Die rückläufige Konjunkturentwicklung weltweit hat auch im Halbjahresabschluss der Interroll Holding ihre deutlichen Spuren hinterlassen. Welche Bilanz ziehen Sie nach den ersten sechs Monaten 2009?

Paul Zumbühl: Die globale Rezession hat auch uns getroffen. Wir haben jedoch bereits im letzten Quartal 2008 unsere operativen Kosten dem veränderten Szenario angepasst. Positiv zu werten ist sicher auch die Tatsache, dass wir die Bruttomarge sogar noch ein wenig steigern konnten. Das bedeutet auch, dass wir unsere Produkte nicht über den Preis verkaufen mussten, sondern aufgrund deren Qualität und Konkurrenzvorteile. Ebenso ist es uns gelungen, Marktanteile, sowie neue Kunden dazuzugewinnen. Nicht zuletzt verfügen wir über ein ausserordentlich gesundes finanzielles Fundament, auf dessen Basis wir trotz Rezession strategisch wichtige Ziele konsequent weiterverfolgen können.

Stichwort Preisdruck: Hat dieser in den vergangenen sechs Monaten weiter zugenommen?

Zumbühl: Wir waren auch zu Preiskonzessionen gezwungen, allein schon aufgrund der teils massiv tieferen Rohstoffpreise. Darüber hinaus mussten wir keine ins Gewicht fallenden Preissenkungen gewähren. Viele unserer Produkte weisen einen hohen Return on Investment (ROI) von rund zwei Jahren auf - und dies ist entscheidend. Der Kunde kann auf unsere leistungsfähigen Produkte setzen, die dazu beitragen, seine Kosten weiter zu senken und im wirtschaftlich unsicheren Umfeld eine schnelle Kapitalrückflusszeit gewährleisten.

Anzeige

Im Halbjahresbericht ist mehrmals die Rede von verschobenen beziehungsweise zurückgestellten Projekten. Wann glauben Sie, dürften diese freigegeben und realisiert werden?

Zumbühl: Rund die Hälfte unseres Auftragsbestandes entfällt auf diese Projekte. Wann diese jedoch spruchreif sein werden, ist derzeit kaum exakt zu beantworten. Wir stellen aber fest, dass beispielsweise im Sorterbereich und bei den Fliesslagern eine Zunahme der Anfragen aus dem Mittleren Osten und den USA stattfindet.

Der Interroll Crossbelt Sorter stösst derzeit trotz allem auf eine starke Nachfrage ?

Zumbühl: Darauf sind wir besonders stolz. Vor kurzem erhielten wir von einem marktführenden US-Kurierunternehmen die Spezifikation unseres Crossbelt Sorters, die zu einem ersten Auftrag geführt hat. Dies trägt zu einer weiteren Marktdurchdringung dieses Produktes bei.

Wagen Sie eine Prognose für das ganze Jahr 2009?

Zumbühl: Dazu ist der Nebel noch etwas zu dicht. Wir konzentrieren uns in den kommenden Monaten auf drei Schwerpunkte. Zum einen den Ausbau unserer Marktanteile und unserer geografischen Präsenz weltweit. Sodann die Einführung des neuen gruppenweiten ERP-Systems und schliesslich - ganz wichtig - die konsequente Weiterentwicklung unserer innovativen Produkte. Einzelheiten zur Produktentwicklung werden wir an einem weltweiten Kunden-Symposium im September dieses Jahres bekanntgeben.

Wo ist mit neuen Produkten zu rechnen?

Zumbühl: Im 1. Halbjahr 2009 haben wir insbesondere im Bereich Interroll Drives & Rollers die Entwicklung neuer fördertechnischer Antriebskonzepte der Produktgruppen Trommelmotoren und RollerDrives, das heisst Antriebsförderrollen, vorangetrieben. Bei allen diesen Produkten stehen die äusserst kurze Amortisationszeit und der sehr geringe Energieverbrauch unserer Lösung im Mittelpunkt.

Wichtig ist aber auch die Flexibilität der Förder- und Lagersysteme ?

Zumbühl: ? absolut, heute werden kaum mehr riesige komplexe Lager gebaut. Gefragt sind angesichts der stetig steigenden Angebotsvielfalt Umschlagseinrichtungen, welche kurzfristig neuen Anforderungen angepasst werden können und die eine kurze Amortisationszeit aufweisen.

Interroll optimiert ständig die Leistungsfähigkeit ihrer Schlüsselprodukte für die Fördertechnik, Logistik und die Automation. Stösst man da nicht an Grenzen der weiteren Optimierung?

Zumbühl: Keineswegs, lassen sie mich das an einem Beispiel erläutern: Wir entwickeln derzeit einen Synchron-Trommelmotor. Mit diesem Produkt lassen sich Applikationen abdecken, für die es früher mehrere verschiedene fördertechnische Komponenten brauchte. Für den Kunden bedeutet dies eine deutliche Verringerung der Komplexität von Lager- und Förderanlagen. Wenn man mit einem Produkt fünf verschiedene Applikationen abdecken kann und nicht mehr fünf verschiedene Komponenten vorhalten muss, wirkt sich dies positiv aus auf die Montagekosten, den Unterhalt und nicht zuletzt auf die Energiekosten.

In den vergangenen Jahren hat die Interroll ihr Produktportfolio durch Akquisitionen gezielt ausgebaut. Sind derzeit weitere Akquisitionen geplant?

Zumbühl: Wir verfolgen das Ziel, der weltweit führende Anbieter von Schlüsselprodukten für die Fördertechnik und die Automation zu sein. Unsere Erzeugnisse sind das Herz leistungsfähiger Logistikeinrichtungen. Auf diesem Weg sehen wir noch immer interessante Möglichkeiten in der Weiterentwicklung unserer Erzeugnisse. Sollten sich jederzeit Möglichkeiten ergeben, unser Produktportfolio zu ergänzen, ziehen wir auch Akquisitionen in Betracht. Im Moment jedoch bestehen keine solchen Absichten.

In welchen Märkten wurde in jüngster Zeit die Präsenz weiter ausgebaut?

Zumbühl: Anfang Jahr gründeten wir mit einem Lizenzpartner einen Produktionsstandort zur Belieferung des indischen Marktes für Materialfluss-Systeme. Auch in Brasilien bauen wir unsere Präsenz mit einer eigenen Tochtergesellschaft weiter aus.