Zuerst kam Swissair, dann folgte die Erb-Gruppe. Kein Konkurs beschäftigte die Wirtschaftszene Schweiz mehr, als diese beiden Pleiten aus den Jahren 2001 und 2003.

Am Montag muss sich nun der ehemalige Verwaltungsratspräsident Rolf Erb den Richtern stellen. Sie entscheiden, ob er der Schuldige im grössten Wirtschaftsprozess nach dem Swissair-Fall ist - oder ob ihm einfach Pech an den Händen klebte.

Der Aufstieg der Erb-Gruppe war ebenso spektakulär wie deren Fall. Aus einer kleinen Autowerkstatt entwickelte Rolfs Erbs Vater Hugo einen Giganten im Autoimportgeschäft, baute die Firma in einen Mischkonzern um: Vom Kaffee bis zu Immobilien - alles war dabei.

Die Söhne Rolf und Christian eiferten ihrem Vater nach und spekulierten im grossen Stil mit Devisengeschäften. Dabei erlitten sie - nach anfänglichen Gewinnen - Verluste in Millionenhöhe. Ein grosses Loch ins Erb-Imperium frass zudem die deutsche Firma Concordia Bau und Boden AG, an der sich die Erbs beteiligt hatten.

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Kreditkündigungen als Anfang vom Ende

Die undurchsichtige Firmenstruktur ermöglichte es den Protagonisten, die entstandenen Millionenverlust jahrelang zu kaschieren - und: Es gelang ihnen, bei den Banken laufend neue Kredite aufzunehmen. Die UBS lieh Erb 400 Millionen Franken. Als der ehemalige Erb-Finanzchef Hans Vögeli zur Zürcher Kantonalbank (ZKB) wechselte, fuhr sie ihr Engagement von 400 Millionen Franken auf wenige Millionen Franken zurück und kündigte 1998 überraschend einen 30-Millonen-Franken-Kredit. Die ZKB bestritt immer, Vögelis Wechsel habe etwas mit der Kreditreduktion zu tun gehabt.

Doch die ZKB stand seitens der Geldgeber stellvertretend als Anfang des Untergangs. Die Lage für die Erb-Gruppe wurde immer prekärer, weil andere Banken dem ZKB-Beispiel der Kreditkündigung folgten. Am Ende nützten auch hastige Sanierungsaktionen nichts mehr: Die Gruppe wurde 2003 zerschlagen. Wenig später begann die Staatsanwaltschaft ihre Untersuchungen.

Dabei kam sie etwa zum Schluss, dass Rolf Erb trotz Überschuldung zwischen 1998 und 2003 einen jährlichen Lohn über 1 Million Franken bezog - für seinen Lebensunterhalt. Die Anklage lautet auf gewerbsmässigen Betrug, Urkundenfälschung, Gläubigerschädigung.

Mehr Details zum Fall Erb in der aktuellen Ausgabe des «Beobachters».