Selten hat ein neuer Porsche schon im Voraus so lange Schatten geworfen. Nicht nur, dass im Management der Sportwagenmarke über 15 Jahre diskutiert wurde, ob ein Porsche mit vier Türen überhaupt ins Programm passt. Immerhin: Es gab in den 90er-Jahren einmal einen viertürigen Prototyp, der auf dem Modell 928 basierte. Er aber blieb ein Einzelstück und wurde schliesslich dem Sohn des Firmengründers, Ferry Porsches geschenkt.

Wendelin Wiedeking, damals als Retter des Unternehmens gefeiert, entschied und überzeugte die Eignerfamilien Porsche und Piëch, dass ein sportlicher Offroader statt ein Gran Turismo besser in die Zeit passen und der Marke neue Kunden bringen würde. Inzwischen weiss man: Der SUV Cayenne wurde zum Erfolg. Statt der vorgesehenen 20000 Einheiten wurden in Spitzenzeiten fast 40000 Cayenne jährlich verkauft.

Letztes eigenständiges Modell

Als vor wenigen Wochen die ersten Panamera zu den Händlern rollten, war - Ironie inklusive - die Aera Wiedeking als Konsequenz des Übernahmekampfes Porsche -VW zu Ende. Der Panamera ergänzt die Porsche-Modell-Palette just in einer Zeit, in der der Sportwagenhersteller in einer ernsten Krise steckt, die mit der Übernahme durch VW zu Ende gehen soll. Der Panamera dürfte demnach das letzte Modell gewesen sein, das Porsche eigenständig entwickelt hat, wenn auch schon - wie beim Cayenne - früher der VW-Konzern gewisse Hilfe geleistet hatte. Doch in den Entscheidungen während der Entwicklungszeit des Panamera war Porsche noch völlig frei und musste nicht in Wolfsburg nachfragen. Das wird in Zukunft anders sein.

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Weil Porsche mit einem viertürigen Sportwagen, einem Gran Turismo, Neuland betrat, hatte die Designabteilung den Auftrag, einen Wagen zu entwickeln, dem man die Herkunft ansieht, der also sofort als Porsche erkennbar ist. Diese Aufgabe ist grösstenteils gelöst. Front und Seitensilhouette erinnern klar an die «Ikone» 911. Über den Auftritt des Hecks des immerhin 4,97 m langen und nicht ganz 2000 kg schweren Fahrzeugs lässt sich hingegen streiten. Auch der «Hinterteil» sollte gemäss Pflichtenheft an die Vorgabe 911 erinnern, doch irgendwie klappt das nicht. Der Abschluss der Karosserie wirkt nicht so harmonisch wie die übrige Linienführung.

Keinen Tadel gibt es dagegen für den Innenraum. In den vier ausgeformten Sitzen haben die Insassen bequem Platz, auch hinten, trotz leicht abfallender Dachlinie. Ein Blickfang ist das Cockpit; dies gilt auch für die sich durch den gesamten Innenraum ziehende Mittelkonsole. Als Anziehungspunkt wirken die vielen Bedienelemente im vorderen Teil der Mittelkonsole. Man wähnt sich wie in einem Flugzeug; für einen normal talentierten Fahrer bedarf es schon fast eines Pilotenscheins, um alle Schalter zu beherrschen. Generell ist zu bemerken, dass man hier an eine Grenze stösst und dem Lenker oder der Lenkerin nicht noch mehr zumuten sollte.

Viel Fahrspass pur

Zuzumuten ist jedoch praktisch jedem das Fahren des GT aus dem Schwäbischen. Auch der jüngste Porsche nimmt die Vorgabe auf, dass jeder Zuffenhauser absolut alltagtauglich sein muss, egal, wie viel PS unter der Haube stecken. Der Panamera lässt aufgrund seiner Motorenleistung ein sehr dynamisches Fahren zu. Allerdings sind dem Wagen, vor allem in Sachen Agilität, seine fast 2 t Gewicht anzumerken. Zumindest dann, wenn man von einem 911 umsteigt. Dennoch ist und bleibt der Panamera ein Sportwagen, einer halt für die vierköpfige Familie. Für Vaters Fahrspass gibt es ja noch immer die schnellen Brüder aus der zweisitzigen Porsche-Familie.