Geschäftssprache ohnehin Englisch, daher werden deren Sprachen nicht nachgefragt», erklärt Mark Winkler, Präsident der Swiss Association of Language Travel Agents (Salta) sowie CEO der Media Touristik, zu der unter anderem Globo-Study gehört. Er geht davon aus, dass sie auch in Zukunft nicht gelernt werden.

Max Wey, Geschäftsführer von Boa-Lingua, macht die Erfahrung, dass bei diesen Ländern weniger die Sprachaneignung als die Sensibilisierung für kulturelle Unterschiede im Vordergrund steht. Hier wäre ein Training im Ausland der richtige Entscheid. Trotzdem haben dieser Sprachreisenanbieter und andere Spezialisten China im Angebot; jedoch vielfach als Privatunterricht. Beispielsweise Pro Linguis offeriert auch Business-Sprachkurse, etwa mit dem Mandarin House in Schanghai.

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Italienisch und Russisch lassen nach

Bei Business-Kursen nach wie vor die Nummer eins ist Englisch: «Etwa 70 Prozent finden in englischsprachigen Ländern statt», sagt Wey. Danach folgen laut Winkler Französisch in französischsprachigen Orten, Italienisch und Spanisch. Dagegen lässt bei einigen Schulen nach Auskunft von Duri Bardola, Geschäftsführer von Dr. Steinfels Sprachreisen, das Interesse an Italienisch und Russisch etwas nach.

Französisch behauptet sich weiterhin, nicht zuletzt, weil die Sprachinstitute in Frankreich über einen sehr hohen Qualitätsstandard verfügen, so Boa-Lingua-Geschäftsführer Wey. Kein Wunder, lassen klingende Destinationen wie Nizza, Villefranche-sur-Mer oder Moustiers-Sainte-Marie viele Herzen höher schlagen. Jüngere Teilnehmer leisten sich gerne einen längeren Sprachaufenthalt - wobei drei Monate keine Seltenheit sind, beispielsweise nach dem Militärdienst oder vor Antritt eines neuen Jobs. Bei Berufstätigen reicht die Zeit nur für zwei bis vier Wochen, manche Business-Leute müssen sich sogar mit nur einer Woche begnügen. «Es kommt vor, dass Manager Business-Sprachkurse in den Ferien machen und ihr Unternehmen hat davon keine Ahnung. Quasi um nicht einzugestehen, dass man hier ein Manko hat und es heimlich verbessern will», schmunzelt Winkler.

Geschäftliche Trainings nehmen zu

Nach Auskunft des Salta-Präsidenten hat die Bedeutung von Business-Sprachkursen definitiv zugenommen. Kein Wunder, denn das Geschäft wird immer globaler, und Kenntnisse sind auf allen Managementstufen unumgänglich. Der gleichen Ansicht ist Bardola, der bei Dr. Steinfels Sprachreisen ebenfalls eine steigende Nachfrage für geschäftliche Trainings in Englisch feststellt. Schliesslich mache das Hauptreiseziel England die Zustimmung leicht - schnelle Fortschritte innerhalb kürzester Zeit, der Bezug zur Geschäftswelt oder einzelnen Branchen sowie kleine homogene Gruppen. Bei den Business-Kursen sind seitens der Manager Diplome nicht gefragt, das wird rundum bestätigt. Dagegen schätzen jüngere Seminarteilnehmer noch immer das Cambridge Certificate, weil nach ihrer Meinung viele Firmen diesen Abschluss sehr begrüssen.

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Bei der Übernahme der Kosten halten sich Private und Unternehmen in etwa die Waage. Die Vereinigung Salta schätzt, dass 30 Prozent der privaten Kunden ihre Business-Sprachkurse selber bezahlen. Bei Dr. Steinfels Sprachreisen macht man die Erfahrung, dass in Zeiten des Arbeitskräftemangels Firmen eher bereit sind, Sprachaufenthalte zu finanzieren. «Herrscht Rezession, können die Unternehmen aus vielen Bewerbungen den Mitarbeiter auslesen, der die Fremdsprachen bereits spricht», sagt Geschäftsführer Bardola.