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Elektro-Lastwagen
Entscheidend ist der Einsatz

Ducato von Fiat. Bild: zvg

In der Schweiz sind mehrere elektrisch angetriebene mittelschwere Lastwagen unterwegs. Die Erfahrungen sind durchwegs positiv.

Von Kurt Bahnmüller
am 08.10.2014

Taugen E-Nutzfahrzeuge als Alternative im Bestreben, den Treibstoffverbrauch und damit den CO₂-Ausstoss weiter zu reduzieren? Die Skepsis war anfänglich recht gross. Was soll ein 10- oder gar ein 18-Tönner, basierend auf dem Energieträger Strom? Heute ist klar – für gezielte Einsätze ist der Lastwagen mit E-Antrieb durchaus eine – vor allem ökologisch – sinnvolle Ergänzung eines Fuhrparks.

Zudem wissen die Spediteure: Im Transporterbereich, also bei den leichten Nutzfahrzeugen, ist das aktuelle Angebot an strombetriebenen Fahrzeugen bereits recht breit. Vor allem dort, wo genügend Ladestationen zur Verfügung stehen. Die schweren Fahrzeuge ab etwa 10 Tonnen Gesamtgewicht hingegen taten sich bisher eher schwer punkto zukunftsgerichtete Antriebsform.

Doch die Zeiten ändern sich, der Fortschritt lässt sich nicht bremsen. Auf der Basis eines Iveco Stralis entwickelte das Schweizer Unternehmen E-Force, Fehraltorf, einen rein elektrisch angetriebenen 18-Tönner. Fahrzeuge dieser Bauart stehen mittlerweile bei Coop, bei Feldschlösschen und bei Planzer Transport im täglichen Einsatz.

Seine Stärken liegen im Nahverkehr

Die bisher gemachten Erfahrungen zeigen, dass es absolut möglich ist, einen schweren Lastwagen mit einem Elektroantrieb auszurüsten und zu betreiben. Ideal ist sein Einsatz vor allem in Ballungszentren oder in Innenstädten, emittiert der Strom-Lastwagen doch keinerlei Emissionen und ist zudem äusserst leise unterwegs. Alle drei Betreiber sind der Ansicht, dass ihr Elektrolastwagen absolut praxistauglich ist. Allerdings muss er richtig eingesetzt werden. Konkret heisst das: Die täglichen Touren dürfen eine Reichweite von etwa 300 bis maximal 500 Kilometern nicht überschreiten. Nach einer Eintagestour muss der Truck zudem über Nacht wieder aufgeladen werden.

Anschaffungspreis grösstes Handicap

Ein weiteres Handicap bremst die Popularisierung der E-Lastwagen: Ihr Anschaffungspreis ist im Vergleich zu Fahrzeugen mit Dieselmotor sehr hoch. Noch konkreter: Elektrisch angetriebene mittelgrosse Lastwagen kosten praktisch das Doppelte. Allerdings muss bei diesem Vergleich berücksichtigt werden, dass die Wartungskosten des E-Trucks etwa ein Drittel geringer ausfallen als jene des Selbstzünders. Zudem entfällt die Leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe (LSVA). Bei Coop gehen die Verantwortlichen für die Einsätze der Transportflotte davon aus, dass ein E-Truck, der 50 000 Kilometer im Jahr zurücklegt, nach rund sechs Jahren wirtschaftlicher wird als ein Dieselfahrzeug.

Eine echte Alternative, aber ...

Der Elektroantrieb hat bei entsprechenden Einsatzbedingungen durchaus Chancen im Bestreben, die Emissionen im Güterverkehr zusätzlich zu reduzieren. Daneben werden aber auch andere Energieträger wie etwa Flüssiggas (LPG) oder Erdgas (CNG) sowie Biodiesel eine wichtige Rolle spielen. Trotz allen Bestrebungen zeichnet sich ab, dass die zusätzlichen Antriebsarten trotz ihren Weiterentwicklungen in überblickbarer Zukunft ein Nischendasein fristen werden. Der heutige moderne Dieselmotor wird auch in den kommenden Jahrzehnten beim Nutzfahrzeug als Antrieb erste Wahl bleiben. Mit der modernen Motorentechnologie ist der Truck das reale Ein-Liter-Auto – dies bezogen auf die transportierte Tonne.

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