Rolf Erb, der letzte Konzernchef der Erb-Gruppe, muss sich ab dem 23. September vor dem Zürcher Obergericht verantworten. Die zweite Runde im Erb-Prozess dauert voraussichtlich eine ganze Woche. Der 62-Jährige prozessiert vor Obergericht gegen die acht Jahre Freiheitsstrafe, zu denen ihn das Winterthurer Bezirksgericht im März 2012 verurteilte.

Erb wurde des gewerbsmässigen Betrugs schuldig gesprochen, weil er mit gefälschten Abschlüssen Bankkredite erschwindelt haben soll. Weil Erb das Urteil ans Obergericht weiterzog und es damit nicht rechtskräftig ist, ist der Verurteilte bis auf Weiteres auf freiem Fuss. Er lebt nach wie vor auf Schloss Eugensberg im Thurgau.

Obergericht entscheidet auch über Schenkungen

Für den letzten Konzernchef der Erb-Dynastie geht es ab dem 23. September aber nicht nur um seine Freiheit, sondern auch um viel Geld. Das Obergericht wird im Rahmen des Berufungsprozesses entscheiden, was mit den Vermögenswerten passieren soll, die Erb kurz vor dem Zusammenbruch des Konzerns seinen damals 10 Monate alten Zwillingssöhnen geschenkt hatte.

Dazu gehören neben dem Schloss auch eine Garage voller Oldtimer, eine Immobilienfirma und zahlreiche Liegenschaften, darunter ein Hotel. Wie viel dieses Paket wert ist, ist nicht abschliessend geklärt. Eine Konkursverwalterin schätzte vor einigen Jahren allein das Schloss auf 40 Millionen Franken.

Grösste Pleite seit der Swissair

Das Winterthurer Gericht entschied im Mai 2012, dass diese Schenkungen rückgängig zu machen seien und mit dem Erlös aus dem Verkauf dereinst die Gläubiger entschädigt werden sollen.

Der Kollaps der Erb-Gruppe im Jahr 2003 war die zweitgrösste Firmenpleite der Schweizer Wirtschaftsgeschichte, nach dem Zusammenbruch der Swissair Group. Zum Konzern gehörten einst über 80 Firmen, die insgesamt 5000 Mitarbeitende beschäftigten.

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(sda/muv/moh)