MU-SOFTWARE-ANBIETER. Auch wenn sich die schlagzeilenträchtigen Firmenübernahmen wie Oracle mit PeopleSoft, Siebel oder Hyperion oder SAP mit Business Objects vor allem im Bereich der Software für Grossfirmen abgespielt haben – auch im Bereich der MU-Software gab es Konsolidierungsschritte.

Zweischneidiges Schwert

Ein paar Beispiele: SAP blieb mit den nur von Brancheninsidern registrierten Käufen von TopManage und Khimetrics vergleichsweise zurückhaltend, Oracle kaufte Retek, Profil Logic, Portal Software und G-Log sowie einen Anteil von i-Flex hinzu, Sage akquirierte unter anderem Tetra, Peachtree, Best, Interact, Timberline, Accpac, Adonix sowie die schweizerischen Hersteller Simultan und Pro-Concept, Infor kaufte Mapics, Frontstep, Mercia, D&B, Extensity, JBA und SSA Global, das sich wiederum zuvor Epiphany und Baan einverleibt hatte. Lawson blieb mit dem Kauf von Intentia vergleichsweise zurückhaltend, und die Microsoft-MU-Softwarelinien kamen durch die Akquisitionen von Great Plains, Solomon Software, Navision und Damgaard/Axapta zustande.Aus der Sicht der Hersteller hat eine Konsolidierung Vorteile. Sie unterstützt die Hersteller beim Ausbau ihrer geografischen Präsenz und/oder der Vertiefung bei der Kompetenz einer bestimmten Branche. Es können ganz neue Angebotsbündel geschnürt oder neue Funktionen in bestehende Produkte eingebaut werden. Die Erweiterung der Verkaufsmannschaft ermöglicht ein besseres Cross-Selling akquirierter Produkte in die bestehende Kundenbasis.Die Konsolidierung bringt indes auch gewisse Nachteile. So werden teilweise Produkte nicht weiter unterstützt, Kunden bekommen möglicherweise weniger Support und/oder weniger rasche Upgrade-Auslieferungen, der Kontakt zu den Kunden reisst durch die Integration von Verkaufsteams ab oder der Einbau neuer Funktionen bringt den Kunden wenig Nutzen.

Die Macht der Usergruppen

Aus Kundensicht birgt die Konsolidierung bei den Herstellern einige Probleme, weil die einfache Bedienung, tiefe Gesamtkosten und Flexibilität bei den Upgrades wichtige Kriterien bei der Auswahl der geeigneten Firmensoftware sind. Kunden achten deshalb auf finanzielle Stabilität des Herstellers und möglichst lange laufende Supportkontrakte. Wenn sich die Kunden von ihren Lieferanten vernachlässigt fühlen, verschaffen sie sich über ihre User-Groups Gehör – und praktisch alle grösseren Hersteller mussten sich diesem Druck mindestens einmal beugen und Supportfristen oder die Weiterentwicklung bestehender Produktelinien zeitlich ausdehnen. Von der Konsolidierung haben Kunden nur Vorteile, wenn sie sich in ihren User-Gruppen ausreichend Gehör verschaffen können und die Hersteller so zu verlängerten Support- und Entwicklungsfristen zwingen.Auch wenn die Chefs von Softwarefirmen oft betonen, wie wichtig ihnen die Unabhängigkeit ist, sollten solche Aussagen nie zum Nennwert genommen werden. Exemplarisch hierfür stehen die drei Business-Intelligence-Anbieter Hyperion, Business Objects und Cognos, bei denen die drei CEO noch wenige Wochen vor den jeweiligen Übernahmen durch Oracle, SAP und IBM «Unabhängigkeitserklärungen» vorgetragen hatten.

Anzeige

«Das Unternehmen ruinieren»

Heute sind auch grosse Anbieter wie SAP nicht vor feindlichen Übernahmen gefeit. SAP könnte von IBM, Microsoft oder sogar von Google gekauft werden. Eine Übernahme durch Private-Equity-Konsortien ist laut Analysten aufgrund des relativ bescheidenen Cash-flow hier eher unwahrscheinlich. Bei Sage fallen mit Microsoft und Intuit gleich zwei potenzielle Käufer wegen möglicher Einsprachen von Wettbewerbshütern weg. IDS Scheer hat ein Consulting-Geschäft, das auf mögliche Käufer aus der Software wie eine «Giftpille» wirkt, zudem hat August-Wilhelm Scheer, der 40% der Aktien hält, keine Verkaufsabsichten geäussert. Und bei Dassault Systems, bei CAD/CAM der «Goldstandard» in der Industrie, wurde Hauptkonkurrent UGS von Siemens gekauft; CEO Bernard Charles wehrt mit der Begründung, «jemand anderer würde das Unternehmen ruinieren», gegen jegliche Annäherungsversuche ab und versucht, den Free Float unter 50% zu halten. Damit haben auch die Grosskonzerne kaum eine Chance, eine Mehrheit beim Aktienanteil zu erreichen.